Die Alte Römerstraße in Langengeisling ist ständig überbelastet. Foto: Priglmeir

Nordumfahrung II: Das sagen die Gegner

Erding - Die Nordumfahrung ist zu teuer und bedeutet einen zu großen Einschnitt in die Natur. Auf diesen Nenner lässt sich die Kritik an dem Projekt bringen.

In der Bürgerversammlung ermunterte Bürgermeister Max Gotz die Gegner, Sorgen loszuwerden.

Martin Neumaier wollte die Garantie, dass die Parallele zur Alten Römerstraße gebaut wird. Andernfalls würde die Zufahrt zur neuen Straße durch dieses Nadelöhr führen. Zudem regte er an, den Erding Jetzt-Vorschlag einer Trasse, die einen größeren Boden um den Norden der Kreisstadt schlägt, zu prüfen. Gotz erwiderte, zum jetzigen Zeitpunkt könne er keine Garantien abgeben. Landrat Martin Bayerstorfer sagte, die neue Trasse, von der er erstmals vorige Woche gehört habe, könne man natürlich untersuchen. „Das bedeutet aber erheblichen Zeitverlust.“

Klaus Stiegler, der an der Anton-Bruckner-Straße wohnt, sprach sich zwar nicht konkret pro Nordumfahrung aus, forderte aber eine Entlastung vor der Haustür. Vor allem Lastwagen würden immensen Dreck und Lärm verursachen. Er schlug schärfere Restriktionen gegen die Brummis vor. Straßenbauamts-Leiter Peter Weywadel konnte ihm wenig Hoffnung machen: „Die Hürden für Verbote auf Durchgangsstraßen sind extrem hoch.“

Hartmut Witting, der der neuen Bürgerinitiative gegen die Umfahrung angehört, bezweifelte, dass der S-Bahn-Ringschluss in die Prognose eingearbeitet worden sei. Seine Theorie: Fährt die S-Bahn bis zum Flughafen, braucht es die neue Straße gar nicht mehr. Wie Stiegler hatte auch Witting einen Verbesserungsvorschlag für die Anton-Bruckner-Straße parat: „Wie wäre es mit einer grünen Welle?“ Der Bürgermeister sicherte eine Prüfung zu.

Vom Befürworter zum Gegner gewandelt hat sich Rudolf Thalmeier aus Langengeisling. Der massive Eingriff in die Natur sei nicht akzeptabel. Auch hege er Zweifel, ob das Nutzen-Kosten-Verhältnis passe. Wie andere Redner befürchtet Thalmeier, unter einen Lärmteppich zu geraten: durch den zunehmenden Flugverkehr, die Umfahrung, die Alte Römerstraße sowie die neue Parallele im Osten des Stadtteils.

Kein brennender, aber immerhin ein Befürworter der Pläne ist Prof. Dr. Peter Kirchhoff, einst Lehrstuhlinhaber in Sachen Verkehrsplanung. „Der Verkehr Richtung Flughafen und Autobahnen wird unterschätzt. Natürlich wäre eine B 388 neu als echte Südost-Umgehung sinnvoll.“ Da die aber in weiter Ferne liege, sollte man den Spatz in der Hand wählen - die Nordumfahrung.

Doris Kraeker vom Verkehrsclub forderte wie Walter Koppe und Robert Thalmeier, aufs Auto möglichst zu verzichten beziehungsweise stärker auf Alternativen wie öffentliche Busse und Fahrgemeinschaften zu setzen. Gotz sicherte zu, eine bessere Anbindung Langengeislings ans Stadtbusnetz zu prüfen. Weywadel hingegen erklärte, der ÖPNV sei auf dem Land keine echte Alternative.

Wie Thalmeier warnte auch Josef Hupfer vor einer übermäßigen Lärmbelastung Langengeislings. Während anderenorts kräftig entlastet werde, müsse der nördliche Stadtteil alle Nachteile hinnehmen. Hans Mesz bemängelte, dass bei der Abwägung „das Schutzgut Mensch zu wenig berücksichtigt wurde“.

Ins gleiche Horn stieß Max Tauber. Unter Applaus sagte er: „Hier droht ein Naherholungsgebiet zerstört zu werden.“ Erst vor vier Jahren habe man nach 30 Jahren die Flurebereinigung abgeschlossen. „Und nun soll alles wieder von vorne anfangen?“

Robert Thalmeier schlug zur Entlastung der Freisinger Siedlung den Bau der Werkstraße vom Kronthaler Weiher zur Kreisstraße Erding-Eitting vor. Die Nordumfahrung bedeute keine Verdrängung, sondern Verschiebung des Verkehrs.

Von den Langeislingern enttäuscht war Irene Obermeier aus der Alten Römerstraße. „Wir alle wissen, dass die Straße überlastet ist.“ Darum verstehe sie nicht, warum nicht mehr Betroffene für Abhilfe seien.

(ham)

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