Eine heftige Debatte erlebten die Zuhörer bei der Informationsveranstaltung über die Nordumfahrung. foto: seidel

Nordumfahrung: Widerstand „vor Gericht und auf der Straße“

Hörgersberg - Die Bürgerinitiative Nordumfahrung kündigt Proteste gegen das Straßenprojekt an. „Wir werden nicht zuschauen, wie die Ortschaft kaputtgemacht wird", erklärt Martin Haindl.

Fragen hätten es werden sollen, stattdessen bekam Landrat Bayerstorfer am Mittwochabend viel Kritik zur Nordumfahrung zu hören. Martin Haindl, Sprecher der BI Nordumfahrung, warf dem Kreistag vor, dass sich niemand Gedanken um Bockhorn mache. „Wir werden vor Gericht weiterreden und auf der Straße“, kündigte er bei der Informationsveranstaltung im vollbesetzten Saal des Gasthauses Obermaier an. Die nächste Demo werde „nicht an einem Nachmittag sein und nicht vor dem Landratsamt“.

Bürgermeister Hans Schreiner beklagte, dass die Süd-Ost-Umfahrung nicht in die Planungen einbezogen worden sei. An Bayerstorfer wandte er sich mit der Kritik, dass die Unterlagen stets verzögert angeliefert würden. Die Gemeinde sei strikt gegen die Variante und werde sich auf das Planfeststellungsverfahren juristisch vorbereiten. „Es wird nicht anders gehen, als dass sie bei uns Grundstücke enteignen müssen“, warnte Schreiner.

Zu den Unterlagen riet Bayerstorfer einen Blick ins Internet zu werfen, dort würden sämtliche Planungsergänzungen binnen 48 Stunden veröffentlicht. Besitzeinweisungen fürchte er nicht. Der Bau der A 94 von Pastetten nach Dorfen/Heldenstein habe gezeigt, dass man sich immer friedlich einigen könne.

Bestätigt wurde er von Oberbürgermeister Max Gotz, der schon „mit zwei Händen voll Grundbesitzern in Verhandlung steht“. Sebastian Haindl monierte, dass die Gespräche um die Fliegerhorst-Trassen nicht ergebnisoffen geführt worden seien. Bei der Prüfung der Alternativen sei es mehr um Schnelligkeit, denn um Sorgfalt gegangen. Bayerstorfer konterte, dass das Ergebnis aufgrund zahlreicher Habitate der Brachvögel nach sechs Wochen eindeutig feststand.

Feuer entzündete der Landrat mit dem Hinweis, dass die Entscheidung zur Trasse im Kreistag mit 38:17 Stimmen getroffen worden sei. Und es sei „ein Schlag ins Gesicht jedes Demokraten, wenn man sagt, das akzeptiere ich nicht“. Man habe auch lange überlegt, am Flughafenzaun entlang zu bauen, sei dabei auf das BayWa-Gewerbegebiet gestoßen. „Das respektieren wir“, so Bayerstorfer, „aber das gleiche Recht steht auch Erding zu“.

„Wir sind immer bereit, demokratische Gepflogenheiten einzuhalten, aber wir werden unsere Möglichkeiten wahren“, wehrte sich Schreiner. Von der Polemik „aufgewühlt“ fühlte sich Bockhorns Vize-Bürgermeister, Lorenz Angermaier. Er bat um Verständnis, „dass wir die Riesenkröte nicht ohne weiteres schlucken können“. Man habe stets versucht mitzuarbeiten, sei aber nicht mit ins Boot genommen worden. „Heute haben Sie die Bockhorner ziemlich abgekanzelt“, sagte er zum Landrat.

Zahlen und Fakten: Länge 8,9 km, 7 Knotenpunkte, 9 Brückenbauwerke, Flächenversiegelung 10,9 ha, Flächenverbrauch 71,6 ha, davon 34,8 ha für den Straßenbau und 36,8 ha Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen; Gesamtkosten 45 Millionen Euro einschließlich Grunderwerb und Ausgleichsmaßnahmen. Internet: Bürgerinitiative: www.nordumfahrung-nein.de; Planungsunterlagen auf www.landkreis-erding.de/Verkehr-Sicherheit/Nordumfahrung.aspx

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