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Zwischen Laptop, Tablet und Smartphone: Gisela Möhle aus Oberneuching fühlt sich in der digitalen Welt wohl. Für die 96-Jährige ist es nie zu spät, etwas Neues zu lernen.

Gisela Möhle aus Oberneuching

Die digitale Uroma

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Mit 80 Jahren der erste Computer, zum 91. Geburtstag ein Tablet und vor kurzem ein neues Smartphone: Gisela Möhle aus Oberneuching ist Uroma, gehört aber noch lange nicht zum alten Eisen. Im Gegenteil.

Oberneuching – Die neuen Kommunikationsmedien faszinieren die 96-jährige Gisela Möhle aus Oberneuching. „Geht nicht, gibt’s nicht“ lautet ihr Credo. Beim Neuchinger Seniorentag sprach sie darüber, dass man nie zu alt für etwas Neues ist und was man im Internet so alles erleben kann.

Mit 80 Jahren kaufte sie sich einen PC

Ihr Computer ist mittlerweile einem Laptop gewichen: „Ein neues wäre nicht schlecht, aber das lohnt sich für mich jetzt wirklich nicht mehr“, sagt sie lächelnd. Brandneu hingegen war der PC, den sich Möhle mit 80 Jahren besorgte. Schon der Kauf war für sie ein Erlebnis. „Ich bin mit dem Auto nach Ottenhofen und dann mit der S-Bahn zum Leuchtenbergring nach München gefahren“, erinnert sie sich. 

In einem großen Elektronikfachmarkt suchte sie sich einen Verkäufer, der ihr sympathisch war. Dann kaufte sie bei ihm einen Computer und einen Drucker. „Die Kassiererin war so freundlich und hat noch einen jungen Mann organisiert, der meine Taschen zur S-Bahn getragen hat“, sagt sie schmunzelnd.

Anfangs stand die Frage „Kann ich wirklich damit umgehen?“

Doch am Bahnhof Ottenhofen angekommen, merkte sie, dass sie so schwer bepackt die steilen Stufen bis zum Auto nicht gehen konnte. Mit ihrem damaligen Klapphandy rief sie ihren Enkel Matthias an, der seiner Oma sofort behilflich war und ihr den Computer zuhause einrichtete. 

„Auch ich habe mich damals gefragt: Kann ich wirklich damit umgehen? Aber man muss auch mal wieder an sich denken und es ausprobieren“, sagte sie sich. „Und wenn’s nicht passt, habe ich schon einen Abnehmer.“ Den brauchte es aber gar nicht.

Möhle über den PC: „Das ist ja ein Zauberkasten“

Nach und nach machte sie sich mit dem PC vertraut. Vom einfachen Tetris-Spiel über das Stöbern bei Kochrezepten oder der Planung von Reiserouten. „Oh, das ist ja ein Zauberkasten! Es ist fantastisch, was man da alles machen kann.“ Besonders stolz war sie, als sie ihren ersten Brief am PC verfasst hatte. „Ich habe eine schöne Schrift rausgesucht. Das Ergebnis fand ich begeisternd schön“, erzählt sie. 

Mit der Zeit wurde sie mit dem PC immer vertrauter. Ein Computerkurs an der Volkshochschule Erding war die Basis dafür. Aber auch der Austausch im Seniorenclub der VHS „war einfach nur herrlich“.

Möhle: „Bei manchen Menschen sag’ ich wirklich: Du lieber Gott, du bist zu alt dafür“

Und wenn sie PC-technisch mal nicht weiter wusste, sagte Gisela Möhle zu Tochter Gesine Goetz oder ihren Enkelkindern: „Ach, ich bin wieder mal im Dschungel. Könnt ihr mir mal helfen?“ Diese Hilfen braucht sie mittlerweile nicht mehr. 

Längst ist der Umgang mit Laptop oder Tablet für sie ein Kinderspiel – und damit ist sie in manchen Bereichen fitter als die Autorin dieses Artikels, die nicht mal halb so alt ist. „Es liegt an der Einstellung. Bei manchen Menschen sag’ ich wirklich: Du lieber Gott, du bist zu alt dafür. Mein Rezept aber ist: Einfach ausprobieren“, rät die 96-Jährige.

Und so hat Gisela Möhle die Mediatheken der Fernsehsender für sich entdeckt. „Das ist eine tolle Erfindung. So kann ich immer ansehen, was ich möchte.“ Dabei macht sie es sich in ihrem Lieblingssessel bequem, legt die Beine hoch und stellt Laptop oder Tablet auf dem Kniekissen ab. Auch eine Runde Backgammon auf dem Tablet spielen, gehört für sie dazu. „Das ist herrlich. Das bringt mich immer wieder runter.“

Wenn ihre Enkel auf Reisen gehen, ist sie virtuell dabei

Aber auch ganz praktische Dinge erledigt Möhle online. Wie das Aussuchen von Geschenken, vor allem für Jürgen Goetz, „den besten Schwiegersohn der Welt“. Oder einen Rollator. Lange musste Tochter Gesine sie überzeugen, die geliehene Gehhilfe zu benutzen. „Dann hab’ ich mir einen im Internet bestellt“, erzählt sie lachend. „Ich kann mir so Eigenständigkeit bewahren.“ 

Bei Büchern setzt sie auf Bewährtes

Oder in Kontakt bleiben: „Wenn die Kinder auf Reisen gehen, bin ich virtuell dabei“, sagt sie stolz. Außerdem kann sie auf dem PC Bilder aus der ersten Heimat anschauen, denn vor 25 Jahren kam Möhle aus Saarbrücken nach Oberneuching, es ist mittlerweile ihre zweite Heimat.

Nur bei Büchern setzt sie auf Bewährtes. „Ein Buch in der Hand zu halten, ist ein Erlebnis. Ich muss es fühlen und ich brauche den Geruch des Papiers. Die Haptik kann mir kein elektronisches Gerät ersetzen. Ein Buch ist von jeher ein Erlebnis für mich. Ich bin früher sogar im Winter mit dem Schlitten zur Bücherei gefahren, um meinen Kindern Bücher zu holen. Und ich freue mich, dass meine Urenkelin Valentina eine kleine Bücherfreundin ist. Ihr lese ich gerne vor. Aber aus einem richtigen Buch.“ 

Begeistert von ihrer fitten Uroma sind auch ihre Urenkel Sophie, Yannis, Felipe und Basilé. Die Kleinen dürfen auch mal an Uromas Tablet ran.

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