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„Plötzlich warder Radfahrer da“

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Von: Hans Moritz

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Wie der Unfall in Niederneuching genau abgelaufen ist, wird sich vermutlich nie mehr ganz rekonstruieren lassen.

Anzing – Zumindest strafrechtlich ist die Kollision vom 22. August vergangenen Jahres in Niederneuching vorerst aufgearbeitet. Die mutmaßliche Verursacherin willigte in die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage von 250 Euro ein.

Laut Strafbefehl wegen fahrlässiger Körperverletzung hätte die 56-Jährige aus Anzing 600 Euro zahlen sollen. Ihr Anwalt Florian Alte hatte vergeblich versucht, dass der Fall ganz eingestellt und nur noch zivilrechtlich verfolgt wird. Es war ein heißer Sommertag, als die Anzingerin gegen 19.20 Uhr vom Baden mit ihrem Verlobten und dem Hund nach Hause wollte. An der Einmündung der Birkenstraße auf die Münchener Straße habe sie gleich zweimal gestoppt, um sich auf die Staatsstraße vorzutasten. Plötzlich kam von der Seite ein Radfahrer, der vor dem VW des Paares in hohem Bogen von seinem E-Bike flog.

Mit schweren Verletzungen wurde der Mann ins Krankenhaus transportiert und musste operiert werden. An einer Strafverfolgung der 56-Jährigen hatte er aber kein Interesse. Das mag der Grund gewesen sein, warum er der Verhandlung vor dem Amtsgericht Erding, zu der er als Zeuge geladen war, fernblieb. Seine Abwesenheit erschwerte Richter Björn Schindler die Wahrheitsfindung. Die Verkäuferin versicherte mehrfach, ihr Auto sei zum Unfallzeitpunkt gestanden. „Ich kann noch nicht einmal sagen, ob der Radler meinen Wagen berührt hat.“ Einen Schaden habe er nicht aufgewiesen. Möglicherweise sei er beim Ausweichen gestürzt. „Ich habe ihn nicht kommen sehen. Er war so schnell da.“ In gleicher Weise äußerte sich ihr zehn Jahre jüngerer Verlobter. Was Schindler wunderte: An der Unfallstelle hatte der Mechaniker noch die Aussage verweigert.

Staatsanwältin Sandra Seeburger hatte bereits vor Prozessbeginn signalisiert, einer Einstellung gegen Geldauflage zuzustimmen. Verteidiger Alte wollte eine komplette Niederschlagung. Sonst würde ja jeder Unfallfahrer kriminalisiert.

Darauf wollte sich Seeburger nicht einlassen. 

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