Trommelklänge: Mittelschulrektor a.D. Peter Libossek und Khaled aus Eritrea in Aktion. foto: holz

Neujahrsempfang: Flüchtlinge entschuldigen sich

Erding - „Der Schutz der Flüchtlinge wurde in diesem Jahr zum Schutz vor Flüchtlingen.“ Das sagte Maria Brand, Sprecherin der Aktionsgruppe Asyl im Landkreis.

Maria Brand sprach am Donnerstagabend beim Neujahrsempfang im voll besetzten Pfarrsaal St. Vinzenz in Klettham.

Viele Helferinnen und Helfer waren gekommen, aber auch Vertreter aus der Politik - und einige Flüchtlinge, die schon seit längerem im Landkreis untergebracht sind. Neben ihrem Anliegen, an diesem Abend gemeinsam zu feiern, hatte eine Gruppe junger Syrer und Afghanen aber auch einen speziellen Wunsch. Sie entschuldigten sich im Namen aller Flüchtlinge für die Geschehnisse in Erding und Köln.

Aus einem gemeinsamen Papier las Bazmohamed, ihr Sprecher, vor: „Wir sind sehr traurig, dass sich einige von uns schlecht benommen haben. Wir distanzieren uns von solchen Leuten, wünschen uns nichts sehnlicher als ein friedliches Zusammenleben.“

Beifall war ihm ebenso sicher wie Brand, die vom zynischen Zufall sprach, dass das Wort des Jahres (Flüchtlinge) und das Unwort des Jahres (Gutmensch) 2015 zusammengefallen sind. „Wir werden uns davon aber nicht beeindrucken lassen. Zwar wissen wir nicht, was am Ende stärker sein wird im Spannungsfeld zwischen Anerkennung und Infragestellen unseres Willkommens. Aber ich bin sicher: Es ist für uns Geschenk und Ehre, Menschen anderer Kulturen und Religionen, die bei uns Zuflucht suchen, auf einem Stück ihres Lebensweges begleiten zu können.“

Dafür hatte nicht nur Erdings Dritter Bürgermeister Hans Schmidmayer lobende Worte: „Auch dieses Jahr wird wieder eine Herausforderung werden, bei der sie helfen können. Viele unserer Gäste, die nur kurz bei uns sind, haben viel vor sich. Wir sollten ihnen daher ein Stück Heimat geben.“

Einige Flüchtlinge brachten an diesem Abend auch ein Stück Heimat mit, sie musizierten. Khaled aus Eritrea trommelte mit Peter Libossek, Ebi aus dem Iran sang und spielte Gitarre, Shafi trug ein Liebeslied aus Afghanistan vor, vier junge Syrer intonierten zwei heimische Weisen. Am meisten Beifall bekam die zehnjährige Roze aus Syrien. Das Mädchen, mittlerweile Schülerin in Erding, ging ganz selbstbewusst auf die Bühne und sang zwei Lieder.

Nach Berichten von vier Ehrenamtlichen aus ihrer Arbeit mit Flüchtlingen überreichte Anna Maria Blau aus Hofsingelding Brand fünf Laptops, gestiftet von Telefonica. „Damit können viele, auch Nicht-Flüchtlinge, an verschiedenen Orten arbeiten und etwa Sprache lernen“, so Blau. Nach einem Vorwort von Valentin Reitmajer las Mariam aus dem Iran noch aus Texten über das Leben von Asylbewerbern in Bayern.

Zum Schluss äußerte Brand noch Wünsche: „Für 2016 hoffe ich, dass Behörden und Ehrenamtliche mehr auf Augenhöhe zusammenarbeiten, dass es noch mehr Sprachkurse gibt, dass die derzeitige Dreimonats-Wartefrist für ausländische Schüler fällt und der Langzeit-Aufenthalt in Containern ein Ende nimmt - vor allem für Familien“. (Friedbert Holz)

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