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Vogelperspektive: das Pferdehof-Areal, auf dem der Grundriss eines Jahrtausende alten Hauses gefunden wurde.

Ausgrabungen auf Pferdehof

Archäologen nehmen den Staat in die Pflicht

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Aufkirchen - Die archäologischen Ausgrabungen auf dem Aufkirchener Pferdehof laufen auf Hochtouren. Betreiber Florian Döllel ärgert sich, dass er dafür laut eigener Rechnung 35 000 Euro zahlen muss. Der Archäologische Verein Erding zeigt Verständnis für ihn, hilft mit ehrenamtlicher Arbeit und fordert, dass der Staat etwas ändert.

Florian Döllel will seinen Hof mit einem Bewegungsstall für 40 Pferde erweitern. Wie berichtet, wurde auf seinem Areal aber der Grundriss eines Hauses aus der Mittleren Jungsteinzeit um 4700 v. Chr. gefunden, was bedeutet, dass erst einmal archäologische Ausgrabungen durchgeführt werden müssen, bevor der Erweiterungsbau losgehen kann. „Das betroffene Areal ist seit den 1980er Jahren als Bodendenkmal in die Bayerische Denkmalliste und damit auch in den Flächennutzungsplan der Gemeinde eingetragen“, sagt Harald Krause. Für den Vorsitzenden des Archäologischen Vereins Erding (AVE) ist deswegen klar, „dass Ausgrabungskosten und ein zeitlicher Mehraufwand im Bauablauf auf den Bauherren zukommen“.

Vor rund 20 Jahren habe die Bayerische Staatsregierung den zuvor staatlich getragenen Ausgrabungssektor privatisiert. Seitdem greife das Veranlasserprinzip. Und das hat wiederum zur Folge, dass der Bauherr für Ausgrabungskosten aufkommen muss. Zahlreiche Gerichtsurteile von klagenden Bauherren haben Krause zufolge dazu geführt, dass drei bis fünf Prozent der Bausumme mittlerweile als „zumutbar“ eingestuft werden.

„Ein Schreiben an den Kultusminister wäre ein guter Anfang“

„Den Unmut von Herrn Döllel und zahlreichen anderen Bauwerbern kann der AVE sehr gut nachvollziehen, doch aktuell sieht das Bayerische Denkmalschutzgesetz keine finanziellen Fördermöglichkeiten vor“, erklärt Krause. „Unsere eindringliche Bitte ist, den ,Kulturstaat Bayern‘ durch politischen und öffentlichen Druck in die Verantwortung zu nehmen. Ein Schreiben an den Herrn Kultusminister Spaenle wäre sicher ein guter Anfang.“

Um Döllels Kosten zu senken, habe der Archäologische Arbeitskreis zusammen mit dem AVE angeboten, ehrenamtliche Grabungshilfe zu leisten. Krause zufolge waren in den vergangenen Wochen neun Ehrenamtliche über 220 Stunden in Aufkirchen im Einsatz. „Weitere zahlreiche Stunden werden in den kommenden Wochen notwendig, da sich die Ehrenamtlichen bereit erklärt haben, die Fundreinigung im Museum Erding ebenfalls kostenfrei für den Bauherrn vorzunehmen“, berichtet Krause. All diese Stunden würden auf Döllels 35 000-Euro-Rechnung nicht auftauchen. „Um welche Ersparnis-Summe es sich dabei handelt, kann jeder selbst errechnen“, sagt Krause.

Der AVE habe seinen ehrenamtlichen Einsatz nur angeboten, weil sich der Pferdehof-Betreiber vor der Grabung vertraglich mit Erdings Stadtheimatpfleger Archäologie, Wilhelm Wagner, geeinigt habe. Und zwar darauf, die Funde, die zu 100 Prozent Döllels Eigentum seien, freiwillig an das Museum Erding als Schenkung abzugeben. „So verbleiben die Funde in der Region und können dort ausgestellt und wissenschaftlich bearbeitet werden“, sagt Krause zufrieden. „Sie wandern dadurch nicht in die Untiefen der Depots der Staatssammlung in München.“

 Der AVE stellt sich deshalb hinter Döllels Forderung, dass künftig eine angemessene finanzielle Unterstützung vom Staat möglich sein muss. „Denn es darf nicht sein, dass archäologische Heimatforschung mit herablassenden Begriffen wie Verzögerung, Ungerechtigkeit und Kostenexplosion in Verbindung gebracht wird“, so Krause. „Es geht um das im Boden schlummernde kulturelle Gedächtnis unserer Jahrtausende alten Erdinger Geschichte, das durch Baumaßnahmen im höchsten Maße gefährdet ist.“

Ehrenamtlicher Einsatz könne zwar unterstützend helfen, aber nicht die komplette Arbeit übernehmen.

Markus Schwarzkugler

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