Geeignet für eine Wärmestube für Obdachlose? Das alte Postamt am Erdinger S-Bahnhof. 

Obdachlose sollen in Erding besser versorgt werden – Über den Weg dorthin gibt es Diskussion

Wärmestube fällt im Stadtrat durch

  • Hans Moritz
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Die Stadt Erding will die Betreuung von Obdachlosen über die reine Unterbringung hinaus verbessern. Doch über den Weg dorthin gibt es politischen Streit.

Erding – Die Stadt Erding will die Betreuung von Obdachlosen über die reine Unterbringung hinaus verbessern. Doch über den Weg dorthin gibt es politischen Streit. Im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Stadtrats fielen die Nachbarschaftshilfe (NBH) und die Flüchtlingshilfe mit ihrem Antrag durch, 40 000 Euro für den Aufbau einer Wärmestube am S-Bahnhof zu erhalten.

Dort wollten die Vereine nicht nur einen Treffpunkt für gesellschaftlich Gestrauchelte schaffen, sondern auch eine Anlaufstelle für Beratung und Hilfsangebote. Dazu haben sie eine Konzeption erarbeitet, die auch die Stelle einer hauptamtlichen Koordinatorin beinhaltet. Insgesamt kalkulieren sie mit knapp 110 000 Euro, von denen allein über 90 000 Euro auf besagte Leitungsfunktion entfallen. Dafür würden Obdach- und Wohnungslosen zahlreiche Formen der Unterstützung, Gelegenheiten zu Treffen und Veranstaltungen geboten.

An dem Bedarf einer besseren Hilfe gab es in der Sitzung am Donnerstagabend keinen Zweifel. Kämmerer Kurt Hiller berichtete, dass die Stadt zur Beherbergung verpflichtet sei. In Erding gibt es derzeit vier Unterkünfte mit 57 Einheiten, in denen über 100 Personen leben, so Hiller. „Das Ziel ist natürlich, diesen Menschen wieder eine Wohnung zu vermitteln.“ Das sei extrem schwer.

Er wies aber auch darauf hin, dass es in der Obdachlosenhilfe bereits mehrere Institutionen gebe, teils mit öffentlich gefördertem Fachpersonal, darunter Caritas, Arbeiterwohlfahrt, Landratsamt, aber eben auch Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfe sowie die Aktionsgruppe Asyl. „Eine Zusammenarbeit wäre für die Stadt natürlich sehr hilfreich“, gab Hiller unumwunden zu. Weil dann aber öffentliche Gelder einem Dritten übergeben würden, müssten strenge Vorgaben und Kontrollmechanismen greifen. Der Kämmerer sagte, vorher müsse sich die Stadt erkundigen, welche zusätzlichen Leistungen erbracht werden sollten. Auch gelte es, Doppelstrukturen zu vermeiden.

Und er machte deutlich, dass er das unter anderem von der NBH genutzte alte Postamt am Bahnhof aufgrund dessen baulichen Zustands für ungeeignet hält.

Im Ausschuss kam es zu einer kontroversen Debatte. Rainer Mehringer (FW) stellte sich hinter die beiden antragstellenden Vereine. „Es ist ein gutes, fundiertes Konzept und ein wichtiges Projekt.“ Das Haus der Begegnung sei auch ohne Ausschreibung dem BRK-Kreisverband als Träger übergeben worden. Fraktionskollege Josef Hochholzer erwähnte in diesem Zusammenhang die freihändige Vergabe der Schulsozialarbeit an den Verein Brücke. Bei der Obdachlosenhilfe liege der Handlungsbedarf angesichts der Fallzahlen klar auf der Hand.

Mehringer riet, dem Antrag auf die 40 000 Euro Zuschuss zuzustimmen. OB Max Gotz (CSU) konterte, es gebe auch andere Sozialverbände, die sich um Obdachlose kümmerten, sogar mit gefördertem Fachpersonal.

Verena Comperl (Grüne) hielt Mehringer entgegen, dass es nicht nur um eine Wärmestube gehe, sondern um ein weit darüber hinaus reichendes Konzept. Den – warmen – Sommer sollte man nutzen, um zu klären, wie viele Menschen welcher Unterstützung bedürfen.

Janine Krzizok (CSU) erklärte, sie sei froh, dass der Fokus auf Obdachlose gelegt werde. Jetzt müsse aber erst der Bedarf ermittelt werden. „Auch ich halte es für schwierig, andere Verbände zu übergehen“, sagte Krzizok, warnte ebenfalls vor Doppelstrukturen und gar einer Konkurrenz zum Landratsamt. Ebenso müsse eine Doppelförderung vermieden werden.

Sozialreferentin Helga Stieglmeier (Grüne) war der Radius zu klein gezogen. Sie regte an, erst einmal einen Armutsbericht für Erding zu erstellen, der alle fünf Jahre fortgeschrieben werde. „Armut hat viele Gesichter“, so Stieglmeier. Gotz will diesen Vorschlag aufgreifen.

Alexander Gutwill (SPD) verlangte einen transparenten Vergabeprozess, um sich nicht dem Vorwurf des Postengeschachers auszusetzen, erklärte er in Anspielung auf die Leitungsfunktion.

Thomas Schmidbauer (Erding Jetzt) wollte die 40 000 Euro bewilligen, um einen Startschuss zu geben und die Wärmestube auszuprobieren. Die alte Post halte er sehr wohl für geeignet.

Für den Zuschuss stimmten nur die Fraktionen von FW und Erding Jetzt (4:11). Gotz’ Vorschlag einer vertieften Untersuchung ging danach einstimmig durch.

 ham

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