Ein Riesenhaufen Holz ist bei der Fällaktion am Notzinger Weiher übrig geblieben. foto: bund naturschutz

Jugendzeltplatz am Notzinger Weiher 

Mit der Säge Fakten geschaffen?

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Notzing – Landschaftsschutz kontra Freizeitangebote für junge Leute: Der geplante Jugendzeltplatz am Notzinger Weiher spaltet die Meinungen.

Ein Jugendzeltplatz am Notzinger Weiher – dieser Plan ist seit zwei Wochen bekannt. Bisher wurde vor allem Kritik laut. Mehrere Bürger befürchten den Verlust eines besonderen Idylls. Bund Naturschutz (BN) und Grüne weisen darauf hin, dass der Bereich ein Landschaftsschutzgebiet ist. Und jetzt hat dort auch noch eine große Abholzungsaktion stattgefunden. Das Landratsamt erklärt dagegen, dass das „Gelände nur partiell von Gehölz befreit wurde“.

Das nahezu unzugängliche Grundstück sei begehbar und befahrbar gemacht worden. Sonst „wäre eine Vorort-Besichtigung zur Planung eines Jugendzeltlagers nicht möglich“, schreibt die Behörde auf Nachfrage. BN-Kreisgeschäftsführer Manfred Drobny bezeichnet die Arbeiten dagegen als „radikale und nicht nachvollziehbare Entfernung von naturschutzfachlich wertvollen, weil naturnahen Gehölzbeständen“.

Der Diplom-Biologe hat zu der Abholzung eine Anfrage an das Landratsamt gerichtet, die unserer Zeitung vorliegt. Nach seinen Angaben wurden „mindestens vier alte Silberweiden und sehr seltene Ulmen (Gefährdet nach Roter Liste) entfernt“. Zum Teil handle es sich um Höhlenbäume, bei denen vor der Fällung eine artenschutzrechtliche Prüfung erforderlich ist. Betroffen seien auch die streng geschützten Vogelarten Wasserralle und Pirol. „Es drängt sich deshalb die Frage auf, ob hier eventuell Rechtsverstöße vorliegen“, schreibt der Naturschützer.

Die Behörde erklärt auf Anfrage der Heimatzeitung, dass ein Mitarbeiter des Landkreises und ein externer Dienstleister, der mit der „ökologischen Bauleitung“ beauftragt worden sei, vor Ort die einzelnen Bäume begutachtet hätten. Dabei sei festgelegt worden, welche Bäume aufgrund artenschutzrechtlicher Vorgaben erhalten werden müssten, schreibt Pressesprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer. Hierbei sei es insbesondere um Höhlen und Rindenspalten für Fledermäuse gegangen.

Einzelne Fällungen stellen laut Landratsamt eine im Rahmen des Naturschutzgesetzes zulässige Einzelstamm-Entnahme dar. Ferner seien an der Dorfen ein querliegender Baum und störende Reste früherer Biberaktivitäten sowie im Uferbereiche „fremdländisches Gehölz“, nämlich Tatarischer Hartriegel, entfernt worden.

Auch Grünen-Kreisrat Günther Kuhn bohrt nach. Von Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) will er wissen, ob vor der Abholzung die Untere Naturschutzbehörde eingeschaltet worden sei und welche Position dieser Fachbereich dazu einnehme.

Heini Link, der seit 45 Jahren den Kiosk am Notzinger Weiher betreibt, wundert sich auch über die Abholzung. Wegen des Jugendzeltplatzes selbst ist er aber gelassen. „Es kommt ganz darauf an, wie das gemacht wird.“ Es seien durchaus Planungen denkbar, die den bisherigen Badebetrieb nicht berühren, meint der Erdinger. „Es sind aber noch 1000 Fragen offen.“

Timo Aichele

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