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Jahrtausende alte Fundstücke halten Florian Döllel (l.) und Stefan Mühlemeier in ihren Händen.

Archäologische Funde

Ausgrabungen ärgern Pferdehof-Betreiber

Aufkirchen - Florian Döllel wollte nur seinen Pferdehof modernisieren, aber archäologische Ausgrabungen auf dem Anwesen sind ihm dazwischen gekommen. Die Folgen: Verzögerung der Bauarbeiten und zusätzliche Kosten von 35 000 Euro. Döllel hofft nun auf Unterstützung vom Staat.

Den Hof modernisieren und die Tierhaltung artgerechter machen: Das war das Ziel der Betreiber des Aufkirchener Pferdehofs. Doch der Bau des geplanten Bewegungsstalls, in dem 40 Pferde Platz finden sollen, ist in den vergangenen Wochen ins Stocken geraten: Auf dem Grundstück wurden archäologische Spuren gefunden.

Insgesamt sechs Wochen war eine Ausgrabungsfirma gemeinsam mit einigen ehrenamtlichen Helfern des Archäologischen Vereins Erding in Aufkirchen aktiv. Für Hofbetreiber Florian Döllel eine unerwünschte Gesellschaft: „Es ist wirklich eine Unverschämtheit, dass ich das komplett alleine zahlen muss. Der Staat will die Funde haben, und ich soll die Ausgrabungskosten übernehmen“, empört sich der Pferdewirt. Die Rede ist von rund 35 000 Euro, die zusätzlich entstanden sind. Dafür aufkommen soll der Bauherr.

Döllel sagt, er habe anfangs zwar darüber nachgedacht, sich zu weigern und die Archäologen nicht auf das Grundstück zu lassen, doch dann hätte er weitaus mehr zahlen müssen. „250 000 Euro Strafe gibt es, wenn man den Grund nicht zur Verfügung stellt“, erklärt er.

Im Vergleich scheinen die Grabungskosten von 35 000 Euro noch gering zu sein. Für Döllels Familie ist die Belastungsgrenze damit jedoch erreicht. „Wir mussten uns wirklich überlegen, ob sich der Bau für uns dann noch rentiert. Ab 50 000 Euro hätten wir es nicht mehr gemacht.“ Döllel wünscht sich einen Zuschuss vom Staat. „Die Ausgrabungen sind ja etwas für die Allgemeinheit. Andere schreiben später ihre Doktorarbeit darüber, und ich soll das finanzieren.“ Er fände es angemessen, 50 Prozent der Grabungskosten vom Staat erstattet zu bekommen. „Wir sind schon durch die Verzögerung genug gestraft“, denkt er.

Ursache für die Aufregung um den Grund in Aufkirchen ist der Grundriss eines 24 Meter langen und 15 Meter breiten Hauses aus der Mittleren Jungsteinzeit. Im Jahr 4700 v. Chr. Christus haben hier bereits Menschen gelebt, wie Ausgrabungsleiter Stefan Mühlemeier erklärt. Das Besondere: „Häuser diesen Alters findet man in Südbayern nur extrem wenige.“

Doch nicht nur in der Steinzeit haben in Aufkirchen Menschen gelebt, auch die Kelten seien dort aktiv gewesen, wie sich aufgrund der Funde vermuten lässt. „Wir haben Scherben und Messerklingen aus Feuerstein gefunden. Das zeigt, dass um 400 v. Chr. noch mal Menschen begonnen haben, hier zu siedeln.“ Die Ausgrabungsfirma Phoinix aus dem Kreis Starnberg ist Mühlemeier zufolge zufrieden mit dem Verlauf ihrer Arbeiten, denn bislang sei die Erdinger Umgebung der südlichste Punkt, an dem Funde diesen Alters gemacht wurden.

Mühlemeier kann jedoch auch die Empörung der Döllels verstehen. „Das ist natürlich ein schwerer Brocken für jeden Bauherrn, denn er hat davon ja letztendlich nur seine Baufreiheit und natürlich eine Menge Zusatzkosten.“ Zudem könne man nicht genau vorhersagen, welchen Betrag man für die Ausgrabungen einplanen müsse. „Wir wissen ja nicht, was wir dann alles finden“, sagt Stefan Mühlemeier.

Florian Döllel weiß: er hatte Glück im Unglück. „Wenn noch mehr gefunden worden wäre, wäre der Neubau für uns absolut nicht mehr rentabel gewesen.“ Die Funde gehen an den Archäologischen Verein Erding.

Julia Adam

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