Der Blick von Norden auf das Fliegerhorstgelände zeigt links die Startbahn, die für als Alternativ-Trasse in Spiel gebracht wurde. Die gerade Straße in der Mitte wird zur Nordanbindung ausgebaut werden. Sie soll möglichst viel Verkehr aufnehmen, um die Alte Römerstraße (r.) in Langengeisling zu entlasten. Archiv-Foto: Seeholzer

Nordumfahrung: Am Brachvogel führt kein Weg vorbei

Erding - An der beschlossenen Trasse der Nordumfahrung Erding ist nicht zu rütteln. Landrat Martin Bayerstorfer verweist vor allem auf ökologische K.O.-Kriterien.

Der Osten der Nordumfahrung Erding ist immer noch politische Kampfzone. Vor allem in Bockhorn ist der Widerstand gegen die vom Kreistag vor über einem Jahr beschlossene Süd 2-Trasse ungebrochen. „Es hat sich nichts ergeben, das rechtfertigt, eine neue Variante in Angriff zu nehmen“, sagte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) gestern bei einem Pressegespräch. Trotz der Beschlusslage seien drei Alternativen geprüft worden.

Den zwei vorgeschlagenen Trassen, die das Fliegerhorst-Gelände großräumig durchschneiden, stehen zwei Brutpärchen des Großen Brachvogels im Weg - eine streng geschützte Art. „Wir müssten nachweisen, dass es keine Alternative gibt, die ökologisch besser ist“, erläuterte Stefan Otzmann vom Staatlichen Bauamt. Auf die Süd 2 treffe das aber zu, so dass eine andere Straßenführung schon zu Beginn des Planfeststellungsverfahrens bei den Behörden durchfallen würde. „Ein K.O.-Kriterium, sagte Otzmann. Konkret geht es dabei erstens um die so genannte Straßmeir-Variante, die östlich vom Stadtgebiet Erding von der B 388 abzweigen würde, und zweitens um die Startbahn-Variante, die auf der Piste des Fliegerhorsts verlaufen würde.

Jedes Brachvogel-Pärchen bewohnt im Schnitt ein 40 Hektar großes Revier. Daher müssten zusätzlich 80 Hektar ökologische Ausgleichsfläche geschaffen werden. Für die gesamte Nordumfahrung gehen die Planer bisher von 30 bis 50 Hektar aus.

Die Planungshoheit der Stadt Erding ist ein weiteres Hindernis für alle Alternativ-Trassen. Ein Bebauungsplan sieht Wohnen und Gewerbe auf dem Fliegerhorst-Gelände vor. Die Gemeinde Bockhorn habe auch darauf gepocht, dass die Nordumfahrung ein geplantes Gewerbegebiet bei Unterstrogn nicht durchschneidet, sagte der Landrat und schloss: „Gleiches Recht für alle.“

Das gilt auch für eine dritte Variante, für die immerhin der Brachvogel kein Problem wäre. Die von Kreisrat Sebastian Haindl ins Spiel gebrachte Trasse würde auf Höhe der Taufkirchener Siedlung von der B 388 abzweigen. Dadurch würde das Brutgebiet nicht durchschnitten.

Also wurde eine Verkehrsprognose für die Trasse errechnet. Schon ohne Nordumfahrung (ED 99) werde der Verkehr bis 2025 auf der Kreisstraße ED 20 in Unterstrogn um die Hälfte anwachsen, erläuterte Fachmann Helmuth Ammerl (von heute 2600 auf 4000 Fahrzeuge pro Tag). Mit der ED 99 nehme diese Zahl auf 5000 zu.

Bei der Haindl-Variante würde die Belastung im Ort Bockhorn laut Ammerl zwar auf 3300 Fahrzeuge sinken. Gleichzeitig würden aber auf der Gemeindeverbindungsstraße nach Salmannskirchen 1300 mehr fahren. „Also nur eine Verlagerung innerhalb der Gemeinde“, so Bayerstorfer. Gleichzeitig bringe diese Alternativ-Trasse eine „brutale Belastung für Langengeisling“. Denn die Nordanbindung, die in 100 Meter Entfernung an dem Erdinger Stadtteil entlangläuft, würde nach der Prognose dann mit 19 000 Fahrzeugen täglich belastet, statt mit 12 000. Zudem, so Bayerstorfer, würde auch die Taufkirchener Siedlung stärker involviert. Darüber hinaus entstünde ein neuer Knoten, an dem wohl ein doppelstöckiger Kreisel gebaut werden müsste. Kostenpunkt: fünf Millionen Euro

Die Planfeststellungsunterlagen werden im Frühjahr 2014 fertig sein. Otzmann schätzt eine Verfahrensdauer von zwei Jahren, bis der erste Bagger anrückt - es sei denn, Klagen verzögern den Baubeginn. Dafür sieht der Landrat den Landkreis - auch wegen der neuen Überprüfungen - gut gerüstet: „Dann können wir für nahezu jede Variante Untersuchungen vorlegen.“

(Timo Aichele)

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