Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz und Stipendiatin Veronika Klobensteiner sowie der ehemalige Stipendiat Johannes Preis in San Francisco (v.l.).
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Für ein Stipendium hatte Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz Stipendiatin Veronika Klobensteiner ausgewählt – noch vor der Corona-Krise, die die Pläne jetzt durcheinander brachte. Johannes Preis hat 2016 am Austauschprogramm teilgenommen (v.l.)

Austausch des Bundestags startet später – Aktuelle Stipendiatin und ein Ehemaliger berichten

Corona wirbelt Austausch-Pläne durcheinander

Corona hat auch das Austauschprogramm des Bundestags heuer durcheinander gewirbelt. Wir sprachen mit der aktuellen Stipendiatin, die eigentlich längst in den USA sein sollte, und einem Ehemaligen, der noch immer begeistert ist von seinem Aufenthalt.

Niederneuching/Lengdorf – Eigentlich wäre Veronika Klobensteiner jetzt in den USA und würde dort ihren Traum leben. Die Niederneuchingerin wollte über das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) mit einem Stipendium des Deutschen Bundestags ein Austauschjahr in Amerika erleben. Doch dann kam Corona.

Die 16-Jährige hatte sich im vergangenen Jahr für das Programm beworben, das ihr den lang ersehnten Austausch mit Besuch einer High School in Amerika ermöglichen sollte. Zu einem schriftlichen Bewerbungsteil kamen ein Englischtest und ein Bewerbungsgespräch, anschließend wurden Vorbereitungsseminare in Berlin besucht. Ausgesucht werden die Stipendiaten letztlich von Bundestagsabgeordnetem Andreas Lenz (CSU) – keine leichte Aufgabe, wie Lenz immer wieder betont, denn jedes Jahr würden sich „viele tolle junge Leute“ bewerben.

Er und seine Mitarbeiterin Steffi Ederer sind dann auch die ersten Ansprechpartner, sollte es Fragen oder Probleme während des Austauschs geben. Sie helfen auch bei den Vorbereitungen und betreuen umgekehrt wiederum die US-Stipendiaten, die in Gastfamilien im Wahlkreis untergebracht sind.

Statt zehn Monaten soll der Aufenthalt nur fünf Monate dauern

Schon im April erhielt Klobensteiner die Nachricht, dass der zehnmonatige Austausch aufgrund der Corona-Situation in den USA um fünf Monate verkürzt werden soll. Die 16-Jährige freut sich trotzdem. Stand jetzt soll sie im Januar nach Birmingham im US-Bundesstaat Alabama fliegen und dort die Schule besuchen. „Jetzt in den Ferien werde ich mich erst mal weiter auf die Schule konzentrieren und etwas mit Freunden unternehmen“, erzählt die Schülerin, die das Anne-Frank-Gymnasium in Erding besucht.

Der Deutsche Bundestag bietet seit 1983 das PPP für 15- bis 17-Jährige an. Um das Vollstipendium zu erhalten und Junior-Botschafter zu werden, muss man bestimmte Anforderungen erfüllen – zum Beispiel darf die Schulausbildung noch nicht mit einem Abitur abgeschlossen sein. Daneben können auch junge Berufstätige, die ihre Berufsausbildung abgeschlossen haben und höchstens 24 Jahre alt sind, teilnehmen. Sie erhalten unter anderem die Chance, ein Praktikum in einem amerikanischen Betrieb zu absolvieren.

Erst in der Gastfamilie, dann in einer WG

Diese Chance hat Johannes Preis aus Lengdorf vor vier Jahren genutzt. Der heute 28-Jährige war von Sommer 2016 bis Sommer 2017 in Mount Carmel im Bundesstaat Illinois. Der Ort war vom PPP ausgesucht worden, ebenso die Gastfamilie. Entsprechend seiner Ausbildung als Fertigungsmechaniker hat Preis zunächst am Technical College Maschinenbau studiert und Englischkurse besucht.

Im zweiten Halbjahr ist er nach Florida gezogen. Gemeinsam mit einer Grundschullehrerin hat er in Saint Petersburg in einer WG gelebt und ein Praktikum absolviert. „Die Firma, in der ich damals gearbeitet habe, hatte eine Zweigstelle in Florida. Dort konnte ich noch von Deutschland aus das Praktikum organisieren“, erzählt Preis und schwärmt: „Das war wirklich eine schöne Zeit. Und es war auch interessant, beides zu sehen – Gastfamilie und WG.“

Man lernt brutal viel, auch was die eigene Selbstständigkeit angeht.

Stipendiat Johannes Preis

Im Bewerbungsverfahren sei unter anderem gefragt worden, warum er am Austausch teilnehmen wolle. „Ich war schon mal in Amerika gewesen, es hatte mich fasziniert, wie die Menschen dort leben. Auch die Größe dieses Landes, das alles war total interessant für mich“, erzählt Preis und ergänzt: „Ich kann das Programm jedem empfehlen, der Erfahrungen im Ausland machen will. Man lernt brutal viel, auch was die eigene Selbstständigkeit angeht.“ Für Preis war der Austausch nach dem Technikerabschluss und vor einem neuen Job zudem „ideales Timing“.

Mit seiner Gastfamilie habe er nach wie vor Kontakt, erzählt der 28-Jährige, der inzwischen bei einem internationalen Anbieter von Steckverbindungssystemen in Mühldorf arbeitet. Etwa einmal im Monat schreiben sie sich E-Mails, tauschen Fotos aus. Kontakt habe er zudem noch mit einigen Bekanntschaften aus den USA und anderen Teilnehmern des Programms.

Auch Klobensteiner steht seit Ende Juli in Kontakt mit ihrer Gastfamilie. Freilich hofft die Junior-Botschafterin, wie geplant im Januar dorthin reisen zu können. Aktuell schaue es gut aus. Doch ihr Traum könnte noch platzen, sollte sich die Situation aufgrund der Pandemie wieder verschlechtern. Die Niederneuchingerin würde auf jeden Fall gerne fliegen. „Aber wenn es wirklich nicht klappt, werde ich es in ein paar Jahren noch mal versuchen, irgendwann während des Studiums“, sagt sie.

Bewerbung für 2021/22

Für das PPP 2021/22 – der Bundestag geht derzeit davon aus, dass es planmäßig stattfinden wird – kann man sich noch bis zum 11. September bewerben. Infos und Formulare gibt’s auf www.bundestag.de/ppp.

Hannah Fink & Vroni Macht

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