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Diskussion auf dem Acker (v. l.): Landwirt Jakob Maier diskutierte mit den Imkern Simon Oberhofer und Herbert Schwarzer. 

Ortstermin auf dem Feld

Bienensterben: Imker und Bauer diskutieren

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Die Bauern könnten das Bienensterben reduzieren, so die Meinung der Erdinger Imker. Sie trafen sich mit BBV-Kreisobmann Jakob Maier am abgemähten Kleefeld zu einem Streitgespräch.

Niederding – Die Luft ist dampfig, ein Großteil der Kleewiese ist an diesem Nachmittag schon abgemäht: Landwirt und BBV-Kreisobmann Jakob Maier (55) steigt von seinem Bulldog mit Mähwerk ab und trifft auf seine Kritiker, die Imker Herbert Schwarzer (50) und Simon Oberhofer (60) vom Erdinger Imkerkreisverband. Ein kurzer Händedruck, die Herren sind per Du, und dann ist die Debatte eröffnet: Denn die Imker sind der Meinung, dass die Landwirte mehr tun müssen, um gegen das Bienensterben zu kämpfen.

Aber da hakt Maier schon ein: „Dass es ein Insektensterben gibt, das müssten erst vernünftige Studien beweisen.“ Imker Oberhofer ärgert das: „Aber das siehst du doch an der Windschutzscheibe, dass da weniger Insekten drauf kleben.“ Maier nickt: „Gefühlt ja, aber es ist nicht so dramatisch, wie es immer dargestellt wird.“

Weniger oft mähen? Nur mit Zuschüssen

Allerdings: Dass es immer weniger Bienen gibt, meldet auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit auf ihrer Internetseite. In den vergangenen 15 Jahren seien sogar ganze Bienenvölker verschwunden, insbesondere in westeuropäischen Ländern wie Deutschland. Nach Angaben der EU-Behörde sind die intensive Landwirtschaft und deren Einsatz von Pestiziden Gründe dafür. Aber Maier verteidigt seinen Berufsstand: „Da gibt es ja auch noch die Varroamilbe.“ Sie saugt das Blut der Honigbienen und überträgt Krankheiten und: „In den letzten Jahren sind immer mehr Gewerbegebiete entstanden“ – somit fielen auch ein paar Blumenwiesen für die nach Nektar lechzenden Bienen weg.

Und trotzdem wäre es wichtig, dass vor allem die Bauern etwas gegen das Bienensterben tun, meint Schwarzer: Zum Beispiel den Löwenzahn ausblühen lassen. „Da geht es auch um wirtschaftliche Zwänge, das Gras muss jung geschnitten werden, damit wir möglichst proteinreiches Futter daraus machen können“, widerspricht Maier. Zweiter Vorschlag der Bienenfans: Morgens oder abends mähen, keinesfalls mittags – denn da schwirren die meisten Bienen auf den Feldern herum. Aber da lehnt Maier wieder ab: „Das ist schwierig, wenn ich ein enges Zeitfenster hab.“

Aber die Imker bleiben zäh: „Wie wäre es mit weniger Grasschnitten, also nur vier pro Jahr statt sechs?“, fragt Oberhofer. So hätten die Bienen mehr Zeit, um Nektar zu schlürfen, bevor Wildblumen weggemäht sind. Das könnte sich Maier schon vorstellen, allerdings müsste es dafür vom Staat einen finanziellen Ausgleich geben. Denn weniger Schnitte, bedeuten weniger Gras, weniger Milch und am Ende weniger Ertrag.

Blühstreifen: Dieser Kompromiss ist drin

Außerdem beschwerten sich die Imker darüber, dass die Bauern ihre Zwischenfrüchte zu spät anbauen. Zwischenfrüchte, wie Gelbsenf, bringen Abwechslung zum Beispiel zwischen dem Gersten- und Weizenanbau. Aber: „Wenn die erst im November blühen, ist das ein Problem“, sagt Oberhofer, früher habe zu diesem Zeitpunkt nicht mehr so viel geblüht und: „Den Bienen ist es da eigentlich schon zu kalt, sie finden nicht mehr in den Stock zurück.“ Maier antwortete darauf: „Die Insekten passen sich irgendwann den Klimaveränderungen an.“

Ein weiterer Streitpunkt: die Neonicotinoide, eine Gruppe von sehr umstrittenen Insektiziden, die EU hat sie vor kurzem auf europäischen Äckern verboten. „Die machen das Gehirn der Bienen kaputt“, sagte Oberhofer: „Wenn sie was davon erwischen, dann finden sie nicht mehr heim.“ Aber auch da stoßen die Imker auf Unverständnis, Mayer findet das Beizen mit Neonicotinoiden an der Pflanze besser als andere Spritztechniken gegen Insekten, denn: „Da bleibt das Insektizid am Korn und kommt nicht in die Luft.“

Zumindest auf zwei Punkte konnten sich die Imker und der Bauer einigen: Landwirte könnten bei der Mahd Blühstreifen in ihren Feldern lassen. Wie groß die sind, müsse jeder Bauer selbst entscheiden. Und die Streitparteien wollen gemeinsam eine Veranstaltung auf die Beine stellen, bei der Referenten beider Lager über das Bienensterben sprechen. Ein Anfang.

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