Voll besetzt war die Langengeislinger Sporthalle bei der Bürgerversammlung zu Nordumfahrung und Nordanbindung. Foto: Moritz

Nordumfahrung II: Das sagen die Bürger

Erding - Bei der Planung der Nordumfahrung ist eine bemerkenswerte Entwicklung festzustellen: Die ED 99 wird offensichtlich nicht mehr grundsätzlich in Frage gestellt.

Dennoch hatten die rund 300 Besucher der Sonderbürgerversammlung in Langengeisling allerhand Diskussionsbedarf.

Voll besetzt war die Langengeislinger Schulturnhalle am Donnerstagabend. Dreieinhalb Stunden lang gab es Informationen über die Anbindung der ED 99 an das städtische Verkehrsnetz (siehe Bericht auf der lokalen Seite 1) sowie zum Teil erhitzte, aber konstruktive Debatten über den richtigen Weg. Die Sonderbürgerversammlung endete mit einem Novum: Oberbürgermeister Max Gotz ließ über einige Details abstimmen.

Auch wenn das Votum gewiss nicht repräsentativ und vor allem für die Kommunalpolitik nicht bindend ist: Der Wille vor allem der Bürger aus den nördlichen Stadtteilen war eindeutig. Die Alte Römerstraße darf nicht länger Durchgangsstraße bleiben. Der Durchstich vom Kronthaler Weiher zur ED 99 ist klar mehrheitsfähig. Eine Ost-West-Verbindung via Fehlbachstraße fällt hingegen knapp durch. Zu groß ist die Sorge der Langengeislinger vor einer neuen Blechlawine an Schule und Kindergarten vorbei, um entweder ins Erholungsgebiet oder zur ED 99 zu gelangen. Entsprechende Warnungen kamen unter anderem von Stefan Mundigl und Harald Mehringer.

Nur noch zu Fuß oder per Rad zum Weiher

Dabei wurde mehrheitlich in Kauf genommen, dass es dann keine Autoverbindung mehr von Geisling zum Weiher geben wird.

Mehrere Appelle unter anderem der Ortssprecher Josef Wenhart und Lenz Hellinger bestärkten Gotz, die Stadtverwaltung und die Planer in ihrer Auffassung, dass die Landwirtschaft nicht tangiert werden dürfe. Für sie gilt weiterhin freie Fahrt. Dafür gab es ein Dankeschön vom Kreisobmann des Bauernverbandes, Hans Schwimmer.

Auffällig in der mehrstündigen Aussprache, in deren Verlauf mehrere Dutzend Bürger ans Mikrofon traten: Selbst frühere erklärte Gegner der ED 99 hatten merklich abgerüstet. Sie machten aber deutlich, dass sie nur dann bereit seien, Grund für den Straßenbau abzutreten, „wenn es dafür eine vernünftige und starke verkehrliche Entlastung gibt“, wie es unter anderem Josef Hupfer formulierte.

Unmissverständlich machten sie überdies klar, dass die Nordumfahrung frühestens dann gebaut werden könne, wenn die Nordanbindung als quasi Neue Römerstraße auf Fliegerhorst-Areal realisiert sei. Unter keinen Umständen dürfe der Fall eintreten, so unter anderem Hupfer, „dass die Nordumfahrung fertig ist, die Nordanbindung aber noch nicht, und der Verkehr sich über Geisling ergießt“.

Erneut klare Absage an die Werkstraße

Gotz und Oberst Michael Rethmann, Standortältester des Fliegerhorstes, erwiderten, dass man nach wie vor nicht exakt sagen könne, wann die Startbahn geschlossen werde und der Abzug über der Bühne sei.

Beide machten aber deutlich, dass sie fest überzeugt seien, dass beide Planungen sowie der Bau parallel erfolgen könnten. Gotz erklärte, er stehe in laufendem Kontakt mit der Immobilienverwertungsgesellschaft des Bundes (Bima). „Das steht die Nordanbindung ganz oben, nicht zuletzt auch zentrales Infrastrukturelement für den neuen Fliegerhorstbahnhof und das konvertierte Luftwaffenareal“, versicherte der OB und erntete von einem im Saal anwesenden Vertreter der Bima zustimmendes Nicken.

Eine klare Absage erteilte der CSU-Politiker Redebeiträgen, die erneut eine Erschließung des Kronthaler Weihers von West an die Kreisstraße ED19 Erding-Eitting (Werkstraße) verlangten. „Diese Planung wurde vor 20 Jahren aufgegeben, und ich sehe keinen Anlass, das zu ändern“, so Gotz. Vor diesem Schwenk hatten auch die anwesenden Bürger aus Siglfing, darunter Adi Voichtleitner, nachdrücklich gewarnt.

Ludwig Aigner brachte die Sorge vieler Althamer und Eichenkofener ins Gespräch, neue Abkürzer durch die Dörfer könnten entstehen. Gotz stellte klar, dies werde durch Beschilderungen und Kontrollen unterbunden.

Anni Gruber begrüßte grundsätzlich die Beruhigung der Alten Römerstraße, äußerte aber zugleich die Befürchtung, „dass wir dann als reine Anliegerstraße doch noch durch den S-Bahn-Ringschluss von Erding abgetrennt werden könnten“. Gotz beschwichtigte. Die derzeitigen Bahnpläne sähen das nicht vor. Noch im Frühling sollen sie öffentlich gemacht werden. „Es sieht gut aus“, versicherte der OB.

(Hans Moritz)

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