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Eine gelbe Markierung am Boden, mehr nicht: Silke Kiwus-Englmann und Valentin Reitmajer an der ED 7 in Aufkirchen.

Besorgte Eltern in Aufkirchen

Die Angst vor dem Unfall auf dem Schulweg

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Die Eltern in Aufkirchen sind besorgt. Der Weg für ihre Kinder zum Schulbus ist alles andere als ungefährlich, denn sie müssen die viel befahrene Kreisstraße ED 7 überqueren. Eine Ampel hat das zuständige Landratsamt abgelehnt. Auf Nachfrage unserer Zeitung kommt nun Bewegung in die Sache.

Aufkirchen – Es ist der Albtraum aller Eltern, der kürzlich in Altötting traurige Wirklichkeit wurde: Zwei elfjährige Mädchen sind auf dem Nachhauseweg von der Schule von einem Pkw erfasst worden. Die Mädchen wurden bei dem Aufprall so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus verstarben. Wenige Tage später wurde in Altenerding ein Erstklässler der Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger bei einem ähnlichen Unfall schwer verletzt – glücklicherweise nicht mit tödlichem Ausgang (wir berichteten).

Zwei Horrorszenarien, die Silke Kiwus-Englmann (44) zusammenzucken lassen. Sie hat Angst, dass ihren beiden Kindern und deren Mitschülern etwas Ähnliches zustoßen könnte. Und zwar in ihrem Wohnort Aufkirchen. Dort gibt es keinen einzigen Zebrastreifen und keine einzige Fußgängerampel. Und das, obwohl die Situation alles andere als ungefährlich ist. Sie ist eher brandgefährlich.

Kiwus-Englmann wohnt am Eichenring im Süden der Ortschaft. Sie schildert die Situation der Kinder, die zur Grundschule Eitting müssen. Dahin bringt sie der Schulbus, der an der Christian-Jorhan-Straße abfährt. Die Mädchen und Buben müssen dafür die Dorfstraße, also die viel befahrene ED 7, überqueren. Diese führt im Osten Richtung Erding West, im Westen Richtung Notzing.

Der Schulbus fährt um 7.10 Uhr ab. Also zu einer Zeit, in der viele Autofahrer Richtung Arbeit unterwegs sind. Zu einer Zeit, in der es im Winter stockdunkel ist. Die Straßenbeleuchtung, sagt Kiwus-Englmann, ist alles andere als optimal. Die Laternen befinden sich auf der Südseite der Straße, nicht auf der Seite des Schulbusses. Eine optimale Ausleuchtung sei das nicht, meint die Studienrätin am Anne-Frank-Gymnasium Erding, die dort derzeit beurlaubt ist, da sie sich um ihre Kinder kümmert. Tochter Lotta ist sechs Jahre alt und kommt im September in die Grundschule Eitting. Sohn Linus, 9, besucht die Montessori-Schule in Aufkirchen.

Auf der Dorfstraße wird gelegentlich schnell gefahren. Sorgen bereiten Kiwus-Englmann dahingehend auch die langgezogenen Kurven. Auf der vermeintlich übersichtlichen Durchfahrt seien die Autos schneller da als man meinen würde. Nicht nur ein kleines Kind kann da schnell überrascht werden.

Abgelehnte Ampel-Anträge

„Wir sind eine der reichsten Gemeinden“, sagt die besorgte Mutter. „Wir haben den Flughafen, eine Schule, ein neues Feuerwehrhaus.“ Aber dass es weder einen Zebrastreifen, eine Ampel noch zumindest Hinweisschilder gebe, die Autofahrer zur Vorsicht vor Kindern auf dem Schulweg mahnen, lässt sie verzweifeln. Lediglich an einer Stelle seien auf beiden Seiten der Dorfstraße gelbe Vierecke auf den Bürgersteig gemalt. Hier sollen die Kinder über die Straße gehen. Für Autofahrer sind diese Markierungen nicht zu erkennen.

