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Erfolgreiche Geschäftsfrau erlebt extreme Höhen und meistert tiefe Täler

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Von: Veronika Macht

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Mit viel Respekt begegnet Sonja Piontek den Menschen – hier beim Mittagessen mit einer Himba Frau.
Mit viel Respekt begegnet Sonja Piontek den Menschen – hier beim Mittagessen mit einer Himba Frau. © Carolyn Strover

Karrierefrau Sonja Piontek hat ihren Traum gelebt, bis das Jahr 2020 für sie zum Schicksalsjahr wird. Doch wie tief die Täler auch sein mögen - aufgeben kommt für die heute 45-jährige Wahl-Moosinningerin nicht in Frage.

Moosinning – Sonja Piontek ist eine Karrierefrau mit eigenem Business. Sie ist international erfolgreich, hat die vermeintlich große Liebe gefunden, ihren Traum gelebt. Bis das Jahr 2020 für sie zum Schicksalsjahr wird. Die heute 45-Jährige verliert ihr ungeborenes Kind, ihren Partner, ihre Aufträge. Doch aufgeben kommt für die Wahl-Moosinningerin nicht in Frage. Sie findet neuen Lebensmut, und der Phönix, der aus der Asche aufsteigt, wird zum Symbol für ihr Leben. Bei der Heilung hilft ihr auch eine Reise nach Namibia. Darüber hat Piontek jetzt ein Buch geschrieben. „Sonnengeflüster“ ist bei National Geographic erschienen.

„Langweilig war mein Leben noch nie“, erzählt Sonja Piontek, die als eineiiger Zwilling in München zur Welt kommt. Als Kind steht sie regelmäßig vor der Kamera, macht TV-Werbung für Nutella, spielt mit ihrer Schwester Tatjana unter dem Pseudonym Verena Corinna die Hauptrolle im Kinofilm „Annas Mutter“ an der Seite von Gudrun Landgrebe.

Aufgewachsen als eineiiger Zwilling, in einer indischen Sekte, mit zwei Müttern

Als die Mädchen gerade in die Pubertät kommen, trennen sich ihre Eltern. Ihre Mama verliebt sich neu – in eine Frau. Sie wird für Piontek „ganz klar meine zweite Mutter, aber als Teenager war das nie ganz einfach“, sagt die 45-Jährige. Dass sie jetzt aber drei Elternteile hat, empfindet sie als großes Geschenk.

In der neuen Partnerschaft schließt sich ihre Mutter einer indischen Sekte an, eine „sehr offene und tolerante Glaubensgemeinschaft. Auch wenn ich selber nie daran geglaubt habe – da waren viel positive Energie, Halt und Freude. Das hat mich auch charakterlich geformt“, sagt Piontek, „aber mit 16 kam der Punkt, da wollte ich ein normaleres Leben“.

Mit ihrer Zwillingsschwester Tatjana (l.) wächst Sonja Piontek unter anderem in München auf.
Mit ihrer Zwillingsschwester Tatjana (l.) wächst Sonja Piontek unter anderem in München auf. © Privat

Piontek geht weiter zur Schule und macht ihr Abitur. Danach will sie Pilotin werden, doch die Ausbildung ist teuer. Also studieren – nur was? Etwas mit Wirtschaft und Sprachen soll es sein, „aber nicht Tourismus“. Das Richtige findet sie als Abiturientin, als sie eines Tages eine Vietnamesin kennenlernt, die in Passau Diplom-Kulturwirtschaft mit Schwerpunkt Südostasienkunde studiert: „Ich habe mich noch am gleichen Tag dafür eingeschrieben“, sagt Piontek.

Prägende Zeit in Indonesien

Mit einem Stipendium der indonesischen Staatsregierung geht sie 1998 nach Bandung in Zentral-Java, studiert an der Universitas Padjadjaran. Mit Anfang 20, ohne die Kultur zu kennen, ohne die Sprache zu sprechen. Doch das soll sich schnell ändern, denn Piontek lebt bei einer muslimischen Familie mit vier Brüdern. „Es war eine tolle Erfahrung, wir haben bis heute eine enge Verbindung, sie sind wie eine zweite Familie für mich“, erzählt die 45-Jährige.

