Diese Ansicht in Dorfens Stadtbild wird verschwinden: Das Rathaus samt Fassade (r.) und das so genannte „Kamper-Haus“ (l.) werden abgerissen. Foto: Weingartner

Neues Dorfener Rathaus: Wettstreit der Architekten kann starten

Dorfen - Ein neues Gesicht wird Dorfens Rathausplatz bekommen. Das alte Rathaus samt Fassade und Nebengebäude wird abgerissen und weicht einem Neubau. Die Kosten liegen nach einer ersten Prognose bei über fünf Millionen Euro.

Der Stadtrat hatte den Rathausneubau bereits vergangenes Jahr beschlossen. Zu wenige, nicht mehr zeitgemäße Büros, kein Platz für Auszubildende, teilweise arbeitsrechtswidrige Bedingungen, ein wegen Brandschutzmängel geschlossener Sitzungssaal und keine Barrierefreiheit im alten Gebäude seien Hauptgründe für den „zwingend nötigen“ Neubau, erinnert Bürgermeister Heinz Grundner (CSU). Jetzt wurde im Stadtrat ein überarbeitetes Raumprogramm vorgestellt. Weil das Vorhaben ein zentrales Projekt im denkmalgeschützten Altstadtbereich ist, wurde ein Architektenwettbewerb für den Neubau beschlossen.

Für das neue Verwaltungs- und Stadtzentrum werden das alte Rathaus und das südliche Nebengebäude („Kamper-Haus“) abgerissen, war sich der Stadtrat einig. Das sei nach den aktuellen Erkenntnissen der Planung für den Raumbedarf die effektivste und auch wirtschaftlichste Lösung, so der Beschluss. Bei der ersten Vorstellung des Raumprogramms war noch strittig, ob man die alte Bausubstanz noch nützen könne und vor allem, ob die alte Rathausfassade erhalten werden solle oder müsse. Darüber besteht nun Klarheit.

Bauamtsleiter Franz Wandinger berichtete im Stadtrat, dass es kürzlich ein Gespräch mit Vertretern des Landratsamtes, Landesamtes für Denkmalschutz und der Regierung von Oberbayern gegeben habe. Dabei sei zunächst ein vierstöckiges, statt wie bisher dreigeschossiges Gebäude, gedacht gewesen. Ein vierter Stock sei aber klar ablehnt worden. Dennoch wurde von den Behörden deutlich gefordert, das neue Rathaus müsse als „zentrales Gebäude“ in der Häuserzeile „prägend“ sein und den höchsten First haben. Das ergebe dann eine giebelständige Dachform, sagte Wandinger.

Die alte Fassade wurde offenbar als nicht zwingend schützenswert gesehen und darf abgerissen werden, berichtete Wandinger. Beim beschlossenen Abriss des alten Rathauses hätten alleine die Bausicherungsmaßnahmen für den Fassadenerhalt „enorme Kosten“ verursacht. Ein weiter Kostenpunkt ist ebenfalls vom Tisch. Günther Drobilitsch (GEM) hatte eine Kostenermittlung für eine Tiefgarage gefordert. Etwa 20 Parkplätze und mindestens eine Million Euro Baukosten habe die Kostenermittlung ergeben. Kaum ein Nutzen und viel zu teuer, also wurde die Idee verworfen.

Das Raumprogramm sei den neuen, baubedingten Anforderungen angepasst worden, erklärte Wandinger. Die Planung entspreche der offiziellen Arbeitsstättenverordnung. Als „Puffer“ für künftige Raumanforderungen seien acht zusätzliche Büros möglich. Der Sitzungssaal wird im dritten Obergeschoss untergebracht und soll rund 150 Quadratmeter haben. Der Raum soll mit dem direkt anschließenden, rund 70 Quadratmeter großen Trauungssaal, flexibel erweitert werden können.

Die Richtlinien zum Architektenwettbewerb erklärte Judith Praxenthaler vom Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München. Im Mai werde ein „begrenzt, offener Wettbewerb europaweit ausgeschrieben“, der auf 15 bis 20 Teilnehmer beschränkt wird. Bewerben kann sich nur, wer zwei ähnliche Projekte, eins davon in einer historischen Altstadt, bereits realisiert hat. Wer dann eingeladen wird zum Wettbewerb entscheidet ein Fachgremium anhand der Referenzen.

Eine Jury aus fünf Fachpreisrichtern und vier Sachpreisrichtern (Bürgermeister Grundner, seine Stellvertreter Drobilitsch und Doris Minet sowie Wandinger) soll dann im Oktober die besten Entwürfe benennen. Die Entscheidungen sollen einstimmig erfolgen, sagte Praxenthaler. Die Befürchtung, dass durch dieses Verfahren dem Stadtrat der Einfluss auf die Planung aus der Hand genommen werde sei „unbegründet“. Es werde ja „der beste Entwurf“ zum Sieger gekürt. Mit dem Architekten, der das Projekt bis zum Schluss betreue, könne die Stadt dann noch verhandeln. 40 000 Euro beträgt die Wettbewerbssumme: 16 000, 10 000 und 6000 Euro für die besten drei Entwürfe sowie insgesamt 8000 Euro für Anerkennungen.

Hermann Weingartner

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