Landgericht spricht Urteil

Nach Scheren-Attacke: Mann behauptet, er sei ein Gott und habe Kontakt zu Aliens

Er sei ein Teil einer höheren Macht, ein Gott, eine Lichtgestalt, und habe Kontakte zu Propheten und Außerirdischen, meinte ein Angeklagter. Das Gericht sah es nüchterner und sprach ein Urteil.

Erding/Landshut – Überraschung war es keine mehr: Die 6. Strafkammer des Landgerichts Landshut ordnete am zweiten Verhandlungstag die Unterbringung des afghanischen Asylbewerbers (22) in der Psychiatrie an. Der Mann, dem unter anderem versuchte schwere Erpressung zur Last gelegt wurde, war zur Tatzeit wegen eines akuten Schubs seiner paranoiden Schizophrenie schuldunfähig.

Wie zum Prozessauftakt berichtet, hatte der 22-Jährige vorigen Sommer auf der ehemaligen Fehlbachbrücke in Erding zwei junge Männer mit einer Schere bedroht und Betonbrocken geworfen. Nach der Festnahme durch die Polizeistreife setzte er sich erheblich zur Wehr und musste fixiert werden.

Geradezu skurril war seine Einlassung vor Gericht: Von Geburt an, so der Asylbewerber, seien ihm göttliche Weihen zuteil gewesen. Er sei ein Teil einer höheren Macht, ein Gott, eine Lichtgestalt, und habe Kontakte zu Propheten und Außerirdischen. So könne er etwa im Winter die Sommersonne scheinen lassen.

Im Jahr 2000, da sei er etwa vier Jahre alt gewesen, so berichtete er zum Lebenslauf, sei seine Familie in den Iran geflohen. Sein Vater habe als Soldat gekämpft. Im Flüchtlingslager sei es der Familie gut gegangen. Mit 20 sei er nach Europa geflüchtet und in Bayern gelandet: „Aber ich wollte immer in die Heimat zurück.“

Der psychiatrische Sachverständige Dr. Franz-Xaver Obermaier berichtete am zweiten Verhandlungstag, dass sich die Exploration äußerst schwierig gestaltet habe: Der 22-Jährige sei immer wieder in wahnhaftes Erleben abgeglitten. An die Vorfälle in Erding, so habe er wieder bekundet, könne er sich durchaus erinnern. Er sei bedroht und beraubt worden. Geld habe er nie gefordert, weil er das „von Gott“ habe.

Zur Tatzeit habe er einen akuten schizophrenen Schub erlitten. Die Kammer ordnete, wie von Staatsanwältin Sandra Seeburger und Verteidiger Christian Temporale beantragt, die endgültige Unterbringung in der Psychiatrie an. Sie sei wegen des hohen Rückfallrisikos notwendig. Wie lange er im Bezirkskrankenhaus bleibe und wann er in seine Heimat abgeschoben werden könne, hänge vom Erfolg der weiteren Behandlung ab.

Was die Vorwürfe – versuchte räuberische Erpressung, Bedrohung, versuchte Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte – angehe, sei der Mann wegen seiner Erkrankung ohne Schuld, so Vorsitzender Richter Ralph Reiter.

ötl

Rubriklistenbild: © picture alliance / Patrick Pleul / Patrick Pleul

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