Sie erlebt eine prägende Zeit, ist dort, während die Regierung gestürzt wird und Indonesien im Chaos versinkt. „Jakarta hat gebrannt, aber ich habe mich in der Familie sicher gefühlt.“ Und als sie nach Deutschland zurückkehrt, schätzt sie das Leben hier noch mehr.

Nach dem Vordiplom in Passau zieht es die Weltenbummlerin wieder ins Ausland – diesmal nach Neuseeland. Dort startet sie 1999 auch ihre Karriere bei BMW: Aus einem Praktikum wird nach zwei Monaten eine Festanstellung. Piontek übernimmt das CRM- und Event-Management – „für mich eine Riesenanerkennung“.

Fast zwei Jahre bleibt sie in Neuseeland, kehrt schweren Herzens nur nach Deutschland zurück, um ihr Studium zu beenden. „Vom vollwertigen Traumjob im Paradies wieder ins Uni-Leben, das war nicht nur einfach“, aber Piontekt beendet ihr Studium und fasst beruflich Fuß bei BMW in der Münchner Konzernzentrale. Hier arbeitet sie für den Bereich Motorrad in der Kommunikation und bekommt nach knapp zwei Jahren „ein überwältigendes Angebot einer Beförderung“.

Erstes Buch erscheint 2009 - ein persönlicher Guide für China

Gleichzeitig erhält ihr Partner die Offerte, beruflich nach China zu gehen. Piontek geht mit ihm und lehnt die Beförderung ab, ebenso ein Alternativangebot von BMW in China – „ich war naiv genug zu glauben, es wäre ein adäquates“. In Peking betreut sie stattdessen als Creative Director VW, Audi, Mercedes, erst bei einer Marketingagentur, später freiberuflich. Dort schreibt sie auch ihr erstes Buch. „China, die türkise Couch und ich“ ist ein interkultureller und persönlicher Führer mit Geschichten aus dem Alltagsleben in China und erscheint 2009.

Nach drei Jahren kehrt das Paar nach Deutschland zurück, lebt in Dachau, dann einige Jahre in Eicherloh. Beruflich landet Piontek wieder bei BMW, leitet die strategische Namensgebung der BMW Group, bis ihr 2014 angeboten wird, als Marketing-Direktorin für BMW Asia mit Sitz in Singapur dorthin zu gehen. „Diese Anerkennung zu bekommen, war ein sehr heilender Prozess, nachdem ich die Beförderung zuvor selbst abgesagt hatte. Und ich habe den Job geliebt“, schwärmt sie noch heute.

„Aber ich wollte mich weiterentwickeln, größere Kreise fliegen, höher hinauf. Nicht im Sinne einer Konzernkarriere, wo es umso politischer wird, je höher man steigt.“ Dabei habe sie auch lernen müssen: „Ab einer gewissen Flughöhe bist du in so einem Unternehmen nur noch eine Nummer.“

Raus aus der Komfortzone: „Dahinter beginnt ein Universum an Möglichkeiten“

Ihr Mentor und UN-Sonderbotschafter der Meere, Lewis Pugh, bekräftigt sie schließlich, BMW zu verlassen. „Der Weggang war nicht einfach“, erzählt sie. „Es ging nicht um das Prestige oder den teuren Firmenwagen. Es ging darum, den familiären Zusammenhalt aufzugeben und dass ich mich ins Unternehmerische stürze, ohne zu wissen, was kommt, ohne finanzielle Sicherheit.“ Dennoch wagt sie den Schritt raus aus der Komfortzone und merkt: „Dahinter beginnt ein Universum an Möglichkeiten.“

So gründet Piontek Anfang 2018 in Singapur die Agentur „Sonnenkind“ – so nannte sie ihr Vater als Kind; eine Agentur spezialisiert auf Events für Konzerne und Erlebnisreisen für Privatpersonen. „Mit meinem Netzwerk kann ich Erlebnisse ermöglichen, die keiner sonst hinkriegt“, sagt Piontek zu ihrem Konzept. Zum Beispiel Offroad-Touren auf neuseeländischen Farmen. So gewinnt ihre Agentur innerhalb von zwei Jahren die ersten Awards. „Ich habe mich auf meine Stärken fokussiert, und das mit Leidenschaft“, erklärt sie ihr Erfolgsrezept.

