Stefan Lorenz will die Piratenparteiin Erding etablieren. Foto: klk

Gar nicht so leicht: Wie die Piratenpartei Erding entern will

Erding - Die in Berlin über Nacht zum Erfolg gekommene Piratenpartei will sich auch nach Erding ausbreiten. Leichter gesagt, als getan:

Es erinnerte alles ein wenig an die Anfänge der Grünen vor vielen Jahren. Etwas chaotisch war schon die Organisation. So taten sich Interessenten und Neumitglieder hart, überhaupt den Tisch zu finden, an dem der Stammtisch stattfinden sollte.

Die Veranstalter hatten es in Erwartung kleiner Zahlen gar nicht für nötig befunden, einen Tisch zu reservieren. Der, der Orientierungshilfe hätte geben können, kam etwas später. Da hatten sich die ersten schon von Tisch zu Tisch gefragt: „Äh, ‘tschuldigung - ist hier der Stammtisch der Piraten?“ Große Augen, fragende Gesichter, oder auch die Pöbeleien eines schon leicht Angesäuselten. „Piraten? Brauchen wir hier nicht“, und damit schwankte der davon, ratlose Neupiraten zurücklassend.

Aber irgendwie fand man sich doch zusammen, stellte sich erstmal mit Vornamen vor, und nur mit diesem. Alle kommen aus der Informationstechnologie, einer sogar aus Berlin.

Das war das Stichwort. Den Schwung aus der Bundeshauptstadt ausnutzen, jetzt Mitglieder gewinnen, das war das Ziel. Man diskutierte wie bei den Jusos in den 70er Jahren, nur nicht ganz so ideologiebelastet, und - dem Rauchverbot sei dank - ohne Nikotin. Man schwadronierte über „Ursula“ und „die Physikerin“ und war sich in einem Punkt einig: Die Partei brauche ein „Vollprogramm“.

Stefan Lorenz aus Erding hatte das Treffen organisiert, und der kann schon reden wie ein Politiker: „Es gibt bereits den konkreten Willen, ein Vollprogramm zu entwickeln“ sagt er. Will heißen: Die neue Partei muss alle Politikbereiche mit konkreten Aussagen besetzen. Das werde schwer, fanden alle, müsse aber versucht werden. Aber schon hier gab es ersten Widerspruch. In Berlin habe es doch auch ohne geklappt. Dass ein Neu-Parlamentarier in Berlin nicht einmal die Größenordnung der Verschuldung der Bundeshauptstadt kannte, empfanden etliche dann aber doch als peinlich.

Konkret gefragt, wie es mit dem Programm für Erding aussieht, musste Lorenz völlig passen. „Nichts“, gab er zu. Dennoch dachten die Teilnehmer der Runde darüber nach, einen Informationsstand auf dem Schrannenplatz zu organisieren. In einem halben Jahr könnte der Schwung aus Berlin verpufft sein.

Dass die Freisinger und die Ebersberger schon besser organisiert sind als die Erdinger, sahen alle sehr wohl. Sie wollen sich einbringen in die Entwicklung des Parteiprogramms, haben Vorschläge vor allem zur Arbeitsmarktpolitik erarbeitet. Hier, so die allgemeine Meinung, sei die neue Partei noch sehr schlecht aufgestellt. Immerhin gibt es einen Landesverband. Was der allerdings für Bayern konkret wolle, sei ebenfalls unklar. „Da muss ich passen“, so Lorenz. Eines der Kernthemen, nämlich mehr Transparenz bei politischen Entscheidungen, könne man aber überall anbringen, meinte er. Und noch etwas fand keinen Widerspruch: Das „exotische Programm“ aus Berlin reiche in Bayern nicht.

(Klaus Kuhn)

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