Debatte in Neuching

Flüchtlingsheim am Schießstand

Tratmoos – Ist es in Ordnung, dass eine Flüchtlingsunterkunft auf einem Grundstück eingerichtet werden soll, auf dem sich ein Schießstand befindet? Der Niederneuchinger Unternehmer Gerhard Kugler findet das nicht. Neuchings Bürgermeister Hans Peis hat damit kein Problem.

Tratmoos - Das Betriebsgebäude mit Wohnung der Firma Wenninger+Kugler befindet sich in der Nachbarschaft der ehemaligen Pension in Tratmoos (Gemeinde Neuching), in der nach derzeitigem Stand der Dinge Asylbewerber untergebracht werden sollen. Gerhard Kugler wehrt sich. „Man klopft sich in Gemeinderat und Landratsamt auf die Schultern, endlich einen passenden Standort gefunden zu haben. Teil dieser Immobilie ist ein behördlich unkontrollierter Schießstand mit einer Länge von etwa 100 Metern, der zu Tages- und Nachtzeiten privat genutzt wird. Jäger und sonstige Waffenbesitzer testen dort großkalibrige Waffen – ohne behördliche Aufsicht und ohne notwendigen Waffenmeister.“

„Dies soll nun der Ort sein, an dem sich traumatisierte Kriegsflüchtlinge sicher fühlen und eine Eingliederung in unsere Gesellschaft gelingen soll?“, fragt Kugler: „Das wirkt eher wie eine aus der Not geborene Verzweiflungstat.“ Das Grundstück mit der Schießröhre im Gewerbegebiet Tratmoos habe nichts mit der Pension zu tun, sagt Peis. Es sei von einem anderen Eigentümer erworben worden. Der Eigentümer der Pension habe mitgeteilt, dass er als Abgrenzung einen zwei Meter hohen Zaun errichten werde. In den vergangenen Jahren habe es wegen der Schießröhre keinerlei Beschwerden oder Auffälligkeiten gegeben.

Mittlerweile hat sich Peis über den Genehmigungsstatus des Schießstands informiert. Peis: „Das Landratsamt hat mir mitgeteilt, dass der Schießstand behördlich genehmigt ist.“ Außerdem: „Ich gehe davon aus, dass man da nicht viel hört. Der Stand ist schallisoliert.“ Für den Neuchinger Bürgermeister spiele es keine Rolle, dass die Schießanlage, die es schon seit über 20 Jahren gibt, in der Nähe der geplanten Flüchtlingsunterkunft steht.

Peis vermutet vielmehr, dass der Besitzer des Firmenanwesens Angst hat, „dass dann seine Immobilie weniger wert ist“ und sich eher dadurch bedroht fühlt, dass Asylbewerber in Besitz von Waffen kommen könnten. Der Bürgermeister möchte vor allem nicht, dass da jetzt „für alle Beteiligten ein negativer Touch“ entsteht. Schließlich sei es im Interesse der Flüchtlinge sowieso besser, wenn sie wissen, was die Ursache für eventuellen Lärm ist. „Wenn eine Flüchtlingsunterkunft in einem Gewerbegebiet liegt, dann ist es auch laut, und dann weiß keiner genau warum.“

michael luxenburger & daniela oldach

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