Nikolaistiftung zieht Bilanz: "Ein schwieriges Jahr für den Wald"

Dorfen - Das Herzstück der Nikolaistiftung der Stadt Dorfen ist der rund 104 Hektar große Nikolaistiftungswald. Extreme klimatische Bedingungen haben der Waldung bei Breitenweiher heuer trotz bester Pflege arg zugesetzt.

Die Bewirtschaftung sowie die wirtschaftliche Nutzung des Nikl-Holzes haben Anfang 2008 die Stadtwerke Dorfen (100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadt) als Pächter übernommen. Seitdem gibt der Stadtwerke-Geschäftsführer und Forstexperte Karl-Heinz Figl alljährlich in der Nikolai-Bruderschaftssitzung seinen Waldzustandsbericht.

Nach Jahren guter Nachrichten im forstlichen Sinne, musste Figl erstmals von einer negativen Entwicklung berichten. Heuer sei für den Wald „ein schwieriges Jahr“ gewesen. „Der stabile und recht vitale Zustand der Wälder der Nikolaistiftung im Zeitraum von 2010 bis 2014 habe sich 2015 drastisch verschlechtert“. Zwei klimatische Extreme haben dem Wald „massiv zugesetzt“, nannte Figl als Ursachen.

Der Sturm „Niklas“ habe Ende März in allen älteren Fichtenbeständen zu flächigen Windwürfen und Brüchen geführt, erläuterte Figl. Danach kam bereits im Juni der Hochsommer mit einer lang anhaltenden, teils subtropischen Hitzeperiode. Nennenswerter Regen blieb bis Ende Oktober aus, was zu enormen Schäden in Forst- und Landwirtschaft geführt habe. Beide Wetterextreme lösten insbesondere bei der Fichte „enormen Trockenstress und Vitalitätsverlust“ aus. Und das auch noch genau im dem Jahr, in dem diese Baumart im Frühjahr eine extrem starke Blühphase mit Fruchtentwicklung hatte, klagte der Forstexperte. Erst ab Oktober habe sich die Lage wieder „etwas entspannt“. Die sehr ungünstigen Bedingungen haben heuer auch eine „vermehrte Borkenkäferentwicklung“ begünstigt.

Zur Waldnutzung berichtete Figl, 2015 seien 384 Festmeter (fm - ein Kubikmeter Holzmasse) bei einem Hiebsatz (jährliche einschlagbare Holzmenge) von 876 fm aufgearbeitet worden. Windwurf, -bruch und Schadholz durch Borkenkäferbefall summierten sich auf 300 fm. Das waren 78 Prozent auf den Holzanfall bezogen, im Gegensatz zu neun bis 19 Prozent in den Vorjahren. Die noch vorhandene Übernutzung seit Beginn des 2001 gestarteten 20-Jahres-Bewirtschaftungsplans betrage laut Figl bis Ende 2015 auf „nur noch rund 300 fm“.

Die Fichte hatte auch 2015 beim Nutzholz wieder den größten Anteil mit 94 Prozent, sagte Figl. Der Rest waren Eiche, Buche, Tanne, Kirsche und Douglasie. Sturm „Niklas“ habe im März die Jahresplanung „komplett zerstört“ und prompt seien die Holzpreise um rund ein Viertel gefallen. Verschärft wurde die Situation durch „das Käferholz“, das aber nur 20 Prozent des Windwurfs ausmachte. Als Mitglied der Waldbesitzervereinigung habe man sich zum zweiten Mal an einer Wertholz-Submission beteiligt. Ein Douglasie-Stamm sei als bester der Art (167 Euro/fm) ausgezeichnet worden, aber ein Eichenstamm (419 Euro/fm) am wertvollsten gewesen.

Zur Bewirtschaftung sagte Figl, die ökologische Waldanpassung für zukünftige Anforderungen sei „schon weit fortgeschritten“. Nur noch kleinflächige Maßnahmen seien nötig. Überhöhte Rehwildbestände seien die „schwierigste waldbauliche Hausforderung im Nikolai-Wald“. Der Abschuss laut gesetzlichem Abschussplan (seit 2013 jährlich 23 Stück Rehwild) verlaufe „planmäßig“, lobte Figl die Revierjäger. Für strenge Winter, in denen das Wild verstärkt die Waldungen mit zu wenig Einstands- und Äsungsflächen aufsuche, sei die Rehwildpopulation insgesamt zu hoch.

Figl erwähnte auch das viel diskutierte Thema B15 neu. Aus Sicht auf intakte Waldungen im Bereich der Gemeinden Taufkirchen, Dorfen und St. Wolfgang habe er „große Bedenken“ gegen die neue Alternativtrasse entlang der bestehenden B15. Die bislang geplante Trasse B15 neu würde hier Waldgebiete zwei Mal durchschneiden.

Hermann Weingartner

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