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Der Neuchinger Josef Schlaffer, Jagdaufseher in Markt Schwaben, hat mit Wolfgang Lichti (nicht im Bild) zum zweiten Mal Rebhühner ausgewildert.

Auswilderung

Rebhühner in Neuching: Schüchtern in die neue Freiheit

Einst gehörten sie zum Landschaftsbild. Rebhühner fanden in den damals noch üppigeren Freiflächen auf Schwabener Flur ideale Bedingungen. Plötzlich waren sie weitgehend verschwunden. Inzwischen kümmern sich Menschen um eine gezielte Auswilderung – unter anderem ein Mann aus Neuching.

Neuching/Markt Schwaben– Wolfgang Lichti, neben Peter Widmann einer der Jagdpächter in Markt Schwaben, wollte das gar nicht glauben: Als Jagdaufseher Josef Schlaffer aus Neuching vor zwei Jahren 16 junge, von ihm aufgezogene Rebhühner auf einer Freifläche ausgewildert hatte, da hatte Lichti wenig Hoffnung, dass die Tiere lange überleben würden – zwischen dem Burgerfeld und dem sogenannten Galgenhölzl nahe der FTO und der Grenze zu Gelting. Die natürlichen Feinde des Rebhuhns wie Bussard, Habicht, Krähe, Fuchs, Marder, Wiesel oder Dachs kommen in der Umgebung recht zahlreich vor. Die Wahrscheinlichkeit war hoch, die gefiederten Jungtiere nie wieder zu sehen. Auch unnatürliche Feinde gibt es zuhauf: Nicht zuletzt uneinsichtige Hundehalter gehören dazu.

Doch Lichti (Gut Feichten; Markt Schwaben) irrte sich – zur eigenen Überraschung. Schlaffer berichtet, dass er noch im vergangenen Dezember von den einst 16 ausgesetzten Rebhühnern 13 als Gruppe wiederentdeckte. Sie halten sich nach wie vor dort auf, wo er sie einst in die Natur entließ. Dort auf den Feldern, wo sie alles finden, was sie zum Leben brauchen.

Das erfolgreiche Auswilderungsprojekt von 2016 wurde jetzt wiederholt: Der Neuchinger hatte weitere, inzwischen neun Monate alte Rebhühner so lange aufgezogen, bis sie ihm alt genug erschienen für die Freiheit.

Das Rebhuhn, sagt Lichti, gehöre einfach zur Landschaft dazu. Früher waren sie so etwas wie Wegbegleiter der Landwirte. Doch die Menschen hätten sich mehr und mehr in ihre Welt gedrängt; und sie vor Jahren nahezu komplett verdrängt.

Nicht ganz. Denn als Lichti und Schlaffer weitere Rebhühner auswilderten, wurden die Neuankömmlinge von ein paar Artgenossen gewissermaßen begrüßt. Aus Sicht der Jagdfachleute wäre es geradezu wünschenswert, wenn die Zugezogenen und die Etablierten möglichst bald in engen, intimen Kontakt kommen. Schlaffer berichtet, dass es unter Rebhühner so etwas wie eine eingebaute Inzucht-Sperre gebe. Paarungen innerhalb einer Gruppe seien jedenfalls eher sehr ungewöhnlich.

Je mehr Rebhühner es gebe, umso besser, sagt Lichti. Er spricht von einer großen Bereicherung der Natur, weiß aber auch um die Gefahren für die Rebhühner. Durch die immer näher gerückte Bevölkerung sei so etwas wie ein Unruhedruck entstanden. Auch Fasane seien davon betroffen. Die allergrößte Bitte des Agrar-Ingenieurs ist daher an Hundehalter gerichtet und lautet: Rücksicht auf die kleinen Jungtiere zu nehmen. Zwei bis drei Winter, schätzt Schlaffer, seien sie ohnehin noch auf menschliche (Futter-)Hilfe angewiesen.

Schlaffer und Lichti wissen, dass das neue Auswilderungsprojekt scheitern kann. Insbesondere auch, weil die nun ausgesetzten Rebhühner bislang lediglich die Obhut ihres Züchters kannten und daher sehr an den Menschen gewohnt sind. Besonders deutlich wurde das, als der Jagdaufseher wieder heimfahren wollte. Geradezu schüchtern, eher noch sehr anhänglich, trauten sie sich nur zögerlich in die neue Freiheit. Jörg Domke

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