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Erhebt den Zeigefinger: Josefine Gartner.

Premiere Josefine Gartner

Ein Gewaltritt durch die Politik

Neufinsing – Gleich an zwei Abenden stellte Josefine Gartner ihr neues Kabarett-Programm vor – mit dabei Bühnenschwester Hilde.

Die Premiere war so schnell ausverkauft, dass Josefine Gartner für ihr neues Programm „Die Zukunft ist auch nur die Gegenwart von morgen“ gleich einen zweiten Termin im Finsinger Rathausfoyer ansetzten musste. Für Gartner war es ein Heimspiel. Ihr Gewaltritt durch die politischen Themen der Zeit wurde zuweilen derart anstrengend, dass sie sich zu „Fallstudien zum gemeinen Kabarettbesucher in Pointen-Stress-Situationen“ veranlasst sah und Ratschläge austeilte: „Ein gutes Publikum hört zu, versteht, lacht, und klatscht.“ Die Reihenfolge sei sekundär, aber die Elemente „Lachen und Klatschen“ seien Pflicht.

Dabei konnte einem zuweilen das Lachen im Hals stecken bleiben, etwa bei der Zahl von 320 000 Coffee-to-go-Bechern pro Stunde, die über die Tresen geschoben und dann weggeworfen werden – von den Kapsel-Espresso-Maschinen ganz zu schweigen. Erst recht wenig zum Lachen waren die toten Flüchtlinge im Mittelmeer. Bei Gartner gerieten die Seelenverkäufer von schrottreifen Booten zu „Schleusfahrtschiffen“, die ähnlich hohe Preise hätten wie Kreuzfahrtschiffe, aber „null Komfort“. Survival-Urlaube seien eben etwas teurer, da zahle man fürs Abenteuer.

Dann das Thema „Politische Korrektheit“: Gartner machte sich darüber lustig, dass der „Negerkönig“ in Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ zu einem Südseekönig geworden ist. Und der gute alte Negerkuss? Der mutierte bei ihr zu einem „maximal pigmentierten Schaumgebäck mit Migrationshintergrund.“ Oder doch lieber „Afro-Bussi“?

Eine Obergrenze für Dumme wäre auch nicht schlecht, denn „dann wären der Scheuer und die anderen Zündler draußen“. Das würde sie auch gern bei den Rattenfängern der Rechtspopulisten sehen, doch die hätten das Märchen vom Rattenfänger von Hameln nicht recht verstanden, denn der habe die Ratten aus der Stadt hinaus und nicht in die Parlamente hinein gelockt. Das Publikum verstand aber sehr gut, warum sie es von Goebbels nicht weit zu „Höckels“ hatte. Der AFD-Frontmann Björn Höcke hatte es ihr eben angetan, auf seine Weise, versteht sich.

Regenwald und Erderwärmung, Plastik und Monsanto, alles kam vor, nur zuweilen nicht mehr witzig spritzig, sondern als flammende politische Appelle, bei denen der erhobene Zeigefinger manchmal nur mühsam versteckt wurde. Darunter litt das ansonsten großartige Ein-Frau-Programm doch etwas. Es war übrigens nicht eine Frau allein. Die „Bühnenschwester Hilde“, das ausgeflippte, auf Salsa und Männer stehende Alter-Ego der Kabarettistin, kam durch einen flotten Kleiderwechsel zum Vorschein.

Die Bewirtung hatte an diesem Abend das Team vom Jugendraum unter der Leitung von Michaela Gossmann übernommen.

Klaus Kuhn

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