Aus alle Nähten drohte der Brunold-Saal in Eichenkofen zu platzen. Zu den Wortführern des Protests gehört Robert Thalmeier (r.). Foto: Renninger

Nordumfahrung: Geislinger gründen Bürgerinitiative

Erding - Die Gegner der Nordumfahrung haben eine Bürgerinitiative gegründet. Am Donnerstag brachten vor allem Langengeislinger erneut ihre Kritik vor.

Eine Protestbewegung formiert sich: Unter dem Motto „Nordumfahrung - So nicht“ veranstaltete die neu gegründete Bürgerinitiative am Donnerstag im Gasthaus Brunold einen Infoabend. Dabei zeigte sich rasch, dass die geplante Nordumfahrung Erdings bei Langengeislinger, Althamer und Eichenkofener Bürgern starken Gegenwind spürt.

Der Widerstand gilt aber nicht nur der Trasse, sondern auch der Stichstraße (Nordanbindung) und der Anbindung des Kronthaler Weihers. Die Initiatoren Karl Patzelt, Hartmut Witting und Robert Thalmeier debattierten mit 120 Zuhörern das Für und Wider des Neubaus. Nur vereinzelt regten sich dabei Stimmen für das Projekt. Einer erhofft sich „eine Entlastung der Alten Römerstraße“. Für den nächsten war klar: „Die Ortsdurchfahrt Eichenkofen wird dadurch entlastet.“ Auch Anlieger der Alten Römerstraße schöpfen Hoffnung. Sie wollen endlich wieder sicher aus ihren Grundstücken kommen.

Thalmeier erklärte dazu, dass für viel mehr Menschen die geplante Nordanbindung parallel zur Alten Römerstraße das größte Übel sei. Ein Besucher fürchtet sogar eine Verkehrszunahme dort, sollte die Anbindung etwa aus finanziellen Gründen nicht gebaut werden. Dann müssten alle durchs Dorf.

Patzelt warnte: „Da werden beste landwirtschaftliche Flächen zerstört. Wollen wir Geislinger das?“ Da wären ein paar Autos mehr in der Alten Römerstraße egal. Ein Bürger verwies gleich auf das „abschreckende Beispiel“ Frankfurter Flughafen: „Da ist das gesamte Umland zugepflastert, wir müssen schauen, dass unser Paradies hier nicht vergeht.“

Viele misstrauen auch den Verkehrsprognosen. Die dritte Startbahn sei schließlich noch nicht durch, genauso wenig wie der Kreuzungsbahnhof am Fliegerhorst. Aber die Nordumgehung solle schnell durchgepeitscht werden. „Die Straße ist dann einfach da. Wenn die Prognosen nicht zutreffen, kann man die nicht einfach zurückbauen“, sagte eine Anwohnerin. Ein anderer geriet regelrecht in Rage: „Großflughafen, Militärflughafen und jetzt die Umfahrung. Wie viel Lärm wird uns denn noch zugemutet?“

Zweiter Bürgermeister Ludwig Kirmair, selbst ein Langengeislinger, hatte einen schweren Stand: „Ich bin hier aufgewachsen, so ein Projekt ist natürlich nichts Schönes. Es wird aber nicht aus Jux und Tollerei geplant.“ Ein Grund sei der vermehrte Zuzug. Prognosen würden ein starkes Wachstum Langengeislings voraussagen. Außerdem gab er zu bedenken, dass jeder Haushalt zwei bis drei Autos habe. Witting kennt das Problem des selbsterzeugten Quellverkehrs. Er ist sich aber sicher: „Den werden wir mit der Nordumfahrung nicht los.“

Trotz alledem soll laut Thalmeier nicht der Eindruck erweckt werden, die Bürgerinitiative sei „gegen alles“. Er appellierte unter Applaus an alle Bürger, unnötige Autofahrten zu unterlassen. Zudem gebe es andere Möglichkeiten, den Quellverkehr zu verringern. Die Vorschläge reichten von einer verbesserten Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel, einem Park-and-Ride-Parkplatz auf Höhe des Heimatmuseums, bis hin zu einem Radweg.

Die nächste Veranstaltung zum Thema Nordumfahrung findet am Mittwoch, 2. Juni, um 19.30 im Gasthaus Rauch in Grucking statt. Zudem ist am Dienstag, 8. Juni, um 20 Uhr eine Bürgerversammlung mit Stadtchef Max Gotz in der Stadthalle Erding anberaumt.

(Max Renninger)

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