Nordumfahrung: Die Süd-Variante hat auch bei der Politik Vorfahrt

Erding - Der Strukturausschuss folgt mehrheitlich dem Rat des Staatlichen Bauamts. Die Mitte-Trassen sind vorerst vom Tisch.

Die Mitte-Trassen der Nordumfahrung werden „derzeit nicht weiterverfolgt“. So haben es gestern die Kreisräte im Ausschuss für Struktur, Verkehr und Umwelt mehrheitlich beschlossen. Mit 10:3 Stimmen räumte das Gremium einem Süd-Korridor Vorrang ein und folgte damit der Empfehlung des Staatlichen Bauamts. Bis es so weit war, erlebten mehrere Dutzend Zuhörer eine dreistündige Debatte über das Thema im engeren Sinne sowie über weitere Verkehrsprojekte im Landkreis und ökologische Grundsätze.

Die Planer des Bauamts hatten vor zwei Wochen in einer Informationsveranstaltung erklärt, dass die Verkehrsentlastung der von Erdinger Bürgern ins Spiel gebrachten weiter nördlich verlaufenden Trassen zu gering sei (wir berichteten). Derzeit würden etwa 50 000 Autos in Ost-West-Richtung durch Erding hindurchfahren, nach der Prognose würden es im Jahr 2025 60 000 sein, erläuterte gestern Amtsleiter Peter Weywadel. „Mit dem Korridor Süd können sie etwa 20 Prozent als 12 000 Fahrzeuge raushalten“, sagte er. Mit den Mitte-Trassen wäre die Entlastung laut Weywadel nur halb so groß.

Mit seinem letztlich angenommenen Beschlussvorschlag wollte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) keine der Alternativen endgültig ausschließen. De facto wird aber zunächst nur mit den ursprünglich favorisierten nahe an Erding vorbeiführenden Süd-Varianten weitergeplant.

Horst Schmidt hatte zu Beginn sogar beantragt, dass in der Sitzung „keine Entscheidung über eine Variante getroffen wird“. Der SPD-Fraktionschef argumentierte, dass etwa im Hinblick auf die unklare Führung der Regionalbahnanbindung nicht alle Fakten bekannt seien. Eine 9:4-Mehrheit lehnte eine solche Änderung der Agenda ab.

In der späteren Diskussion blieb Schmidt bei dieser Haltung. Die Auswirkung einer möglichen Süd-Ost-Umfahrung von Erding sei nicht einberechnet, führte er an. „Der Hauptverkehr, der auf uns zurollt, kommt über die Staatsstraße 2084“, sagte dazu Siegfried Rübensaal (FW).

„Die Süd-Ost-Umfahrung ist Aufgabe des Bundes“, antwortete Bayerstorfer. Nachdem dieses Projekt im Bundesverkehrswegeplan nicht in der höchsten Dringlichkeit stehe, sei die Umsetzung in den nächsten zehn Jahren sehr unwahrscheinlich. Nach seinen Berechnungen, so Planer Helmuth Ammerl zur fachlichen Seite, hätten die beiden Umgehungen keinen oder fast keinen Einfluss aufeinander: „Eine Ringwirkung außen wird’s nicht geben. Das ist das viel zu umwegig.“

Ohne Sicherheit über weitere Infrastrukturprojekte könne man Verkehrsströme nicht vorhersagen, also solle man abwarten, sagte Ulla Dieckmann (SPD). Dem widersprach Hans Wiesmaier (CSU), man müsse vielmehr das aufgestoßene Zeitfenster nutzen. Die Nordumfahrung sei ein „erster Baustein zur Verkehrsentlastung“. „Wir sind hier nicht angetreten, um die Verkehrsprobleme der nächsten 50 Jahre zu lösen“, sagte Wiesmaier. Bayerstorfer verwies auf mehrere mit großer Mehrheit gefasste Beschlüsse. „Die Entscheidung weiterzuplanen haben wir schon am 15. März 2010 getroffen“, sagte er. Die beiden SPD-Räte blieben bei ihrer Ablehnung und stimmten mit Korbinian Empl (FW) gegen die Festlegung auf die Süd-Trassen (Timo Aichele).

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