Als Rednerin tritt Sonja Piontek auf der ganzen Welt auf – auch in ihrer Heimatstadt München wie hier in der Allianz Arena.
Als Rednerin tritt Sonja Piontek auf der ganzen Welt auf – auch in ihrer Heimatstadt München wie hier in der Allianz Arena. © Carolyn Strover

Das gibt sie seit einigen Jahren auch als Keynote-Speaker und Coach weiter, hält Vorträge für Weltkonzerne wie Google und Land Rover. Anfangs drehen sich die Reden um Marketingthemen, bald darauf um Persönlichkeitsentwicklung, das Nutzen der eigenen Stärken, das Entfalten der eigenen Potenziale. „UltraCreativity“ nennt sie ihr Konzept, das sie 2018/19 sogar zur Bestseller-Autorin macht: „Ich habe mit einer Freundin gewettet, dass ich in sieben Tagen einen Bestseller schreibe. Einfach um zu zeigen, dass mit dem richtigen Mindset alles möglich ist.“ Das Buch mit dem Titel „UltraCreativity – The Experiment“ erscheint im Selbstverlag als eBook für einen Euro – und wird zum vierfachen Nummer-1-Bestseller auf Amazon.

Das Jahr 2020 wird für Sonja Piontek ein Jahr der großen Verluste

2018 lernt Piontek einen neuen Partner kennen, „die Liebe meines Lebens, wie ich dachte. Aber er war leider zu schwach, um die Liebe seines Lebens zu leben.“ Ende 2019 wird die damals 44-Jährige schwanger, doch verliert Anfang 2020 das ungeborene Kind. Kurz darauf verlässt sie ihr Partner. „Diese beiden Verluste haben mir das Herz brutal rausgerissen, und dann kam im März noch Corona.“ Keine Reden mehr, keine Reisen mehr – all das lässt die eigentlich so starke Frau zusammenbrechen.

„Ich musste nie wirklich tiefe Probleme überwinden, nie wirklich richtige Verluste durchmachen, und auf einmal wurde mir der Boden unter den Füße weggezogen. Das waren Schmerzen, die ich rein körperlich nie für möglich gehalten hätte“, beschreibt Piontek. Sie kehrt nach Moosinning zurück und fällt in ein tiefes Loch. „Ich bin monatelang im Bett gelegen und habe geweint. Es gab in der Zeit Momente, da wusste ich nicht, ob ich jemals wieder aufstehen kann“, gibt sie zu.

Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem sie sagt: „Ich will wieder lachen, wieder leben, wieder ich und glücklich sein.“ Also lässt sie die Verletzlichkeit zu und schafft sich bewusst Glücksmomente – eine halbe Stunde mit einer Freundin lachen, eine Fahrt in die Berge. Sie holt sich auch professionelle Hilfe, „was immer noch ein Tabuthema in Deutschland ist“, und bittet Freunde um Unterstützung. „Das ist mir sehr schwer gefallen. Aber ich habe gelernt, dass es okay ist, um Hilfe zu bitten.“

Heilsame Reise durch das Sehnsuchtsland Namibia

Schrittchenweise geht es ihr besser, und Piontek fasst einen Beschluss: „Ich wollte dieses Jahr nicht mein Leben lang als dunkelrot in der Bilanz in Erinnerung behalten, sondern zumindest auf eine schwarze emotionale Null kommen.“ Also plant sie, nach Namibia zu fliegen – das ist im Oktober 2020 trotz Corona möglich. Es ist ihr Sehnsuchtsland, über zehn Mal war sie dort. Piontek fragt ihre Freundin Carolyn Strover, ob sie mitkommt. Die Fotografin sagt sofort zu, in drei Wochen soll es losgehen.

