Er hat gut lachen: Bürgermeister Franz Hofstetter (r.) zog eine positive Bilanz für seine Gemeinde Taufkirchen, hatte aber auch kritische Anmerkungen parat. Foto: Lang

Neujahrsempfang Taufkirchen: Hofstetter lobt Engagement der Bürger

Taufkirchen - Mit einem schwungvoll-erfrischenden Marsch des Salonorchesters wurde der Neujahrsempfang im Taufkirchener Bürgersaal begonnen. Die Ansprachen von Bürgermeister Franz Hofstetter und Landrat Martin Bayerstorfer zeichneten aber keineswegs ein solch unbeschwertes Bild.

Trotz nachdenklicher und auch mahnender Worte herrschte bei Sekt, Canapés und Kuchen angenehmste Stimmung im Saal. „Seit 2001 gibt es diese schöne Gewohnheit schon“, erklärte Moderator Christoph Puschmann zum musikalischen Neujahrsempfang, begrüßte die vielen Besucher, darunter auch Bayerns Umweltministerin Ulrike Scharf, und illustrierte den konzertanten Teil. „Zuerst die ‚Dreaming Stars‘, dann die Speaking Stars“, meinte Vize-Bürgermeister Puschmann und überließ das Wort dann Bürgermeister Hofstetter.

Das vergangene Jahr zeichnete sich durch eine Beschäftigungsquote auf Rekordniveau, gute Wirtschaftsdaten und Steuereinnahmen, aber auch stark gewachsene Ausgaben aus, sagte er. „Wir sollen und können uns die vielen sozialen Leistungen nur leisten, so lange wir die wirtschaftliche Prosperität haben.“ Nur gemeinsam, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Politik, Unternehmer, Ehrenamtliche und Landwirte an einem Strang ziehen, könnten die Aufgaben bewältigt und geleistet werden, erklärte Hofstetter. Wichtige Projekte seien 2015 angegangen oder realisiert worden. Dabei gehe es immer darum, die hohe Lebensqualität zu halten und vielleicht noch zu verbessern. Exemplarisch nannte Hofstetter Bebauungspläne, die Entwicklung in der Ortsmitte, dem „Herz der Gemeinde“, den Breitbandausbau im gesamten Gemeindebereich, Straßenbauten sowie die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten.

Die nach wie vor wohl größte Herausforderung sei die Aufnahme von Flüchtlingen. „Es kann nicht sein, dass Deutschland Flüchtlinge aus aller Welt alleine aufnimmt. Trotzdem ist es für uns selbstverständlich Menschen in Not zu helfen“, meinte Hofstetter. Großartig finde er das Engagement der vielen Bürger in der Gemeinde und dem gesamten Landkreis, das maßgeblich dazu beitrage, dass sich die Flüchtlinge zurecht finden und Fuß fassen könnten. Dafür dankte er ihnen herzlich.

Sorge bereite ihm, dass die Städte und Gemeinde auf den „finanziellen Belastungen sitzen bleiben“. Problem sei die fehlende Koordination von Integrationsleistungen, die Flüchtlinge erhalten, „um unsere kulturellen Werte kennen zu lernen und sich an unsere Regeln zu halten“. Hier sei viel aufzuholen. „Von der Regierung erwarte ich, dass Konzepte und Maßnahmen erstellt werden, die Fehlanreize für Flüchtlinge verhindern und dass oft unverständliche Ausgaben vermieden werden.“ Als Beispiel nannte er süffisant die Erdinger Shelter-Schleife, deren Wegführungen und „elegante Kreuzung“. Wenn die Taufkirchener Geh- und Radwege bauen wollen, dann sei dies fast unmöglich, vor allem so schnell.

„Europa ist kein Ort des Friedens und der Sicherheit. Aber ohne ein geeintes Europa werden wir die Verlierer sein. Deshalb müssen wir alles tun, dass wir uns in Europa nicht teilen lassen“, sagte er. Dass in Taufkirchen Völkerverständigung gelebt werde, habe das Fest zum 10. Jubiläumstreffen der polnischen Gemeinde gezeigt.

Was die Gemeindepolitik betreffe, setzt Hofstetter auf Weiterentwicklung. „Nichts zu tun führt unweigerlich zur schlimmsten Art der Veränderung“, betonte er und bezog sich auf ein paar markante Gebäude, wie das Wasserschloss oder das Waldbad. Schwerpunkte der Gemeinde lägen auch weiterhin im Bereich der Kinderbetreuung und Bildung. „Wir verstehen uns einfach als kinder- und familienfreundlichen Ort.“ Neben einem neuen Kinderhaus setze er auf ein entsprechendes Wohnangebot. Drei Baugebiete seien schon auf den Weg gebracht. Auch Sozialwohnungsbau soll in Zusammenarbeit mit dem Landkreis angepackt werden. Ein Meilenstein in der medizinischen Versorgung sei das Ärztezentrum im Ortszentrum, führte er weiter aus. Und im Rahmen des Entwicklungskonzeptes für die gesamte Gemeinde werde in Unterhofkirchen als „innovatives Zeichen „ein Bürgerhaus entstehen“.

Auch Landrat Martin Bayerstorfer zeichnete in seinem Grußwort die zwei Seiten der Medaille auf. Auf der einen Seite den Rekord-Haushalt mit fast 180 Millionen Euro beim fast 140 000 Einwohner zählenden Landkreis: „So viel Geld hatten wir noch nie.“ Auf der anderen Seite die wachsende Unsicherheit wegen der Flüchtlinge. Wie „wuchtig und hart“ Terror und Angst auch in unserer angeblich sicheren Region zugeschlagen habe, hätten alle zum Jahreswechsel mitbekommen. Er forderte, dass die Grundfeste unsere Handels, die christliche Wertorientierung die freiheitlich-demokratische Grundordnung, sowie die Basis unseres Wohlstandes nicht in Gefahr gebracht werden dürfen.

Jeder, der zu uns komme, müsse sich unseren Gesetzen und gesellschaftlichen Regeln anpassen, unabhängig von seiner Herkunft. Wer nicht danach handle, müsse mit Konsequenzen bis zur Abschiebung rechnen. „Die Sicherheit ist die Basis für unsere Prosperität.“ Einmal mehr kritisierte er, dass sich Hunderttausende von Menschen unregistriert in unserem Land aufhalten. Bis zu 50 Prozent in der Shelter-Schleife seien nicht registriert. „Wer profitiert von Menschen, die es eigentlich gar nicht gibt?“, fragte er. „Das können eigentlich nur diejenigen sein, die kriminelle Machenschaften vorhaben.“

Birgit Lang

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