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Ihre Bienenvölker hat Imkerin Barbara Heilmaier auf einem landwirtschaftlichen Grundstück in Pretzen stehen – nicht weit weg von der Wohnbebauung. „Derzeit sind die Waben voll mit Brut“, erklärt die Expertin. 

Urbane Imkerei 

Bienen im Wohngebiet: Dafür spricht viel

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Mitten im Wohngebiet Bienenvölker halten, liegt im Trend. Welche Vor- und Nachteile die urbane Imkerei hat, erklärte Bienenexpertin Barbara Heilmaier beim Stammtisch in der Neufinsinger Kaminstube.

Neufinsing– Wenn sie lossummen, kriegt so mancher Panik: Bienen lösen bei vielen Menschen Angstgefühle aus. Dabei sind die schwarz-gelben Insekten eigentlich harmlos. „Sie stechen nur, wenn man sie quetscht, weil man zum Beispiel im Gras auf sie tritt“, erklärte Barbara Heilmaier in der Neufinsinger Kaminstube.

Die Imkerin sprach auf Einladung von SPD und Grünem Wählerforum über die sogenannte urbane Imkerei. Heilmaier besitzt hobbymäßig bis zu vier Bienenvölker, die auf einem landwirtschaftlichen Grundstück in Pretzen leben – nicht weit von der Wohnbebauung und ihrem eigenen Haus entfernt.

„Viele haben Angst vor Bienen“

Das Halten von Bienen in Stadtgebieten ist in Metropolen wie New York oder Tokio gerade schwer angesagt. Aber auch in ländlicheren Regionen liegt es im Trend, Bienenstöcke in Wohngebieten aufzustellen. „Das wäre sogar ein großer Vorteil. Das Nahrungsangebot ist dort deutlich vielfältiger und länger verfügbar, außerdem werden meist weniger Insektizide versprüht“, erklärte Heilmaier. Von Gärten über verwilderte Grundstücke bis hin zu Balkonpflanzen und Verkehrsinseln: Der Tisch sei bis in den Spätherbst hinein reich gedeckt.

Es sei nicht verboten, Bienen im Wohngebieten zu halten – vor allem nicht dort, wo Landwirtschaft ortsüblich ist. Aber es bestehe auch kein Recht darauf. Ganz unproblematisch sei die Stadtimkerei zudem nicht. „Das häufigste Problem ist sicherlich nachbarschaftlicher Natur“, prophezeit Heilmaier. „Viele haben eben Angst vor Bienen.“ Deshalb brauche man in reinen Wohngebieten die Einwilligung der Nachbarn. In jedem Fall müsse man den Standort der Völker beim Landratsamt melden.

Bienen seien grundsätzlich sanfte Tiere, sagt Heilmaier – gerade im Frühjahr, „denn jetzt sammeln sie gerade und haben noch nichts zu verteidigen“. Im Herbst hingegen oder auch vor Gewittern seien sie unter Umständen aggressiver. Bienen auf der Terrasse brauche man im Prinzip nicht fürchten, beruhigte die Expertin – „wenn man nicht gerade ein Honigbrot auslegt“. Bienen seien reine Vegetarier, Wespen hingegen viel kritischer: „Die interessieren sich auch für Schweinsbraten.“

Dennoch kann die Imkerin die Angst vor Bienenstichen nachvollziehen: Heilmaier hat selbst eine Allergie und schützt sich mit spezieller Kleidung. So hatte die Referentin auch Verständnis für die Sorgen einer Besucherin aus der Gemeinde Forstern, die mit ihrem Vater zum Stammtisch gekommen war.

90 Mitglieder im Bienenzuchtverein

Sie sei allergisch auf Bienenstiche, was sie dank der Tiere des Nachbarn schmerzlich habe erfahren müssen, erzählte die junge Frau: Dessen Bienenstöcke stünden direkt an der Grundstücksgrenze, mit dem Flugloch in Richtung ihres Hauses.

Heilmaier empfahl der Frau, das Gespräch mit dem Nachbarn zu suchen. Fruchte das nicht, riet sie zur Selbsthilfe: So könne sie etwa mit einer Schilfmatte oder einer Hecke auf dem eigenen Grundstück die An- und Abflugschneise der Bienen so ablenken, dass sie vor dem Flugloch gleich nach oben starten – und nicht in ihren Garten.

Im Schnelldurchlauf erklärte Heilmaier allerlei Wissenswertes um die Biene. So erfuhren die Zuhörer etwa, dass zahlreiche Pflanzen von der Bestäubung durch das fleißige Insekt abhängig seien – Mandelbäume etwa zu 100 Prozent. „Unsere Welt würde ohne Bienen nicht so aussehen, wie sie es tut“, sagte Heilmaier, die eines von rund 90 Mitgliedern im Bienenzuchtverein Erding ist. Er erfahre seit Jahren regen Zulauf. Nicht weniger groß sei das Interesse an den Theoriekursen für Anfänger, die jährlich an der Volkshochschule angeboten werden. Zudem gebe es Patenprogramme, um Jungimkern den Start in die Imkerei zu erleichtern.

„Imkerei ist keine Gaudi“

Heilmaier erklärte auch: „Den Bienen geht es nicht wirklich gut. Immer wieder sterben Völker.“ Die Varroa-Milbe, Insektizide und die kommerzielle Landwirtschaft mit Monokulturen seien daran schuld. Wer den Bienen helfen will, kann zum Beispiel den eigenen Garten mit entsprechenden Gewächsen bepflanzen. Tipps dazu gibt es im Internet auf www.bluehende-landschaft.de.

„Für einen Imker gibt es nichts Schöneres, als Bienen im eigenen Garten zu haben“, schwärmte Heilmaier. Allen, die jetzt auf den Geschmack gekommen sind, gibt sie einen wichtigen Tipp: „Imkerei ist keine Gaudi, sondern ernsthafte Landwirtschaft.“ Wer Bienenvölker haben will, solle entsprechende Kurse besuchen.

„Es spricht viel für Bienenhaltung im Wohngebiet“, fasste Heilmaier zusammen. „Aber die Nachbarschaft sollte nicht darunter leiden. Wenn also Ärger mit den Nachbarn programmiert ist, sollte man sich lieber einen anderen Standort suchen.“

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