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Explosive Post: Manfred Drobny und Gabriele Betzmeir mit dem Päckchen, in dem sie den Baubescheid für den Jugendzeltplatz fanden.

Notzinger Weiher

Bund Naturschutz klagt gegen Jugendzeltplatz

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Der Jugendzeltplatz am Notzinger Weiher war von Anfang an umstritten. Jetzt hat der Bund Naturschutz gegen die Baugenehmigung Klage eingereicht.

Notzing/Erding – Auf dieses Weihnachtsgeschenk hätte Manfred Drobny verzichten können: ein brauner Pappkarton mit einem dünnen blauen Ordner darin. Der Inhalt stellte sich für den Kreisgeschäftsführer des Bund Naturschutz als wahre Paketbombe heraus: der fertige Baubescheid für den Jugendzeltplatz am Notzinger Weiher, gesendet vom Landratsamt an die weihnachtsbedingt geschlossene BN-Kreisgeschäftsstelle in Altenerding. Die Organisation hatte sich von Anfang an gegen die Baumaßnahme im Landschaftsschutzgebiet „Notzinger Weiher und Umgebung“ gestemmt. Jetzt hat der BN Klage eingereicht.

„Wir dachten, wir könnten Stellung nehmen, wie es uns zugesichert wurde“, sagt Drobny im Pressegespräch. Jetzt sei nur noch die Klage geblieben. „Das haben wir nicht leichten Herzens gemacht“, erklärt Gabriele Betzmeir. In dem ganzen Verfahren seien aber zu viele negative Dinge passiert.

Los ging es nach ihren Worten mit einer Abstimmung im Strukturausschuss des Kreistags ohne ausreichende Informationen im November 2016 sowie einer ersten Abholzung kurz darauf – „ohne Wissen der Unteren Naturschutzbehörde, ohne artenschutzrechtliches Gutachten, ohne Dokumentation“, zählt die Naturschützerin auf. Bis heute habe der gesamte Kreistag noch immer nicht über das Projekt abgestimmt. „Es geht ja um erhebliche Summen“, erklärt die 61-Jährige. Im Kreishaushalt 2018 stehen 1,7 Millionen Euro.

Die Klagefrist hat der Bund Naturschutz nach Drobny gerade noch eingehalten. Nach einem ersten erfolglosen Zustellversuch am 23. Dezember sei der 27. Dezember der Stichtag, ab dem eine vierwöchige Klagefrist gerechnet werde. Für Betzmeir lassen die Unterlagen zu viele Fragen offen. „Es ist nicht einmal ein detaillierter Bauplan drin“, berichtet die Ärztin aus Aufkirchen, die seit Jahrzehnten selbst gerne am Notzinger Weiher baden geht.

„Wir sehen einen eklatanten Widerspruch zum Landschaftsschutzgebiet“, sagt Drobny. Bei der Ausweisung 1994 ist unter anderem der Erhalt von Vegetationsbeständen und gefährdeten Tierpopulationen als Schutzzweck festgeschrieben worden. Das Landratsamt hebe nun auf einen von sechs Schutzzwecken ab, erläutert der Diplom-Biologe. „Naturschutzfachliche Ziele mit dem Ziel der Erholungsnutzung in Einklang zu bringen“, fordert die Verordnung von 1994.

Diese Argumentation sieht Drobny als Trick, mit der der BN von einer Beteiligung im Verfahren vor Erteilung der Baugenehmigung abgehalten werden sollte. Denn so handelt es sich laut Kreisbehörde um keine Ausnahme vom Landschaftsschutzgebiet. „Mit dieser Begründung könnte man dort auch eine Hotelanlage genehmigen“, klagt der 57-jährige Freisinger. Dabei bringe der genehmigte Bau der Gebäude für den Zeltplatz, von Sanitäranlagen, einer Wasserwachtstation und weiterem eine massive Beeinträchtigung der Natur mit sich. Unter anderem seien dort Biber, Eisvogel, Ringelnatter und Fledermäuse in Gefahr. „Jeder ander würde mit so etwas Ärger bekommen“, schimpft Drobny.

Betzmeir erinnerte an die heftigen Stürme dieses Winters. Aus Sicherheitsgründen für zeltende Kinder müssten mit diesen Erfahrungen noch viele hohe Bäume am Notzinger Weiher gefällt werden.

„Der Bund Naturschutz ist nicht gegen einen Jugendzeltplatz“, sagt Drobny, „es geht aber um das Wo und Wie. Am Notzinger Weiher würde zu viel kaputt gehen“.

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