„Little Mr. Sunshine“, der kleine Ferdinand John, verschlief das Jawort seiner Eltern Lauren Lynn Saddington und Alex Richard Kelly. Bei der Trauung gab es aber keine Probleme, auch weil Standesbeamtin und Bürgermeisterin Nicole Schley fließend Englisch spricht. Sie hat unter anderem Amerikanistik studiert.
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„Little Mr. Sunshine“, der kleine Ferdinand John, verschlief das Jawort seiner Eltern Lauren Lynn Saddington und Alex Richard Kelly. Bei der Trauung gab es aber keine Probleme, auch weil Standesbeamtin und Bürgermeisterin Nicole Schley fließend Englisch spricht. Sie hat unter anderem Amerikanistik studiert.

Hochzeiten in englischer Sprache sind im Landkreis Erding eine Seltenheit

Trauung auf Englisch: Die Neuchinger Kelly Family

  • vonDaniela Oldach
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Eine Trauung auf Englisch: Kommt nicht allzu oft vor in der Gemeinde Neuching. Nun war es soweit - im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Hochzeiten im Landkreis ging es ganz ohne Dolmetscher.

Oberneuching – „Yes, I do“, sagten Alex Richard Kelly und Lauren Lynn Saddington vor Standesbeamtin Nicole Schley. Es war das erste Jawort in englischer Sprache vor der Ottenhofener Bürgermeisterin. Schley traute das in Oberneuching wohnhafte Brautpaar. Stargast war der kleine Ferdinand John, den Schley liebevoll als „little Mr. Sunshine“ bezeichnete. Er hatte erst acht Tage vor der standesamtlichen Hochzeit seiner Eltern in der Geisenhofer-Klinik in München das Licht der Welt erblickt. Der kleine Mann verschlief aber selig schlummernd den großen Tag seiner Eltern.

Der 44-jährige Bräutigam und seine vier Jahre jüngere Braut verstehen und sprechen zwar sehr gut Deutsch. Doch Laurens Eltern wollten ursprünglich aus Großbritannien zur Hochzeit ihrer Tochter nach Oberneuching kommen. Corona machte ihnen aber einen Strich durch die Rechnung. Deshalb wurden sie per Handy zugeschaltet und erlebten so in ihrer Sprache live mit, wie sich die Verliebten freudestrahlend das Jawort gaben und so zur Neuchinger „Kelly Family“ wurden.

Das alles braucht‘s

Für das standesamtliche Jawort benötigt man in der Regel einen gültigen Reisepass oder Personalausweis und eine beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister (nicht älter als sechs Monate). Heiratet man nicht im Standesamt am Meldeort, wird zudem eine erweiterte Meldebescheinigung, die den Familienstand enthält, benötigt.

Ein ausländischer Partner muss beim Standesamt ein Ehefähigkeitszeugnis vorlegen, das von den Behörden des Heimatlandes ausgestellt wird. Die Geburtsurkunde muss in der Regel von einem vereidigten Urkundenübersetzer ins Deutsche übersetzt werden. Waren ein oder beide Partner bereits verheiratet, müssen aktuelle, beglaubigte Ablichtungen aus dem Eheregister mit dem Auflösungsvermerk aller früheren Ehen vorgelegt werden.

Ist ein Partner verstorben, benötigt man die Sterbeurkunde des früheren Partners. Bei gemeinsamen Kindern wird eine Geburtsurkunde oder eine beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister des Kindes verlangt. do

Vor acht Jahren hatten sich der Software-Entwickler und die militärische Flugzeug- und Sicherheitsingenieurin im Zug Richtung Kufstein kennengelernt. Bei einer Fahrradtour freundeten sie sich an und wurden ein Paar. Seit einigen Jahren wohnen sie in Oberneuching, haben dort auch ein Haus gekauft und fühlen sich heimisch. Und Ferdi, wie sie ihr Baby liebevoll nennen, soll später einmal Mitglied im Burschenverein Oberneuching werden.

Schley gab den Frischverheirateten mit auf den Weg, sich auch als Paar nie zu verlieren. Mit dabei waren aber die besten Freunde der beiden, Sally und Ian Pilkington aus Neufahrn bei Freising, mit denen sie eine lange Freundschaft verbindet. Erste Gratulantin war natürlich Bürgermeisterin Schley. Und auch das erste Präsent gab es von ihr: den Füller, mit denen sie die Heiratsurkunde unterzeichneten. Im kleinen Kreis wurde dann das Jawort gefeiert.

Trauungen, die in englischer Sprache von einem Standesbeamten durchgeführt werden, sind im Landkreis Erding eine Seltenheit. Für Ottenhofens Bürgermeisterin Nicole Schley, die unter anderem Amerikanistik studiert hat und fließend Englisch spricht, war das beim Jawort von Alex Richard Kelly und Lauren Lynn Saddington kein Problem. Sie gab aber zu, schon ein wenig aufgeregt gewesen zu sein.

„In den großen Standesämtern des Landkreises wird bei solchen Anfragen ein Dolmetscher hinzugezogen. Das findet bei uns ziemlich regelmäßig statt“, erklärt Christian Wanninger, Pressesprecher der Stadt Erding. Übersetzungen werden dabei in Englisch oder in Türkisch benötigt. Von rund 200 Trauungen jährlich werden etwa zehn gedolmetscht, so Wanninger. So groß ist die Resonanz in der Stadt Dorfen nicht. Laut Standesamtsleiterin Anita Feckl sind es maximal fünf Hochzeiten pro Jahr, bei denen ein Dolmetscher übersetzt. „Wir müssen aber auch einen Dolmetscher verlangen, wenn ein künftiger Ehepartner die deutsche Sprache nicht so sicher beherrscht“, erklärt sie.

Der Übersetzer, den das Brautpaar organisieren muss, bekommt aber die Ansprache in Kopie. „Nach jedem Absatz gibt es dann eine kurze Pause, dann wird übersetzt“, so Feckl. Übersetzt werden muss dann in die Heimatsprache des nicht so Deutsch-sicheren Heiratswilligen.

Exotischer wird es in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Oberding, die für die Gemeinden Eitting und Oberding zuständig ist. „Wir drei Standesbeamte haben selbst noch keine Trauung in einer anderen Sprache durchgeführt“, informiert Standesamtsleiterin Gerlinde Rott. Hochzeiten mit Dolmetscher kommen im Rathaus Oberding rund fünf, sechs Mal pro Jahr vor – das sind etwa zehn Prozent der Jaworte. Dann aber wird es exotischer, denn meist ist ein Partner aus Fernost. „Weniger Europa, sondern weiter weg, wie beispielsweise aus Vietnam“, so Rott. Die Sprachkenntnisse aus dem Deutschkurs reichten dann beim aus dem Ausland stammenden Partner oft nicht aus, um selbst alles zu verstehen. Zudem müssten Urkunden aus dem Heimatland übersetzt werden. „Das wird alles bei der Anmeldung zur Eheschließung geprüft“, erklärt Rott das Vorgehen aus der Praxis. Hier gebe es ein Vorgespräch, bei dem alles geregelt werde. Hilfestellung leistet die VG bei der Vermittlung von entsprechenden Fachkräften. Die Kosten aber muss das Brautpaar tragen.

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