Wenn das ErdingerAufträge im Außenbereich retten Maler Max Schulze aus Neuching. Nach dem Lockdown droht Rohstoffmangel. Finanzamt nicht mitgespielt hätte, wäre ich jetzt pleite. Max Schulze, Malermeister aus Neuching
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Aufträge im Außenbereich retten Maler Max Schulze aus Neuching. Nach dem Lockdown droht Rohstoffmangel.

Hochkonjunktur auch während des Lockdowns – Branchenweit Sorgen wegen knapper Rohstoffe

Das goldene Handwerk trotzt der Krise

Trotz Pandemie boomt die Baubranche weiterhin. Handwerker im südlichen Landkreis haben gefüllte Auftragsbücher. Ihnen macht mit Blick auf die Zukunft aber nicht Corona Sorgen, sondern die Entwicklung des Rohstoffmarktes. Manches ist gar nicht mehr lieferbar, sagen Handwerker verschiedener Gewerke.

Südlicher Landkreis – Den langen Lockdown am ehesten gespürt haben die Maler. In den kalten Winter-Monaten sind Malerbetriebe hauptsächlich in Innenräumen tätig. Dass das in Zeiten der Pandemie ein Nachteil war, bestätigt der „Maler Max“ aus Neuching. Er und seine vier Mitarbeiter haben überwiegend Privatkunden. Im Lockdown seien viele Aufträge verschoben worden. Für seine Firma war diese Situation brenzlig. „Kleine Betriebe wie wir nagen am Existenzminimum und sind am Kämpfen“, sagt Schulze. Seinen Beruf treffe es mehr als andere Handwerker: „Auf Maler oder Schreiner kann man schon mal verzichten. Wir bringen keinen Strom oder eine Heizung.“

Maler

Während der „Maler Max“ das aktuelle Handeln der Politik in Hinblick auf die Wirtschaft kritisiert, lobt er das Erdinger Finanzamt umso mehr für seine Kulanz bei Steuerzahlungen. „Wenn die nicht mitgespielt hätten, wäre ich pleite“, gibt Schulze zu. Er berichtet, er kenne zwei Malerbetriebe aus Erding, die wohl nicht überleben werden. Zwei andere Malermeister aus dem südlichen Landkreis wollten die Presseanfrage unserer Zeitung nicht beantworten. Michael Leo Börsch aus Wörth dagegen erklärt, mit seinem zehnköpfigen Malerbetrieb jeden Tag gearbeitet zu haben. „Hätte man uns nicht gesagt, dass Corona ist, hätten wir es nicht gemerkt.“ Die Einhaltung von Hygienemaßnahmen sowie Rücksichtnahme und Arbeitsaufteilung bei Kunden seien laut Börsch kein Problem.

Heizung

Anderen Handwerksberufen, wie dem Meisterbetrieb Mühlhuber für Heizung, Sanitär und Solar aus Reithofen, hat Corona ebenso nicht geschadet. „Bei uns ist alles ganz normal weitergelaufen“, sagt Gabi Mühlhuber. Terminverschiebungen bei ihren Privatkunden gab es nur ganz wenige. „Die Leute brauchen Heizung und Wasser und waren froh, dass jemand gekommen ist.“

Fliesen

Durchaus vereinzelte Projektabsagen aufgrund Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit der Auftraggeber hat die Hans Schiwietz GmbH aus Neufinsing erlebt. Anfangs vorsichtigere Kunden hätten allerdings im Verlauf des Lockdowns wieder Aufträge vergeben, berichtet Schiwietz. Sein Fachbetrieb für Fliesen und Ofenbau sei breit aufgestellt mit Privat- und Firmenkunden. „Bis jetzt sind wir ganz gut durchgekommen.“

Elektrotechnik

Sein Cousin Bernd Schiwietz hat sich erst im März 2020 kurz vor dem ersten Lockdown mit seinem Finsinger Elektrobetrieb selbstständig gemacht. Sein Fazit ist selbst nach dem zweiten, langen Lockdown noch immer positiv. „Für mich war’s eher stressig. Ich habe nicht gemerkt, dass es einbricht“, sagt Schiwietz zur Auftragslage. Die Einsätze in privaten Haushalten seien sogar gestiegen, weil viele Bürger in neue Bäder oder Küchen investiert hätten.

Ähnlich ist die Bilanz bei Elektrotechnik Glockshuber in Walpertskirchen. „Wir haben durchgearbeitet“, sagt Susanne Glockshuber. Nur wenige ihrer Kunden seien zurückhaltend und verschieben Projekte. Dies war vor allem zu Beginn des Lockdowns. „Jetzt läuft wieder alles normal. Alle haben sich an die Situation gewöhnt – mit Maske und Abstand“, sagt Glockshuber. Ihre Angestellten arbeiten in Gruppen, starten ihren Dienst zeitversetzt und werden einmal pro Woche getestet.

Malermeister Schulze ist der Einzige aus unserer Recherche, der schon einmal Soforthilfe in Anspruch nehmen musste – jedoch nur im ersten Lockdown. Aufgrund der wärmeren Jahreszeit wird auch der Neuchinger nun wieder optimistischer. Es gibt inzwischen bereits wieder Außenprojekte.

Das Handwerk floriert also auch im südlichen Landkreis weiterhin. „Wir haben seit Jahren Hochkonjunktur und kennen das nicht, dass wir weniger Arbeit haben“, sagt Maler Börsch aus Wörth. Jedoch spüren inzwischen alle Betriebe, dass ihre Arbeitsmaterialien knapper werden. Die hohe Rohstoffnachfrage macht allen mehr Sorge als die Pandemie.

„Nicht die Aufträge werden jetzt das Thema, sondern dass die Ware vielleicht nicht kommt“, bestätigt Mühlhuber. Ihr Reithofener Betrieb macht bereits Erfahrungen mit längeren Lieferzeiten. Elektriker Schiwietz hat feststellen müssen, dass Kabelmaterial teurer wird oder nicht lieferbar ist. Auch Maler Börsch verwendet schon teilweise alternative Produkte. Manche Farben seien nicht mehr verfügbar, Böden hätten längere Lieferzeiten. Der „Maler Max“ bemerkt Engpässe beim Putz oder bei Fußbodenbelägen.

Markus Ostermaier

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