In der Neuchinger Bürgerversammlung stand der Bau der neuen Sporthalle im Mittelpunkt. Das Millionen-Projekt spaltet die Gemüter.
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In der Neuchinger Bürgerversammlung stand der Bau der neuen Sporthalle im Mittelpunkt. Das Millionen-Projekt spaltet die Gemüter.

Corona-Krise: Akzeptanz für Millionen-Projekt sinkt

Bürgerversammlung Neuching: Nicht jeder findet die neue Sporthalle gut

  • vonDaniela Oldach
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Der Bau der Sporthalle stand im Mittelpunkt der Neuchinger Bürgerversammlung. Denn das bisher teuerste Projekt der Gemeinde spaltet die Gemüter.

Oberneuching – Der Bau der Sporthalle stand im Mittelpunkt der ersten Bürgerversammlung mit dem neuen Neuchinger Bürgermeister Thomas Bartl am Dienstag im Gasthaus Neuwirt. Denn das bisher teuerste Projekt der Gemeinde spaltet die Gemüter.

Rund acht Millionen Euro soll die neue Sporthalle auf dem Areal zwischen Ober- und Niederneuching in der Endabrechnung wohl kosten. Doch angesichts der Corona-Lage ist die Akzeptanz der Halle, verbunden mit der Millionen-Investition, in der Kommune nicht übermäßig groß. Das Projekt beschäftigt die Gemeinde aber schon viele Jahre – lange vor Corona. „Wir haben uns bestimmt zehn, 15 Hallen angeschaut“, sagte Altbürgermeister Hans Peis über die Vergangenheit. Und überall seien bei diesen Bauten Skeptiker da gewesen.

„Richtige Entscheidung für gesellschaftliche und sportliche Entwicklung“

„Aber die Erfahrung zeigt, dass die Halle auch genutzt wird, wenn sie da ist“, so Peis. „Es ist für die gesellschaftliche und sportliche Entwicklung die absolut richtige Entscheidung. Eine Gemeinde muss leben“, bezog er in seinem Rückblick Stellung. Freilich sei es für die neuen Gemeinderäte jetzt nicht leicht.

„Wer soll die Sporthalle nutzen?“, fragte Alex Albano Bürgermeister Bartl. Die Sportvereine, antwortete er, langfristig auch der Kulturverein. Zudem gibt es nur noch zwei Tennisplätze im Gemeindegebiet. „Die Damen 30 spielen in der Landesliga und sind verpflichtet, drei Plätze zu stellen. Jetzt müssten sie Plätze anmieten“, so Bartl weiter. Im Plan seien nun vier Allwetterplätze. Auch die Jugendarbeit könne wieder verstärkt gefördert werden, dafür gebe es diverse Möglichkeiten. So seien auch neue Sportarten wie etwa Tischtennis eine Option.

Baubeginn soll im kommenden März sein

Das Projekt auf Eis zu legen oder gar abzublasen, schloss Bartl kategorisch aus. Die Baugenehmigung steht jedoch noch aus. Den Antrag hat die Gemeinde zwar schon im Februar eingereicht, bisher vom Landratsamt Erding aber noch nichts gehört. Mit dem Bau soll es dennoch schon kommenden März losgehen.

Hermann Kressirer befürchtete, dass sich die Gemeinde finanziell übernimmt. Denn die Kosten steigen – bei diesem Punkt gab Bartl ihm Recht. „Vor 20 Jahren hätten wir vielleicht für eine Million Mark gebaut“, meinte er. „Aber eine Gemeinde ist kein Unternehmen und nicht dazu da, um nur Geld anzuhäufeln, sondern auch dem Bürger etwas zurückzugeben.“ Auch die Kommune Neuching werde durch Corona finanzielle Einbußen haben. „Aber Fakt ist: Jetzt zu warten, wäre der falsche Ansatz“, meinte er.

„Halle ja, aber vernünftig. Man muss nicht unbedingt den Fassadenpreis gewinnen“, merkte Willi Vilgertshofer an, der selbst viele Jahre im Gemeinderat war und damit meinte, auf unnötigen Schnickschnack zu verzichten. Als Negativbeispiel führte er die Verkleidung der Außenfassade am kommunalen Mehrfamilienhaus Am Kampelbach auf. Bartl bedankte sich für den Hinweis, den er gerne mitnehme.

Landrat: „Ich rechne nicht damit, dass 2021 wieder Volksfeste stattfinden“

Eine entsprechende Halle könne auch für größere Veranstaltungen und Feste genutzt werden. Doch die werde es auch nächstes Jahr nicht geben, befürchtet Landrat Martin Bayerstorfer. „Ich rechne nicht damit, dass 2021 wieder Volksfeste stattfinden“, meinte er in seiner Rede. Das gesellschaftliche Risiko sei zu groß, sagte der Landrat und berichtete über die Lage im Landkreis in den Monaten seit Corona. So sei das Kontaktpersonenmanagement im Landratsamt auf zehn Personen aufgestockt worden, um bei einem Verdachtsfall mögliche Kontakte schnell zu eruieren. Kein Verständnis habe er, wenn bei Registrierungen Fantasienamen angegeben werden.

Und auch ohne eingeschränktes Besuchsrecht geht es nicht. Dass dies Wirkung zeige, mache sich in Senioreneinrichtungen bemerkbar. So gebe es hier laut Bayerstorfer deutlich weniger Sterbefälle. Jeder sei gefragt, seinen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten. „Aber ich hoffe, dass solche Veranstaltungen wie heute weiterhin stattfinden. Das ist nicht selbstverständlich“, schloss der Landrat.

do

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