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Goldener Anbau: Eine Kupfer-Alu-Legierung verleiht dem Museumsneubau an der Prielmayerstraße einen besonderen Glanz. 2015 erhielt der Komplex aus Alt- und Neubau den Fassadenpreis des Landkreises. 

Vor zehn Jahren wurde Neubau eröffnet

Museum Erding: Stadtgeschichte hinter güldener Fassade

  • Gabi Zierz
    vonGabi Zierz
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Seine güldene Fassade ist weithin sichtbar und sticht sofort ins Auge: Am Donnerstag, 25. Juni,  feiert der Erweiterungsbau des Museums Erding sein zehnjähriges Bestehen. 

ErdingSeine güldene Fassade ist weithin sichtbar und sticht sofort ins Auge: Am Donnerstag, 25. Juni,  feiert der Erweiterungsbau des Museums Erding sein zehnjähriges Bestehen. Die Grundsteinlegung hatte am 28. September 2008 stattgefunden. Anlass für einen kleinen Rückblick auf die jüngste Dekade der 160-jährigen Erdinger Museumsgeschichte.

Der Bedarf für eine Erweiterung, Modernisierung und Neuaufstellung des städtischen Heimatmuseums Erding an der Prielmayerstraße war schon lange bekannt. Seit 1986 war die Sammlung im denkmalgeschützten Antoniusheim untergebracht. Zuvor war das 1856 von Anton Bachmair gegründete Museum im alten Rathaus, dann in der neuen Schrannenhalle und schließlich im Rathaus an der Landshuter Straße beheimatet. Während des Zweiten Weltkriegs musste die Sammlung über zehn Jahre ausgelagert werden. Die ehrenamtliche Leitung hatte seit den 1980er Jahren Paul Adelsberger inne. Gemeinsam mit einem starken ehrenamtlichen Team setzte er sich unermüdlich für die Erweiterung der Sammlung, die Dauer- und und zahlreichen Sonderausstellungen ein.

Wettbewerb für Architekten

2007 lobte die Stadt Erding unter Bürgermeister Karl-Heinz Bauernfeind für das neue Museum Erding einen Architekturwettbewerb aus. Den Auftrag für Planung und Bau erhielten die Architekten Karl-Heinz Walbrunn und Ralf Grotz. Mit der Ausstellungsgestaltung wurde Tido Brussig beauftragt. Es gelang „eine harmonische Symbiose von historischer Bausubstanz und moderner Architektur“, erklärt Stadtsprecher Christian Wanninger. Ein echter Hingucker ist die aus rund 1400 Fotos zusammengesetzte Bilderwand im Außenbereich und Foyer des Anbaus.

Das Untergeschoss dient als Depot für die Sammlung, die mittlerweile rund 60 000 Einzelobjekte umfasst. Das Museum Erding beherbergt dort eine der ältesten kommunalen Sammlungen in Bayern. „Erstmals konnten die aus Stadt und Landkreis stammenden Kulturgüter in einem professionell eingerichteten Depot klimatisch optimal untergebracht werden“, so Wanninger.

Der golden glänzende Neubau wurde am 25. Juni 2010 mit den neuen Abteilungen über ehemals bedeutende Wirtschaftszweige Erdings – das Glockengießer- und Lodererhandwerk – von Bürgermeister Max Gotz, seit 2008 im Amt, eröffnet. Dazwischen liegt die offene Sonderausstellungsfläche, die seither mit Wechselthemen bespielt wird. Neben einer Sonderschau zum Kletthamer Reihengräberfeld (2015/16) wurden dort der Fliegerhorst und die Garnisonstadt Erding (2017/18), der Schöne Turm (2018/19) und aktuell die Thematik der Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten anschaulich präsentiert.

Weitere kleinere und größere Wechselausstellungen fanden im Foyer und Vortragsraum Platz. 2012 gelangte die „Sammlung Rudolf L. Reiter“ als Schenkung an die Stadt. Sie wird seither in wechselnden Hängungen im Museum gezeigt.

Wissens- und Kulturspeicher

Dem Neubau folgte bis 2013 die umfangreiche Altbausanierung des denkmalgeschützten Antoniusheims aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Zug um Zug konnten bis Ende 2014 die Abteilungen Archäologie (kuratiert von Harald Krause) sowie Stadtgeschichte, Kunst und Alltag (Dr. Albrecht Gribl) eröffnet werden.

Herzstück des Museums ist das Foyer mit seinem Lichthof, das sich zu einem Ort der Begegnung entwickelt hat. Davon zeugen nicht nur die über die Jahre wachsenden Besucherzahlen (2011: 3854, 2013: 4819 und 2017: 7743 Besucher), sondern auch das Veranstaltungsprogramm. Im Mai 2019 konnte der 50 000. Besucher seit Eröffnung des Neubaus begrüßt werden. Über 900 Führungen wurden bislang angeboten, mehr als 380 Veranstaltungen und Vorträge fanden statt. „Als starke Partner haben sich unter anderem das Katholische Bildungswerk, der Archäologische Verein, das Museum Franz Xaver Stahl, die LMU München, das Anne-Frank-Gymnasium, die Volkshochschule Erding, der Verein Kammerkonzerte Erding und die Kreismusikschule etabliert“, so Wanninger.

Das Museum hat sich in den vergangenen Jahren zum attraktiven Kulturspeicher weiterentwickelt. Das ist auch das Verdienst von Harald Krause. Im Mai 2015 übernahm der gebürtige Erdinger die Leitung von Paul Adelsberger.

Das Museum bewahrt eine bedeutende, historisch gewachsene Sammlung. Diese betreut seit Ende 2017 Elisabeth Boxberger. Krause und sie werden bei ihrer Arbeit von vielen ehrenamtlich Engagierten unterstützt. Sie alle sichern den „Wissens- und Kulturspeicher Museum“.

„Leider können aufgrund der aktuellen, coronabedingten Hygiene- und Sicherheitsauflagen bis auf Weiteres keine Führungen oder Veranstaltungen angeboten werden“, bedauert Krause. Das Museum Erding ist aber für Besucher geöffnet: von Dienstag bis Sonntag täglich von 13 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet drei Euro (ermäßigt 2 Euro). Für Familien mit Kindern gibt es Sondertarife.

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