Moderne, große Ställe fördern das Tierwohl: Das sind sich (v. l.) Jakob Berghammer, Anton Lohmaier, BBV-Kreisobmann Johann Schwimmer, Kreisbäuerin Elisabeth Mayr, Susanne und Martin Berghammer sicher. Foto: Weingartner

BBV-Stallgespräch

„Nutztierhaltung ist kein Streichelzoo“

Östlicher Landkreis - „Wenn der Bauer das Herz an der richtigen Stelle hat, geht’s seinen Kühen auch im großen Betrieb gut“, versichern die Junglandwirte Anton Lohmaier und Martin Berghammer beim „Stallgespräch“ des Kreisverbands des Bayerischen Bauernverbands (BBV).

Heute startet die 81. internationale Grüne Woche in Berlin, die bis zum 24. Januar dauert, auch mit Beteiligung des Erdinger BBV-Kreisverbandes. Im Vorfeld der weltgrößten Fachmesse der Ernährungs- und Landwirtschaft wurde wieder intensiv über Tierhalter und moderne Haltungsformen diskutiert. BBV-Kreisobmann Johann Schwimmer und Kreisbäuerin Elisabeth Mayr haben beim „Stallgespräch“ auf dem Hof von Susanne und Martin Berghammer in Reschenberg dazu Stellung bezogen.

Gerade jetzt zur „Grünen Woche“ werde die Produktionsweise der Landwirtschaft im modernen Stil wieder hart kritisiert, meint Schwimmer. „Wir machen Euch satt“, sagt der BBV. Bei anderen Organisationen heißt es: „Wir haben Euch satt.“ Das könne man „so nicht stehen lassen“. Warum sollten Bauern heute nicht zeitgemäß produzieren, fragt Schwimmer. Den Tieren gehe es heute in neuen, modernen Ställen wie dem der Berghammers einfach gut und wesentlich besser als früher. Klar sei auch, bei allen Verbesserungen für das Tierwohl, „ist die Nutztierhaltung kein Streichelzoo“. Es müsse die Bevölkerung ernährt werden und man sollte jetzt die eine Millionen mehr Menschen im Land nicht vergessen. Die Flüchtlinge würden drei Mal täglich versorgt.

Transparenz sei den BBV-Vertretern und Landwirten sehr wichtig. Der Verbraucher müsse aufgeklärt werden, meint der Obmann. Dazu veranstalte der BBV alle zwei Jahre den „Tag des offenen Hofes“. Heuer sei die hiesige Bevölkerung eingeladen, um auf den Höfen der Bauersfamilien Lohmaier, Kierzeder und Berghammer den Verbrauchern offen zu zeigen und zu erklären, „wie wir produzieren“. Auch Schulklassen würden eingeladen, weil viele Kinder „nicht mehr wissen, wo das tägliche Essen herkommt“.

Ziel des „Stallgesprächs“ ist es, zudem einen Einblick zu geben, dass im Landkreis Zukunftsbetriebe, wie der der Berghammers und Lohmaiers, „sehr stark im Tierwohlbereich engagiert“ seien. Die Tiere würden „optimal versorgt, trotz moderner Technik“. Aktuell gebe es im Kreis 2059 landwirtschaftliche Betriebe, davon 68 Prozent in der Viehwirtschaft und davon wieder etwa die Hälfte im Neben- und Zuerwerb, berichtet Mayr.

Susanne und Martin Berghammer sind stolz auf ihren nagelneuen Stall mit „besonders artgerechter Tierhaltung“. Der zählt sicher zu den modernsten im Landkreis. 100 Stück Milchkühe sind es derzeit, auf bis zu 120 Kühe kann der Bestand erweitert werden. Die Landwirte erklären den Stall, der etwa zehn Meter hoch und fünf Mal so lange ist, als frühere Stallungen. Der Landwirt sei „nicht nur Unternehmer und schaut auf seine Zahlen“. Der Bauer sei „mit dem Herz dabei und man macht was fürs Tier“, betont Lohmaier.

Und das kann man in dem neuen Stall spüren, der so geräumig ist, wie eine große Gewerbehalle. Das ist „Wellness mit Büfett“, sagt Berghammer, denn die Kühe könnten sich völlig frei bewegen und „immer fressen, rund um die Uhr“. Sogar zum Melken können die Tiere 24 Stunden in einen der beiden vollautomatischen Melkstände gehen. Bis zum vier Mal, auch nachts, ließen sich die Kühe melken. Der neue Stall habe deutlich mehr Laufflächen, breitere Liegebuchten, bessere Gummimatten, schwärmt Lohmaier vom Stall des Nachbarn. Es gibt riesige Panoramafenster, eine Lüftung und Kratzbürsten. All das manche man nicht nur aus wirtschaftlicher Motivation, „sondern auch, weil man den Tieren was Gutes tun will“. Die Berghammers haben in den Stall weit über eine Million Euro investiert.

Der Milchpreis von rund 30 Cent/Kilogramm sei derzeit zu niedrig und sollte um wenigstens fünf Cent steigen, meint Schwimmer, aber der Trend gehe gerade nach oben. 8000 bis 9000 Liter Milch produzieren die Berghammers jährlich im Durchschnitt.

Hermann Weingartner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Die JU prägt und stiftet Identität“
Auf sechs Jahrzehnte Erfolgsgeschichte blickte Vorsitzender Alexander Attensberger bei den Feierlichkeiten zum 60-jährigen Gründungsfest des JU-Kreisverbands zurück. 60 …
„Die JU prägt und stiftet Identität“
Betrunkener baut Unfall und flieht
Ein aufmerksamer Zeuge hat am späten Freitagabend dafür gesorgt, dass eine Unfallflucht rasch geklärt werden konnte.
Betrunkener baut Unfall und flieht
A 94-Brücke: Mann stürzt sechs Meter ab
Auf der Autobahnbaustelle bei Dorfen hat sich bereits am Freitag ein schwerer Arbeitsunfall ereignet. Ein 34 Jahre alter Beschäftigter stürzte sechs Meter in die Tiefe.
A 94-Brücke: Mann stürzt sechs Meter ab
SpVgg Altenerding gewinnt Mercur CUP Kreisfinale
In der Verlängerung eines hochspannenden Finales hat die Spielvereinigung Altenerding das Merkur CUP Kreisfinale gegen den TSV Dorfen gewonnen.
SpVgg Altenerding gewinnt Mercur CUP Kreisfinale

Kommentare