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Hier gibt es Hilfe: Schulsozialpädagogin Nikki Hebermehl mit dem Rettungsinsel-Kennzeichen. 

Anlaufstellen für Kinder

Rettungsinseln auf dem Schulweg

Ein aufgeschlagenes Knie, Streit unter Kindern oder sonstige Probleme – in solchen Fällen erhalten Mädchen und Buben in Oberding schnell Hilfe. Ein Plakat mit einem Rettungsring zeigt ihnen, wo.

VON FRIEDBERT HOLZ

Oberding – Kinder, die auf ihrem Schulweg von anderen verfolgt werden, sich verletzen oder sonst ein Malheur plagt, können sich in Oberding ganz schnell Hilfe holen – und zwar an einer der 15 Rettungsinseln im Gemeindegebiet. Schulsozialpädagogin Nikki Hebermehl hat die ebenso pfiffige wie einfache Idee aus Norddeutschland im Ort umgesetzt. Schilder mit einem rot-weißen Rettungsring, im Schaufenster ausgehängt, markieren diese Stellen. „Hier wird dir geholfen“, steht auf den Plakaten. Die Mädchen und Buben wissen: Sie bekommen Hilfe und Trost.

Vor allem Geschäfte sind darunter, aber auch eine Bank, das Seniorenzentrum, Hotels, die Tankstelle in Schwaig und das Rathaus. Außerdem haben sich zwei Familien als Anlaufstation für Kinder in Not angeboten. Diese Adressen sind in der Schulaula auf einem großen Plakat dargestellt.

Die Beschäftigten können dann auf einem Merkblatt nachschauen, was – je nach Schwere der Situation – nun zu tun ist: die Eltern oder die Schule anrufen, bei akuten Verletzungen eventuell einen Arzt. „Wichtig dabei ist“, darauf legt die Initiatorin Wert, „dass sich Kinder hier aufgehoben, verstanden und sicher fühlen“. Die 26-jährige Sozialpädagogin aus Freising, die bei Problemen nicht nur rund 600 Schüler sowie deren Lehrer und Eltern betreut, sondern vor allem Prävention betreibt, kam auf die Idee mit den Rettungsinseln beim Vortrag einer Polizistin aus dem Präsidium Oberbayern.

„Im Mai 2017 war sie hier in Oberding und hat das Projekt ,Mut macht stark‘ vorgestellt. Das ist ein Präventionstheater für Kinder, entwickelt von der Kulturpreisträgerin des Landkreises, Beate Welsch.“ Nach dem Grundgedanken, dass nicht nur die Schule ein sicherer Raum für die Kinder sein sollte, sondern auch der Schulweg, griff Hebermehl dann das Projekt Rettungsinseln auf.

Dieses wird zum Beispiel schon seit längerem im Norden der Republik und in Biberach in Oberschwaben praktiziert. Dort sitzt auch das Designer-Team Rogger, von ihm stammt das Logo der Aktion.

Nun galt es noch, die beiden Rektoren Martin Heilmaier (Realschule) und Johann Deschu (Grund- und Mittelschule) sowie den Elternbeirat von der guten Sache zu überzeugen. Diese Hürde war schnell genommen, und so konnte Nikki Hebermehl bald darauf Einzelgespräche mit Interessenten aus dem Ort führen, versorgte sie mit Merkblättern. „Manche Eltern waren so begeistert von unserer Aktion, dass sie gleich einen Spaziergang mit ihren Kindern unternahmen, um ihnen die Hilfe-Stellen zu zeigen“, erinnert sich die Sozialpädagogin.

„Ich finde das super, das gibt Eltern und Schülern ein gutes Gefühl“, sagt auch Christine Ruhland, Verkäuferin in der Bäckerei Heinz in Oberding. Und ihre Kollegin Andrea Hummel aus dem Lebensmittelladen Numberger in Schwaig ergänzt: „Tolle Sache, dass Kindern so geholfen werden kann, falls was passiert ist.“

Laut Hebermehl gab es bisher keinen Vorfall. „Noch war es ruhig. Aber falls wir eine Hilfestellung brauchen sollten, sind wir gut gerüstet. Und vielleicht – das wäre mein Wunsch – folgen andere Gemeinden unserer Idee“, sagt die Sozialarbeiterin.

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