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Nach Schock-Fotos vom Flughafen

Mysteriöse Sprengstoff-Suchgeräte: "Da ist nichts"

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München – Drei Gutachten sollen die medizinische Unbedenklichkeit der neuen Geräte erwiesen haben. Selbst wenn er wollte, könnte der Flughafen offenbar gar nicht zu den alten Sprengstoffsuchgeräten zurückkehren - obwohl es mit ihnen nie Probleme gab.

Der Flughafen München will beim Einsatz der neuen Sprengstoffsuchgeräte der Typen Itemiser und Sniffer bleiben. Drei Gutachten hätten die medizinische Unbedenklichkeit der Geräte erwiesen, sagte Uwe Büchner, Luftsicherheitsexperte des bayerischen Verkehrsministeriums, gestern im Landtag. „Sämtliche Gutachten sagen: Da ist nichts – das muss man zur Kenntnis nehmen.“ Doch die Affäre grummelt weiter – für Mittwochmorgen hat die Gewerkschaft Verdi die Beschäftigten der staatlichen Sicherheitsgesellschaft SGM, die die Kontrollen am Flughafen durchführen, zu einem dreistündigen Warnstreik aufgerufen.

Vor zahlreichen SGM-Angestellten, die die Sitzung im Landtag gestern verfolgten, referierte Büchner den Krankenstand des Unternehmens. 99 Beschäftigte hatten sich insgesamt 839 Tage krank gemeldet, weil sie sich aufgrund mysteriöser Geräte-Ausdünstungen krank fühlten. Es gab 150 Beschwerden über Geruchserscheinungen und 113 so genannte Befindlichkeitsstörungen, etwa wegen Atemwegserkrankungen oder Nierenproblemen.

Wie belastet sich die Beschäftigten tatsächlich fühlten, schilderte eindrucksvoll eine SGM-Beschäftigte, die im Landtag das Rederecht erhielt. Seit 21 Jahren ist sie in dem Unternehmen, nie gab es Probleme. Doch als im vergangenen September die neuen Geräte eintrafen, bekam sie Halsweh, Schwindel, Kopfschmerzen und Atemnot. Sie ging nach Hause, aber „von Stunde zu Stunde wurde es schlimmer“. Sie war auch stationär im Krankenhaus. Zweieinhalb Monate war die Kontrolleurin krank geschrieben. Dabei habe es vom Unternehmen kaum Hilfe gegeben. Auch der Betriebsratsvorsitzende bestätigte, dass das Vertrauen der Mitarbeiter in die Führung „nicht so eingetreten ist, wie erhofft“. Belegschaft und Geschäftsführung seien „tief gespalten“, sagt auch Verdi-Chef Heinrich Birner.

Mediziner von der LMU sprechen vom "Sick Building Syndrom"

Die Frage nach der Ursache der Erkrankungen blieb am Dienstag im Landtag offen. Der Beamte Uwe Büchner hält sich an die Theorie einer Medizinerin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, die vom „Sick Building Syndrom“ gesprochen hatte. Diese „Gebäudekrankheit“ beschreibt ein Phänomen, dass sich Personen krank fühlen, wenn sie zu viel Zeit in einem Raum verbringen – spezifische Ursachen können nicht nachgewiesen werden. Abgeordnete bezweifelten dies. „Da fehlt mir die medizinische Phantasie“, sagte Katrin Sonnenholzner (SPD), die selbst Ärztin ist. „Letztlich bleiben die Fälle rätselhaft“, sagte Bernhard Seidenath (CSU). „Ich habe den Eindruck, dass man das Ganze nicht ernst genommen hat“, meinte Christian Magerl (Grüne).

Büchner bekräftigte indes, dass der Flughafen nicht zu den alten Sprengstoffsuchgeräten des Typs EGIS III zurückkehren wird. Das liege an Auflagen der EU. Mit den EGIS-Geräten hatte es nie Probleme gegeben. Doch ihr Einsatz sei spätestens ab dem 1. Juli 2020 nicht mehr möglich, sagte Büchner. Auch die von der EU vorgeschriebene Kontrollquote – die Zahl ist geheim – erlaube das nicht. Denn die EGIS-Geräte seien wegen ihrer Größe und der darin verbauten Gasflaschen in separaten Räumen untergebracht – und die Laufwege für die Mitarbeiter zu lang. 

Rubriklistenbild: © dpa

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