Erst nach zwei Zugaben entließ das Publikum Peter Hackel und seine Frau Claudia Góndola de Hackel, die als Duo Porteño im Weidenhain in Taufkirchen musizierten.
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Erst nach zwei Zugaben entließ das Publikum Peter Hackel und seine Frau Claudia Góndola de Hackel, die als Duo Porteño im Weidenhain in Taufkirchen musizierten.

Konzert

Musik zum Träumen im Weidenhain

Peter Hackel und Claudia Góndola de Hackel begeistern an zwei Konzertabenden im Taufkirchener Weidenhain.

Taufkirchen – Für ihr Konzert haben sich Peter Hackel und seine Frau Claudia Góndola de Hackel mit der Weidenkuppel einen der idyllischsten Orte in Taufkirchen ausgesucht. Wermutstropfen waren nur die dröhnenden Flieger in der Luft, die scheppernden Laster auf der nahen B 15 und die Gäste des angrenzenden Lokals, die es zeitweise verhinderten, dass die jeweils 30 Konzertbesucher an den beiden Abenden voll in die Klänge des Duo Porteño eintauchen konnten.

Normalerweise geht Hackel jedes Jahr auf Kapellentour, was durch die Pandemie ausfallen musste. Weil er im Urlaub im Friaul so traurig und zugleich so inspiriert gewesen sei, habe er sich diese beiden Konzerte zum Ziel gesetzt und sie in zwei Wochen logistisch umgesetzt, erzählte er dem Publikum.

Er dankte Künstler Harry S., der die beiden gerne in seinem Weidenhain auftreten ließ, und freute sich über zwei „ausverkaufte“ Abende bei freiem Eintritt. Nach zwei Zugaben war das Publikum begeistert und das Körbchen am Ausgang gut gefüllt. Aus gutem Grund: Der Gitarrenlehrer und Leiter der Kreismusikschule Erding sowie seine Frau, die dort Querflöte lehrt, hatten eine unterhaltsame, abwechslungsreiche Auswahl an anspruchsvollen Stücken mitgebracht. Sie reichten von Barock über Klassik und Romantik bis zur Moderne, waren ernst, fröhlich und beschwingt, nachdenklich und hoffnungsvoll, bescheiden und temperamentvoll. Das Musikerpaar, das in Dorfen lebt, konnte damit bestens seine Virtuosität ausleben.

Hackel gab zu jedem Stück eine kleine, mitunter humorvolle Einweisung, nannte den Komponisten und beschrieb das Stück. Los ging es mit Leonardo Vincis fröhlicher Sonate in D-Dur in fünf Sätzen aus dem Barock. Weil Hackel das Konzert als „Musik zum Träumen“ angekündigt hatte, stellte er sechs seiner insgesamt 30 Regenbogenfelder vor. Entstanden seien sie, weil ihn durch Corona Wehmut geplagt habe. Also habe er sich hingesetzt und für seine Schüler diese Stücke komponiert. Ein Novum war, dass ihn seine Frau bei zwei davon mit Improvisationen begleitete. Und wahrlich, man konnte so einige im Publikum beobachten, wie sich ihre anfangs von ernster Konzentration geprägten Gesichter in freudige Mienen verwandelten.

Auch das alte Repertoire hatte Hackel ein bisschen aufgefrischt, schließlich trete er mit seiner Frau schon 35 Jahre lang als Duo auf. Ein „fröhliches Stück in D-Dur, sehr hoffnungsvoll mit ein paar Moll-Tönen“ kündigte er als nächstes an, das passe „wunderbar zu einem Sommerabend“. Bestens kamen auch drei Stücke, die schnell, bewegt, munter, heiter, fröhlich und mit einigen Dissonanzen durchsetzt waren, die nicht dem Duo, sondern der Komposition geschuldet waren, betonte er. Mit „Sino soa“, einem der schönsten Gitarrenstücke im brasilianischen Stil, waren die beiden in Südamerika angelangt, der Heimat seiner Frau, die aus Argentinien kommt.

Es folgten drei temperamentvoll-melancholische Tangos. Der Tango sei der musikalische Ausdruck für die Wehmut der (italienischen) Einwanderer gewesen, die sich gern in Kneipen trafen, erzählt er dem Publikum. So erklärten sich auch deren Titel „La Cumparsita“ (der kleine Straßenzug), „Volver“ (Rückkehr) und „A la luz de los faroles“ (Straßenlaterne). Das Publikum war hingerissen und forderte zwei Zugaben, die das Duo gerne gab.

BIRGIT LANG

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