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Mittendrin, statt nur dabei: Der vierte Offizielle Christian Keck (M.; mit schwarzer Jacke) versucht zusammen mit Schiedsrichterassistent Tobias Wittmann (4. v. l.) zu schlichten. Schiri Christian Dietz (r.) zeigt Nicholas Helmbrecht (l.) nach seinem groben Foul die Rote Karte. Bayern-Ersatztorwart Andreas Rössl (2. v. l.) schützt den Löwen-Spieler. 

Regionalliga-Derby

Ein Grünbacher zwischen Rot und Blau

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12 500 Zuschauer beim ausverkauften Regionalliga-Derby zwischen dem TSV 1860 und dem FC Bayern München 2. Hitzige Atmosphäre, Pyrotechnik, Rote Karte und Rudelbildung. Mitten drin als vierter Offizieller der Grünbacher Christian Keck, der schließlich selbst eingreifen musste.

München/Grünbach– „Das war jetzt mein drittes Derby, aber so angespannt war’s noch nie“, erzählt der 35-jährige Grünbacher, der als Schiedsrichter in der Bayernliga aktiv ist und in der Regionalliga als vierter Offizieller. Da ist er am Spielfeldrand quasi der verlängerte Arm des Schiedsrichtergespanns, kündigt Auswechslungen an und sorgt dafür, dass auf den Spielerbänken Ruhe ist.

„Die Sicherheit stand im Mittelpunkt, das hat man von Anfang an gemerkt“, erzählt er. Schon vor der Partie gab es mehrere Besprechungen mit Offiziellen der Liga, Sicherheitsbeauftragten beider Teams und der Polizei. „Da sind wir alle sogenannten deeskalierenden Stufen durchgegangen“, erzählt er. „Ein Abbruch sollte möglichst vermieden werden.“ Nachdem Hinweise auf gewaltbereite Fans eingegangen waren, seien die Kontrollen noch einmal verschärft worden. „Aber wir sollten pünktlich anpfeifen, egal wie viele Fans noch draußen stehen.“

Im Spiel passierte dann in der ersten Hälfte nicht viel. „Das lief ganz normal, obwohl man schon gemerkt hat, dass bei Spielern und Trainern der Blutdruck etwas höher war“, sagt der 35-Jährige und ergänzt lachend: „Bei uns übrigens auch.“ Als die zweite Hälfte angepfiffen werden sollte, zündeten Bayern-Fans Pyrotechnik in ihrer Ostkurve. „Das war die erste Deeskalationsstufe – wir warteten am Spielfeldrand, bis sich der Rauch verzogen hatte.“ Danach blieb es auf den Rängen friedlich, trotz gegenseitiger Provokationen.

Nicht so am Spielfeldrand. Denn als die Partie wieder lief, „wurde der Ton auf den Bänken deutlich rauer und schlug an den Grenzen an“, berichtet Keck. „Das ist klar, die kennen sich alle.“

Die Trainer nimmt er aber ausdrücklich aus. „Die waren beide voll aufs Spiel fokussiert. Da kam kaum Kritik am Schiedsrichter, sondern wenn sie sich aufgeregt haben, dann über ihre Mannschaft.“

In der 74. Minute ging Bayern in Führung. Und dann kam die ominöse 86. Minute, als Löwen-Spieler Nicholas Helmbrecht den eingewechselten Franck Evina umgrätschte. „Und das direkt vor der Bayern-Bank, das war das Problem“, erzählt Keck. „So schnell konntest du gar nicht reagieren, wie die beinander hingen.“ Schiedsrichter Christian Dietz zückte zwar sofort die Rote Karte gegen Helmbrecht, aber schon hatte sich ein Rudel gebildet. Mittendrin neben Schiri-Assistent Tobias Wittmann auch der vierte Offizielle. „In dem Moment hast du keine große Kontrolle mehr, da musst du nur schauen, dass alles möglichst ruhig bleibt.“ Vorbildlich habe sich Bayern-Ersatztorwart Andreas Rössl verhalten. Der gebürtige Finsinger habe Helmbrecht geschützt und deeskalierend gewirkt. „Der war sehr besonnen, das war ein großer Vorteil“, sagt Keck. „Er und Co-Trainer Tobi Schweinsteiger haben auch gleich gesehen, dass es Rot gegeben hat und haben ihre Spieler, die das offenbar nicht wahrgenommen hatten, informiert.“ So habe sich das Geschehen auch gleich wieder beruhigt. „Wir sind auch weder geschubst oder gar geschlagen worden, und so mussten keine weiteren Karten mehr gezeigt werden.“

Es blieb schließlich beim 1:0 für die Bayern, „und nachdem der Schiri kein Thema war, wollte uns auch keiner was“, erzählt der 35-jährige Grünbacher. Schockierend war für ihn dann aber, als sie sahen, was Polizei und Security bei den Kontrollen alles sichergestellt hatten. „Kistenweise haben sie beschlagnahmte Sachen wie Sturmhauben, Messer und Schlagringe reingetragen, das war unfassbar.“

Keck sagt, er sei froh, dass letztlich alles friedlich abgegangen sei. „Wir saugen das ja auch auf, und zwischendurch hatte ich immer wieder Mal Gänsehaut, denn diese Stimmung war einmalig“, gesteht der 35-Jährige „Das hat richtig Spaß gemacht.“ Ob er gerne wieder als vierter Offizieller bei einem Derby dabei sein möchte? „Jederzeit gerne“, meint er grinsend.

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