Noch mehr Nachtflug? FDP und Union erwägen längere Betriebszeiten an Flughäfen. Foto: hennies/FMG

Neue Attacke auf die Nachtruhe

Flughafen - Dreht die neue Bundesregierung an einer Stellschraube, die ohnehin schon ausgeleiert ist? Acht Jahre nach der Änderung der Münchner Nachtflugregelung müssen die Bewohner eine weitere Attacke auf ihre Nachtruhe befürchten.

„Zur Sicherung des Luftverkehrsstandorts Deutschland wollen wir (...) international wettbewerbsfähige Betriebszeiten ermöglichen“, steht in einem fünfseitigen Papier, das die Arbeitsgruppe Wirtschaft im Rahmen der Berliner Koalitionsvereinbarungen erarbeitet hat (wir berichteten). Zwar hatte der CSU-Bundestagsabgeordnete Andreas Scheuer mit dem Verweis auf einen weiteren Passus in dem Papier, wonach die Bedürfnisse der Flughafenanwohner berücksichtigt würden, Entwarnung für den Airport im Erdinger Moos signalisiert. Doch der Erdinger CSU-Stimmkreisabgeordnete Max Lehmer drängt auf einen konkreten Zusatz in der Koalitionsvereinbarung, wonach bestehende Sonderregelung wie in München nicht aufgeweicht werden dürfen. Lehmer wird am heutigen Montag wieder nach Berlin düsen. Die Unterstützung seiner Fürstenfeldbrucker Kollegin Gerda Hasselfeldt hat er bereits, der Freisinger Franz Obermeier wird ein weiterer Mitstreiter sein – die Politiker aus der näheren Region eben.

Die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) befürchtet den 24-Stundenbetrieb an Airports. „Wir sehen in diesem Plan einen Angriff auf die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit der Bürger, der zutiefst unsozial ist“, schimpfte BVF-Präsident Helmut Breidenbach. Er forderte Kanzlerin Angela Merkel auf, „die Verkehrs-Rambos“, die er bei den Liberalen vermutet, rechtzeitig zu stoppen. „Wir haben bereits jetzt ein riesiges Schutzdefizit, vor allem in der Nacht, weil die zugelassenen Lärmwerte weit oberhalb der wissenschaftlich gesicherten Grenzwerte liegen, die ein nächtliches Aufwachen verhindern sollen.“ Das Schutzdefizit werde durch die von den Flughäfen propagierten Verkehrszunahmen noch dramatisch ansteigen. Deswegen seien dringend erhebliche Betriebsbeschränkungen angesagt.

Michael Kerkloh, Chef der Flughafen München GmbH, hat mehrfach betont, dass er mit der geltenden Regelung gut leben könne. In der Nacht sei die Nachfrage weder bei Geschäfts- noch bei Urlausreisenen allzu groß. Bis 2001 war in München der Flugbetrieb in der Zeit von 22 bis 6 Uhr auf 38 Bewegungen beschränkt. Sechs Jahre lang kämpften danach Bürger vergeblich vor Gericht gegen die neue Regelung, die dem Airportbetreiber ein großzügiges Jahreslärmkontingent mit vielen Ausnahmen gewährt. Letztlich war nur noch die Zeit von 0 bis 5 Uhr geschützt. (Dieter Priglmeir)

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