Rund 150 Bürger fanden am Montagabend den Weg nach Riedersheim. Dort stellten Landrat Martin Bayerstorfer sowie Vertreter des Straßenbauamtes Freising die aktuelle Planung mit all ihren Fallstricken vor. Foto: ham

Nordumfahrung II: Vögel pfeifen auf Entlastungsstraße

Erding/Riedersheim - Die Funde vom Aussterben bedrohter Tierarten im Trassenkorridor für die Erdinger Nordumfahrung wird das Projekt um mindestens ein Jahr verzögern. Ergänzende Untersuchungen sollen klären, ob die Süd-Trassen alternativlos sind - und damit doch genehmigungsfähig wären.

Das Interesse an der Nordumfahrung von Erding ist gleichbleibend hoch. Auch die dritte Bürgerversammlung des Landkreises, die am Montagabend in Riedersheim (Gemeinde Bockhorn) stattfand, war mit über 150 Bürgern bestens besucht (siehe Bericht unten). Sie wollten vor allem wissen, welche Faktoren aus der Umweltverträglichkeitsstudie das Projekt so sehr beeinträchtigen, dass mit einem Trassenbeschluss nicht mehr in 2011 zu rechnen ist.

Eingangs machte Peter Weywadel, Chef des Straßenbauamtes Freising, deutlich, dass man mit Unwägbarkeiten in Pflanzen- und Tierwelt in diesem Bereich habe rechnen müssen. „Wir wussten, dass das im Bereich der Wahltrassen Süd 2 und 3 sensible Natur ist, in die massiv eingegriffen wird.“ Nun gehe es darum, Ausgleichsmöglichkeiten beziehungsweise Planrechtfertigungen zu finden. Unterm Strich schneide die Streckenführung der Variante Süd2 besser ab als die südlicher gelegene Möglichkeit Süd3. Beide beginnen bekanntlich in Unterstrogn, führen nördlich von Langengeisling vorbei und münden am Mittleren Isarkanal auf die Flughafentangente Ost.

Stefan Marzelli vom Straßenbauamt machte deutlich, „dass wir viele Tierarten gefunden haben, die auf der Roten Liste stehen, oder die sehr selten geworden sind“. Als Beispiele nannte er die Wechselkröte und andere Amphibien, den Großen Brachvogel, die Feldlerche sowie weitere Bodenbrüter, Fledermäuse, Tagfalter und Libellen. Marzelli machte wie zuvor Weywadel deutlich, dass diese Vorkommen und deren Lebensräume (Habitate) im Genehmigungsverfahren zu einem großen Problem werden könnten.

Alle anderen Schutzgüter wiegen laut Marzelli deutlich weniger schwer. Allerdings würden sehr ertragreiche Böden überbaut, es fände weniger Luftaustausch statt, und die Frischluftgewinnung durch große Korridore würde erschwert. Hinzu komme der Verbrauch an landwirtschaftlichen sowie für Naherholung reservierte Flächen sowie die visuelle Beeinträchtigung etwa durch Brückenbauwerke.

Zum Schutzgut Mensch merkte Marzelli an, dass in keinem Bereich von einer Überschreitung der Lärm-Grenzwerte auszugehen sei. „Das betrifft allenfalls einige wenige Einzelfälle.“ Weywadel machte diesbezüglich deutlich, dass man per Gesetz zu keinerlei Lärmschutzmaßnahmen verpflichtet sei.

In der Summe gelangte Marzelli zu dem Schluss, dass die Entlastung der Menschen durch die Nordumfahrung neue Belastungen klar übersteige. „1300 spüren eine Entlastungen, 118 eine neue Belastung. Für 9000 Menschen ändert sich nichts.” Um dem Artenschutz Rechnung zu tragen, „müssen wir jetzt sehen, welche Kompensationsmöglichkeiten es gibt“, so der Gutachter.

Weywadel ergänzte, mittels umfangreicher Nachuntersuchungen stoße man entweder auf eine geeignetere Trasse, oder man könne Ausnahmetatbestände geltend machen. Er schlug eine erneute, vertiefte Überprüfung der Wahltrassen Mitte an. „Wenn sich dort bei Flora und Fauna das gleiche Bild ergibt, dann kann man argumentieren, dass die Südtrassen die bessere Lösung sind, weil alle anderen Parameter, vor allem der verkehrliche Entlastungseffekt, ebenfalls für sie sprechen.“

Der Behördenleiter machte deutlich, dass man nun erneut eine Feldkartierung sowie ein Vegetationsgutachten benötige - sprich ein weiteres Jahr in Anspruch genommen werden müsse. Der Kreistag wird nach der Sommerpause beschließen, ob er einen entsprechenden Auftrag erteilt.

Zu Beginn der vierstündigen Veranstaltung hatte Landrat Martin Bayerstorfer auf die enorme Bedeutung der Nordumfahrung hingewiesen. Er bezeichnete sie als das „aktuell wichtigste Infrastrukturprojekt des Landkreises“, bei dem man selbst alle Möglichkeiten in der Hand habe. „Umso wichtiger ist, dass wir diese Gelegenheit nutzen. Hier können wir nicht auf München oder Berlin deuten.“ Angesichts des prognostizierten Wachstums der Bevölkerung und der Wirtschaft am Flughafen sei man in der Pflicht zu handeln.

Hans Moritz

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