Nordumfahrung ganz weit im Süden

Erding - Für maximale Verkehrsentlastung auf Kosten der Natur entschied sich gestern der Strukturausschuss des Landkreises. Die Nordumfahrung Erding soll in der Südvariante gebaut werden.

Die Nordumfahrung wird eng an Erding zwischen Langengeisling und Altham vorbeiführen. Das entschied gestern der Ausschuss für Struktur, Verkehr und Umwelt mit großer Mehrheit. Im Rennen sind die beiden südlichsten Trassen, vier weitere Varianten wurden verworfen. Die Kosten der knapp neun Kilometer langen Umfahrung werden auf 35 bis 47 Millionen Euro geschätzt. Der genaue Betrag hängt unter anderem von der Zahl und Ausführung der vier oder fünf nötigen Knotenpunkte ab.

Experten stellten gestern den Kreisräten ihre Planungen und Prognosen vor. Demnach bringen die favorisierten Strecken die größte Verkehrsentlastung, aber auch die massivsten Eingriffe für Natur und Landschaft mit sich. Mit der 10:2-Entscheidung beauftragt der Landkreis das Staatliche Bauamt Freising und die beteiligten Ingenieurbüros, die von ihnen empfohlene Trasse weiter zu planen. Sie beginnt im Westen an der FTO nahe dem Mittleren Isarkanal und schleift auf der anderen Seite östlich von Unterstrogn auf die B 388 ein. Zwischen Langengeisling und der Bundesstraße gibt es zwei alternative Routen.

Gleichzeitig berücksichtigte das Gremium einen Wunsch der Bürgermeister betroffener Kommunen: Sie sprechen sich laut Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) dafür aus, dass gleichzeitig eine Nordspange zwischen den Kreisstraßen ED 2 in Berglern und ED 19 nahe Eitting vorangetrieben werden. Den Rathauschefs waren die Planungen ein paar Stunden zuvor am Vormittag vorgestellt worden. Sie haben sich laut Bayerstorfer ebenfalls für die Süd-Varianten ausgesprochen. Auf die Frage nach einem Zeitrahmen für das Großprojekt antwortete der Landrat: „Darüber sagen wir im Moment gar nichts.“

Grünen-Kreisrätin Hannelore Seeger fühlte sich überrumpelt. Wie auch Horst Schmidt (SPD) plädierte sie dafür, das Thema, zu dem keiner der Kommunalpolitiker zuvor Unterlagen gehabt hatte, in den Fraktionen zu besprechen. Ihr Antrag, das Thema zu vertagen und baldmöglichst erneut zu beraten fiel mit 4:8 Stimmen durch.

Bayerstorfer erklärte dieses Vorgehen mit „Befindlichkeiten“ bei diesem „heiklen Thema“. Es sei einfach notwendig, Kreisräte und Bürgermeister zeitgleich zu informieren. Ein Argument für schnelle Behandlung steuerte auch Ulrich Großkopf vom Bauamt bei: Für eine genauere Raumempfindlichkeitsanalyse müsse die Natur in allen Vegetationszyklen beobachtet werden. Eine Vertagung könne daher zu einer Verzögerung um ein Jahr führen.

„In Erding werden alle Ost-West-Relationen entlastet - in der Summe um 6500 Fahrten pro Tag“, bilanzierte Ingenieur Helmuth Ammerl vom Büro Obermeyer die Wirkung der Südtrasse. Bei einer Verkehrszählung seien 2009 auf der Anton-Bruckner-Straße 15 750 Fahrzeuge festgestellt worden (5 % Schwerverkehr). Für 2025 rechnet Ammerl ohne Nordumfahrung dort mit täglich 18 700 Fahrzeugen, mit Umgehung in der Südvariante mit 4000 weniger. Über die neue Route sollen laut der Hochrechnung täglich 13 300 Fahrzeuge rollen.

Die gleichzeitig geplante Parallele zur Alten Römerstraße in Nord-Süd-Richtung soll 10 100 Fahrzeuge aufnehmen und damit den Durchgangsverkehr durch Langengeisling um 8200 reduzieren. Heute ist diese Straße mit 10 850 Fahrzeugen täglich belastet. Die Prognose für 2025 ohne Nordumfahrung sagt 11 800 voraus. (Timo Aichele)

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