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Neue Herausforderung: Detlef Karioth (vorne, l.) ist seit Herbst Polizeiberater des Bundes bei der UNO. Dieses Bild zeigt ihn im UN-Sicherheitsrat.

Weltpolizist checkt in New York ein

Ex-Bundespolizist am Flughafen arbeitet jetzt bei der UNO

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Detlef Karioth war bis Sommer noch Bundespolizist am Flughafen. Jetzt lebt er in New York und arbeitet als Polizeiberater bei den Vereinten Nationen.

Flughafen – Er hatte schon viele Brennpunkte der Welt gesehen, als er vor gut drei Jahren bei der Bundespolizei am Flughafen eincheckte: Detlef W. Karioth war bis Sommer dieses Jahres Chef von rund 1400 Bundespolizisten. Doch das Erdinger Moos war für ihn nur eine Zwischenlandung. Jetzt ist der 57-Jährige weitergereist – nach New York.

Bei den Vereinten Nationen (UNO) ist er Polizeiberater an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland. „Das ist die Schnittstelle zwischen Politik und polizeilicher Fachexperte zur UN-Polizei“, erklärt Karioth. Man arbeite gemeinsam an den verschiedenen UN-Missionen. „Der Polizeiberater ist dabei Ansprechpartner für die anderen ,Permanent Missions, die oft auch Polizeiberater haben“, erklärt der 57-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Zudem steht Karioth auch in Verbindung mit dem UN Police Adviser, dem obersten Polizisten der Weltgemeinschaft. „Deutschland leistet einen herausragenden Beitrag für die UN-Polizei und den Bereich Rechtsstaatlichkeit“, berichtet Karioth.

Viele internationale Stationen vor dem Amt am Flughafen

Den UN-Posten hat ihm das Bundesinnenministerium in Abstimmung mit dem Bundespolizeipräsidium in Potsdam angeboten. Karioth profitierte dabei von seinen umfangreichen Erfahrungen in Auslandsverwendungen und im diplomatischen Bereich. Von 2002 bis 2007 war er einer der Wegbereiter der EU-Osterweiterung: Erst in Rumänien und dann in Bulgarien beriet er die Sicherheitsbehörden. Von 2006 bis Ende 2007, nach dem Israel-Krieg, leitete Karioth die Beratermission von Bundespolizei und Zoll im Libanon.

Unmittelbar danach wurde er Leiter der deutschen bilateralen Polizeimission und Berater des Botschafters für Polizeiaufbau in Afghanistan. Ehe der Polizeidirektor an den Münchner Flughafen kam, war Karioth ab Ende 2015 Beauftragter der Bundesregierung für die Flüchtling-Hotspots in Griechenland und Italien.

Manhattan: Gewöhnungsbedürftig im Vergleich zu München – aber fantastisch

Bei der UNO, berichtet der Weltpolizist, beteiligte sich die Bundespolizei an verschiedenen Missionen und stellte Personal für das UN-Generalsekretariat. Derzeit seien Kollegen in Brindisi/Süditalien, in Somalia und im Kosovo. Überdies gehörten weitere Bundes-, aber auch Landespolizisten vier UN-Missionen an.

Für Karioth ging es nicht nur beruflich von der Isar an den Hudson River. Mit seiner Frau ist er in den New Yorker Stadtteil Manhattan gezogen. „Das ist nicht vergleichbar mit München“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Geräuschpegel, Verkehr und Fahrzeiten sind schon sehr gewöhnungsbedürftig“, gibt der 57-Jährige zu, „aber es ist auch eine fantastische Stadt“.

„Flughafen war für mich eine große Familie“

Nachdem er viel mit Flucht und Migration zu tun hat(te), sagt Karioth über die heutige, oft umstrittene Grenzsicherrung in Europa: „Die Kontrolle der Außengrenzen muss prioritär bleiben und auch durch die Grenzschutz-Einheit Frontex gestärkt werden.“ Dabei müssten die Staaten an den Außengrenzen unterstützt werden. „Hierbei darf aber die Binnengrenzfahndung keineswegs vernachlässigt werden“, ist der 57-Jährige mit Blick auf die Kontrollen zwischen Österreich und Bayern überzeugt.

An seine Zeit am Moos-Airport erinnert er sich gerne. „Der Flughafen war für mich eine große Familie, in der wir sehr vertrauensvoll, offen und ehrlich zusammengearbeitet haben.“ Man sei sich auf Augenhöhe begegnet und habe sich respektiert. Er habe mit dem Team einen „echten Verbesserungsprozess durchlebt“. Die Flughafen-Bundespolizei mit vielen jungen Beamten behalte er als „sehr motivierte Polizeidienststelle in Erinnerung, die ständig dabei ist, Verfahren und Prozesse zu optimieren“.

Einen Nachfolger für Karioth am Flughafen gibt es übrigens noch nicht.

Hans Moritz

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