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Weicht für Wohnungen: das alte Anwesen rechts. Dir ekt gegenüber auf der anderen Seite der Freisinger Straße befindet sich die Zufahrt zum Sportplatz des FC Schwaig. Links im Hintergrund zu sehen ist das Grand Excelsior Hotel. 

Bauvorhaben stößt auf große Bedenken

72 Apartments in Schwaig? Gemeinderat verweigert sein Einvernehmen

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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In Schwaig sollen in einem großen Wohnkomplex 72 Apartments entstehen. Der Gemeinderat Oberding hat jedoch große Bedenken und senkte den Daumen. Sein Problem: Er hat rechtlich kaum Handhabe.

Schwaig – Der Begriff„Mehrfamilienhaus“ klingt an sich zunächst nicht so mächtig wie das, was hinter einem Bauvorhaben an der Schwaiger Ortsdurchfahrt steckt. Die MUC Apart GmbH aus Unterschleißheim möchte an der Freisinger Straße – auf der anderen Straßenseite liegen direkt gegenüber die Zufahrt zum Sportplatz und ganz in der Nähe zwei Hotels – ein großes Haus errichten, das 72 kleine Wohnungen beinhaltet. Dafür weichen soll ein altes landwirtschaftliches Anwesen, dessen Besitzer bereits weggezogen sind.

Die Gemeinderäte äußerten in ihrer Sitzung am Dienstagabend in der Dreifachturnhalle allerdings große Bedenken und verweigerten mit deutlicher Mehrheit das gemeindliche Einvernehmen. Ihr Problem nur: Sie haben kaum rechtliche Handhabe gegen das Vorhaben.

Der dreigeschossige Komplex besteht aus zwei fast gleich großen, parallel zueinander verlaufenden Baukörpern mit Außenmaßen von jeweils rund 43 mal 15 Metern. Verwoben sind die beiden Trakte über einen Verbindungsbau. Es handelt sich ausschließlich um Ein- und Zweizimmerwohnungen. Erforderlich sind 136 Stellplätzen – sieben oberirdisch, 129 in einer zweistöckigen Tiefgarage. 46 davon sind für Besucher ausgewiesen. Die Bauverwaltung hat keine Bedenken gegen das Vorhaben und weist lediglich darauf hin, dass die Besucherparkplätze in der Tiefgarage jederzeit frei anfahrbahr sein sollen. Kritik gab es dafür reichlich aus dem Gremium.

Bürgermeister Bernhard Mücke (CSU) berichtete von „großen Bedenken“ eines direkten Nachbars. Die Kreisstraße sei bereits jetzt stark frequentiert, und an der Zufahrt zur Tiefgarage könnte es ihm zufolge unübersichtlich werden. Zudem biete das Haus keinen Wohnraum für Familien.

Die Bedenken der Gemeinderäte klangen ähnlich. 3. Bürgermeister Franz Schweiger (CSU) sprach von einem „leichten Knick in der Straße, der das Ganze noch erschwert“. Ein Sichtdreieck sei nicht gegeben. Letzteres prüfe das Landratsamt, „wir im Vorfeld nicht“, sagte Mücke dazu.

„Sind die anderen Gebäude auch so hoch?“, wollte Matthias Reitinger (WG Notzing) wissen. Die Traufhöhe beträgt knapp acht Meter, die Firsthöhe 14 Meter. Die beiden Hotels in der Nähe seien genauso hoch, antwortete der Bürgermeister.

Laut VG-Geschäftsleiter Josef Steinkirchner haben die Wohnungen eine Fläche von durchschnittlich 20 Quadratmetern. Nur Ein- und Zweizimmerapartments, das entspreche nicht der Norm, befand Christian Kaiser (WG Oberding). Das Ganze müsse der demografischen Entwicklung standhalten, also auch Familien miteinbeziehen, so seine Meinung.

Rainer Hellinger (WG Schwaig) berichtete, dass die Zahl der Wohnungen im Vergleich zum Beginn der Planungen gesunken sei. Er sei selbst Schwaiger und verstehe die Einwendungen. „Aber wir haben keinerlei Handhabe. Leider Gottes ist das kein Wunschkonzert“, so Hellinger. „Es gibt rein rechtlich gesehen wenige Ansatzpunkte“, bestätigte ihm Mücke.

„Ich werde nicht zustimmen. Das passt nicht zum Ortschaftsbild“, kritisierte Michael Kattner (WG Niederding). Georg Maier (WG Notzing) stieß sich an den Besucherparkplätzen in der Tiefgarage. „Dann stehen’s alle heroben“, prognostizierte er. Georg Stemmer (WG Niederding) sah es ähnlich. Er sprach von einer „Katastrophe für die Landwirte“, weil er befürchtet, dass diese mit ihren großen Fahrzeugen an den an der Straße parkenden Autos nur schwer vorbeikommen werden. Dann müsse man wie in Langengeisling einen Schutzstreifen für Radfahrer ziehen, meinte Stemmer. So wäre nämlich ein Parken an der Straße nicht mehr erlaubt.

„Viele werden an der Freisinger Straße stehen“, befürchtete auch Vizebürgermeister Anton Nußrainer (WG Oberding). Und er merkte an, dass kein Einheimischer eine solch kleine Wohnung mieten werde. Das Ganze sei wohl eher für Arbeiter.

Johannes Sandtner (CSU) war dagegen auf der Seite der Antragsteller. „Das Parken ist sicher nicht einfach“, gab er zu, aber der Bedarf für Wohnungen sei da. Nicht jeder könne sich gleich eine Doppelhaushälfte leisten.

Letztlich verweigerten die Räte bei nur zwei Gegenstimmen ihr Einvernehmen, das aber vom Landratsamt ersetzt werden dürfte.

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