Großes Interesse zeigten die Bürger an der Debatte am Dienstagabend im Stadtrat. Foto: (ham)

Nordumfahrung II: Kontroverse Debatte im Erdinger Stadtrat

Erding - Die klare Mehrheit im Stadtrat ist für die Erdinger Nordumfahrung. Dennoch wird sie nicht als Allheilmittel für sämtliche Verkehrsprobleme der Stadt angesehen. Diskussionsbedarf besteht vor allem bei der Anbindung der Stadt an die Umfahrung.

Über dreieinhalb Stunden lang stellten die Experten vom Straßenbauamt Freising sowie der Ingenieurbüros die Trassenvarianten vor, ehe eine lebhafte und kontroverse Debatte einsetzte. Am Ende kristallisierte sich heraus: Die Kommunalpolitiker verlangen noch mehr Information über die Parallele zur Alten Römerstraße, über die ab dem Fliegerhorst die Nordumfahrung erreicht werden soll. Keine Einigung erzielt werden konnte, ob und wie das Erholungsgebiet Kronthaler Weiher mit einer eigenen Verbindung an die Umgehung angeschlossen werden kann. Der von Bürgermeister Max Gotz (CSU) erhoffte Beschluss muss auf die nächste Stadtratssitzung vertagt werden. Er will zudem eine Bürgerversammlung einberufen.

Zu Beginn der Sitzung erinnerte Gotz daran, dass bereit seit den 80er Jahren über die Nordumfahrung geredet werde. Um die Jahrtausendwende sei das Projekt erstmals konkret, dann aber wegen des angeblich nicht ausreichenden Entlastungseffekts wieder auf Eis gelegt worden. Der Bürgermeister bekräftigte: Jetzt brauchen wir die Entlastung. Über die südlichen Trassenvarianten ist sie am größten.“ 6000 Fahrzeuge pro Tag könnten aus der Stadt abgesaugt werden. „Davon profitieren vor allem die Anlieger der Anton-Bruckner-, der Alten Römer- und der Johann-Sebastian-Bach-Straße sowie die Bewohner der Freisinger Siedlung. Zudem wies er auf die günstigen Umstände hin: „Aus dem Umlandsfonds des Flughafens stehen fünf Millionen Euro für Planungskosten zur Verfügung. Der Freistaat Bayern wird 70 Prozent der förderfähigen Kosten als Zuschuss übernehmen.“

CSU-Fraktionschef Jakob Mittermeier sprach von einer „einmaligen Chance, die jahrelange Forderung nach Entlastung umzusetzen“. Auf die Kritik, Altham und Eichenkofen würden von Langengeisling abgeschnitten, sagte er: „Das hieß es bei der Südumgehung Altenerdings auch. Es kam anders.“

Rainer Mehringer, Fraktionschef der UWE, erkannte die Notwendigkeit ebenso, stellte aber klar, dass damit nicht alle Verkehrsprobleme gelöst werden könnten. Zur parallel zur Alten Römerstraße verlaufenden Nordanbindung zwischen Fliegerhorst und der geplanten Trasse erklärte Mehringer, ein ausreichender Lärmschutz müsse gewährleistet werden. „Sonst verlagern wir das Problem nur.“ Für ihn besteht zwischen dieser Stichstraße und der Umgehung ein „zwingender Zusammenhang“.

In die gleiche Kerbe schlug SPD-Stadtrat Horst Schmidt. Er gab obendrein zu bedenken, dass etwa im Bereich des Wasserturms die Belastung durch die Stichstraße zunehmen werde. Zudem warnte er vor überzogenen Erwartungen. „Die heute stark belasteten Routen werden das auch nach der Fertigstellung der Umfahrung sein.“ Lediglich der prognostizierte Zuwachs werde zum Teil abgezogen. Seine Frage nach dem Kostenanteils Erding konnten weder Gotz noch die Ingenieure beantworten. So weit sei man noch nicht.

Günther Kuhn (Grüne) sagte, ihn wunderten die völlig unterschiedlichen Zahlen und Prognosen der Gutachten von 2001 und heute. Darauf erwiderte Helmuth Ammerl vom Büro Obermeyer, die aktuellen Werte seien wegen der aufwändigeren Erhebung die zuverlässigeren.

Elfriede Steinbacher (UWE) wunderte sich über die gleichzeitig und räumlich parallelen Planungen für Nordumfahrung und S-Bahn-Ringschluss. „Wird hier nicht der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben?“, fragte sie. Sie stellte die Nordumfahrung grundsätzlich in Frage. Der Entlastungseffekt rechtfertige nicht die derart hohen Kosten. Noch weiter ging Roswitha Bendl (ÖDP). Sie lehnt die Nordumfahrung ab.

Erbost auf die Debatte reagierte Burkhard Köppen (CSU). „Jetzt besteht die Möglichkeit der Entlastung, auch wenn neue Betroffenheiten entstehen. Wir müssen uns entscheiden. Wer das nicht kann, muss sich hinstellen und zugeben, dass man doch nicht bereit ist, irgendetwas zu ändern.“ Gotz sekundierte: „Das ist eine Entscheidung, die Mut braucht.“

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