Schulweghelfer gibt es keine. Die Eltern, als deren Sprachrohr sich Kiwus-Englmann versteht, würden das bei der gefährlichen Situation nicht machen wollen. „Ich stelle mich doch nicht als Verkehrshelfer auf die Straße und lasse mich anstelle eines Kindes überfahren“, stellt sie klar. Die Politik solle Sicherheit schaffen. „Muss denn erst was passieren?“

Die Geschichte zieht sich schon seit einigen Jahren hin. Den ersten Bürgerantrag auf eine Ampel an der ED 7 gab es 2011. Für ein Bürgerbegehren 2014 hatte Kiwus-Englmann 236 Unterschriften gesammelt. Die Abteilung Verkehrswesen im Landratsamt, die für die Kreisstraße zuständig ist, hat die Anträge beide Male abgelehnt. Die Verkehrszählung habe nämlich jeweils ergeben, dass zwar genügend Autos durch die Ortschaft fahren, aber nie ausreichend viele Fußgänger unterwegs seien, die für die Errichtung einer Ampel notwendig seien. Auf die Zählung 2014 verwies die Behörde auch 2016, als sich eine Familie nach der Möglichkeit einer Ampel sowohl im Ortseingangsbereich von Erding kommend (Christian-Jorhan-Straße) als auch an der Montessori-Schule erkundigte. Der E-Mail-Schriftverkehr liegt unserer Zeitung vor.

Gespräch von Landrat und Bürgermeister

„Das ist sicher alles rechtens“, sagt Dr. Valentin Reitmajer (69), ein Nachbar von Kiwus-Englmann, der sich wie sie Sorgen macht. „Es geht uns auch gar nicht darum, dass wer was falsch macht. Aber es muss doch möglich sein, dass die Gemeinde oder der Landkreis zugunsten der Sicherheit über ihren Schatten springen“, meint der Verleger des Reimo-Verlags.

Unsere Zeitung hat sowohl beim Landratsamt als auch bei der Gemeinde nachgefragt. Und nun tut sich was. Bürgermeister Bernhard Mücke berichtet, er habe sich mit Landrat Martin Bayerstorfer darauf verständigt, dass sich die beiden kommende Woche über das Thema austauschen wollen. „Es kommt Bewegung rein“, sagt Mücke. Dass das erst jetzt passiert, begründet er damit: „Wir haben eine Ablehnung bekommen.“

Mücke rechnet damit, dass es auf eine Probe-Ampel hinauslaufen könnte. „Ich habe vollstes Verständnis für die Eltern“, sagt der Oberdinger Gemeindechef, der selbst an der Dorfstraße in Aufkirchen unweit der Bushaltestelle wohnt. „Es ist schon gefährlich“, weiß er aus eigener Erfahrung. „Die kleine Verkehrsinsel, die wir dort haben, hält keinen auf.“

Raserei ist in der Gemeinde Oberding ohnehin ein Thema. Wie berichtet, will die Kommune die Verkehrsüberwachung in Zukunft deutlich ausbauen.

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Die Situation an der neuen Dreifachturnhalle am Oberdinger Schulzentrum mit Grund-, Mittel- und Realschule wird von Eltern heiß diskutiert. Während der Bauarbeiten an der Halle stand hier ein Tempo-30-Schild an der Hauptstraße. Mit dem Ende der Bauarbeiten war auch das Schild weg, da dieses nur für den Zeitraum der Arbeiten genehmigt war. Eltern und Gemeinde hätten das Schild zur Sicherheit der Schüler gerne weiter behalten. „Wir haben Verkehrszählungen und Messungen gemacht“, berichtet Bürgermeister Bernhard Mücke. Kommende Woche wolle er sich mit Landrat Martin Bayerstorfer über das Thema unterhalten – genauso wie über die Situation in Aufkirchen (siehe Hauptartikel). „Wir sind im Gespräch“, sagt Mücke.

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