Um zumindest die Reisekosten zu decken, wollen die beiden Artikel und Fotos über die Reise verkaufen. Piontek fragt bei National Geographic an – doch statt eines Artikels soll es gleich ein Buch werden. Den Vertrag unterzeichnen die Freundinnen noch am Tag ihres Abflugs. „Das war für mich emotional ein so wichtiger Schritt, dieses Gefühl, dass ich jemanden wie National Geographic begeistern kann mit dem, was ich gerne mache und gut kann.“

Auf dem Pferd mit einer Herde Giraffen in Namibia unterwegs: „Besondere Erlebnisse wie dieses passieren nicht von allein“, sagt Sonja Piontek. „Man muss sich dafür einsetzen, Glücksmomente erleben zu dürfen.“
Auf dem Pferd mit einer Herde Giraffen in Namibia unterwegs: „Besondere Erlebnisse wie dieses passieren nicht von allein“, sagt Sonja Piontek. „Man muss sich dafür einsetzen, Glücksmomente erleben zu dürfen.“ © Carolyn Strover

Die vier Wochen in Afrika werden für Piontek zu einer anstrengenden, aber heilenden Reise. Sie mahlt gemeinsam mit Himba Frauen Maismehl, galoppiert auf einem Pferd mit einer Herde Giraffen, wandert mit einem Bergzebra. „Natürlich tun die Verluste noch weh. Aber ich hatte so viele tiefe Glücksmomente, dass ich wusste: Ich kann wieder atmen.“

Entstanden ist daraus ein sehr persönlicher Reisebericht mit 30 Inspirationen, „um den Menschen zu helfen und sie zu berühren“. Sie wolle nicht nur berichten, was sie offroad in Namibia alles erlebt habe, sondern auch, dass man manchmal kämpfen müsse, um etwas hinzukriegen. „Besondere Erlebnisse passieren nicht von allein, man muss sich dafür einsetzen, Glücksmomente erleben zu dürfen“, sagt Piontek.

Sonja Piontek: „Ich habe nie einen Fünf-Jahres-Plan. Ich folge meinem Herzen.“

Wie es jetzt weitergeht in ihrem Leben? „Ich habe nie einen Fünf-Jahres-Plan. Ich folge meinem Herzen, verlasse mich auf meine Stärken und bin mutig, aus der Komfortzone rauszugehen.“ Die Begriffe „Nein“ und „geht nicht“ habe sie längst aus ihrem Leben gestrichen. „Alles ist machbar, man muss nur einen Weg finden. Und wenn eine Tür zu ist, überlege ich, wie ich sie aufkriege oder ob es eine andere Tür gibt, durch die ich gehen kann.“

Und Türen hat Piontek schon zahlreiche durchschritten. Allmählich erholt sich ihre Reiseagentur, und auch als Rednerin ist sie wieder gut gebucht. Dabei erzählt sie dann oft auch die Geschichte ihres Zusammenbruchs. Schwäche zu zeigen. noch dazu als Frau, ist eigentlich ein No-Go in der knallharten Geschäftswelt. „Das ist ein schwieriger Balanceakt, aber darüber zu reden hilft mir“, sagt sie.

Auch das Symbol des Phönix greift Piontek in ihren Reden und Coachings auf, denn: „Wenn du wirklich wie ein Phönix aus der Asche aufsteigen oder einfach höher fliegen willst, musst du bewusst an dir arbeiten. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das wirklich funktioniert.“ Vroni Macht

Buch „Sonnengeflüster“

Das Buch „Sonnengeflüster – Zwei Frauen offroad durchs unbekannte Namibia“ von Sonja Piontek und Fotografin Carolyn Strover ist im National Geographic Verlag erschienen. Das Vorwort stammt von Michael Martin. Der außergewöhnliche Reisebericht enthält 30 tief greifende Inspirationen. Der Preis beträgt 24,99 Euro.

Als „Safari of a Lifetime“ bietet Pionteks Agentur „Sonnenkind Reisen“ über Weihnachten und Neujahr 2021/22 eine exklusive Reise zum Buch an. Alle Informationen dazu stehen online auf www.sonnenkind-reisen.de oder sind per E-Mail an info@sonnenkind.com.sg erhältlich. vam

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