Über 400 Besucher folgten der Einladung zur Bürgerversammlung zur geplanten Nordumfahrung in die Stadthalle Erding. Foto: Moritz

Nordumfahrung I: Das sagen die Befürworter

Erding - Auf überwältige Resonanz ist die Bürgerversammlung der Stadt Erding zur Nordumfahrung gestoßen. Mit rund 400 Besuchern war die Stadthalle voll besetzt.

Diese Bühne nutzten Bürgermeister Max Gotz und Landrat Martin Bayerstorfer, um für die Entlastungsstraße zu werben.

Im großen Saal der Stadthalle, deren Galerie ebenfalls dicht bevölkert war, erinnerte Bürgermeister Max Gotz als Gastgeber daran, dass die Idee einer Nordumfahrung „alles andere als neu“ sei. Bereits vor zehn Jahren habe man sich damit befasst. Auch blickte er auf den Kommunalwahlkampf 2008 zurück, „in dem sich alle größeren Parteien ganz klar für das Projekt ausgesprochen hatten“. Gotz sieht in der Nordumfahrung eine „große Chance, einen Teil der laufend zunehmenden Verkehrsprobleme“ in der Kreisstadt zu lösen.

Er wies aber auch darauf hin, dass die Trasse nur Bestandteil eines Gesamtkonzepts sein könne. Weitere Faktoren seien der Bau des Ringschlusses und der Walpertskirchener Spange sowie der vierstreifige Ausbau der Flughafentangente. Zur FTO wurde bekannt, dass das Straßenbauamt dabei ist, die Ertüchtigung in den Staatsstraßenplan zu bekommen.

In gleicher Weise äußerte sich Landrat Martin Bayerstorfer. Er sah eine Chance, „endlich einen Teil der Verkehrsprobleme lösen zu können,die uns der Flughafen beschert hat“.

„Wir machen deswegen Tempo, weil derzeit die Chancen gut stehen, die Straße optimal gefördert zu bekommen“, erläuterte Gotz weiter und verwies auf die fünf Millionen Euro aus dem Umlandsfonds des Flughafens sowie auf die Zusage des Freistaates Bayern, die förderfähigen Kosten mit bis zu 75 Prozent zu bezuschussen. „Dieses Fenster ist nicht ewig offen“, machte der Stadtchef klar.

Er trat zudem der Auffassung entgegen, es handle sich um ein Projekt ausschließlich für den Norden Erdings. „Wir können für viele Bereiche etwas tun, unter anderem für die Alte Römer, die Anton-Bruckner- und die Johann-Sebastian-Bach-Straße, die gesamte Freisinger Siedlung, den Norden Siglfings, die Ortsdurchfahrt von Eichenkofen, die angrenzenden Bereiche der B 388 sowie die Taufkirchener Siedlung.“ Die Gesamtentlastung bezifferte er mit 7000 Fahrzeugen täglich.

Helmuth Ammerl vom Planungsbüro Obermeyer, das die Verkehrszählung durchgeführt hatte, sekundierte: „Egal, welche Variante wir nehmen, es findet auf nahezu allen innerstädtischen Straßen eine Reduzierung des Verkehrs statt, in erster Linie aber bei der Süd-Variante. Besonders stark ist sie auf sämtlichen Ost-West-Verbindungen.“

Ammerl berichtete, laut Prognose würde die Nordumfahrung täglich von rund 13 500 Fahrzeugen genutzt. Außerorts würden Eichenkofen, Tittenkofen und Grucking entlastet. Mit mehr Verkehr müssten wegen der Zufahrt zur neuen Straße Glaslern und Berglern sowie einige Verbindungen im Gemeindegebiet von Bockhorn rechnen.

Der Verkehrsplaner animierte die Stadt Erding dazu, die neue Straße mit einem innerstädtischen Verkehrskonzept zu verknüpfen. „Nur wenn bisherige Routen durch Um- und Rückbauten unattraktiver gemacht werden, kann die Umgehung maximale Wirkung entfalten.“

Diesen Ball nahm Bayerstorfer auf, der erklärte: „Hier haben wir die Chance, selbst etwas zu tun.“ Auf die Kritik an der favorisierten Süd-II-Variante reagierte der Kreischef mit dem Hinweis, „dass diese aus zahlreichen Besprechungen mit allen betroffenen Gemeinden und Gremien als klarer Favorit hervorgegangen“ sei. Dennoch nehme man alle Sorgen erst und versuche, bei der Planung darauf einzugehen.

Das Argument der grundsätzlichen Kritiker, neue Straßen erzeugten neuen Verkehr, ließ Bayerstorfer gelten. „Das soll ja auch so sein, dafür bauen wir ja die Nordumfahrung. Dafür wird andernorts der Verkehr weniger.“ Ihm sei klar, dass das mit neuen Betroffenheiten verbunden sei. Dennoch sei man die Nordumfahrung kommenden Generationen schuldig. Die nachhaltige Entlastung Erdings sei ein bedeutender Beitrag zu mehr Lebensqualität.

Dies konnte Peter Weywadel, Leiter des Staatlichen Bauamtes München, nur unterstreichen. „Die Region wird weiter wachsen und mit ihr der Verkehr.“ Bis 2025 rechne man mit einer Verkehrszunahme rund um Erding von etwa 16 Prozent. Der Landkreis sei ein Magnet. Auch er signalisierte, auf Kritiker zuzugehen. Damit meinte er auch den jüngst bekannt geworden Vorschlag von Erding Jetzt mit einer Kombination aus südlicher und mittlerer Trasse. Allerdings appellierte er auch an die Gegenseite: „Ohne Kompromisse geht es nicht.“

(Hans Moritz)

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