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Kreative Grüße an die Schüler (obere Reihe, v. l.): Katrin Schindler, Dominik Wittmann, (Mitte, v. l.) Direktor Martin Heilmaier, Sebastian Huber, Sonja Bratky; (unten, v. l.) Bernd Schirmer, Johanna Braun,Kilian Handlos.

„Make Oberding great again!“

Schulen wegen Corona zu: Lehrer-Video rührt Oberdinger Realschüler zu Tränen

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Mit einer emotionalen Botschaft in Corona-Zeiten haben sich die Lehrer der Oberdinger Realschule an ihre Schüler gewandt. Die Reaktionen auf das 17-minütige Video waren nicht minder emotional.

Oberding – An der noch jungen und vergleichsweise kleinen Oberdinger Realschule versteht man sich als eingeschworene Schulfamilie. Hier kennt jeder jeden, man hält zusammen. Das beste Beispiel dafür ist ein Video der Lehrer mit Grüßen an ihre Schüler, die wegen der Corona-Beschränkungen zuhause lernen. An dem knapp 17-minütigen Clip, der auf der Homepage der Schule und auf YouTube zu finden ist, haben 31 Lehrer mitgewirkt – fast das gesamte Kollegium. Unzählige Reaktionen, etwa per E-Mail, sind daraufhin bei der Schule eingegangen, von begeisterten Eltern und Schülern. Es seien sogar Tränen der Rührung geflossen, berichtet Direktor Martin Heilmaier.

Coronavirus in Bayern: Alle Schulen seit Wochen geschlossen

„Eigentlich wären wir gerne wieder in der Schule“, zitiert er eine der Reaktionen, in denen Wehmut mitschwinge. „Der Lehrer ist halt eine Bezugsperson. Wenn der zu einem direkt auf diese Weise spricht, ist das schon ergreifend“, findet Heilmaier. Bis Dienstagmittag wurde das Video alleine auf YouTube knapp 2400 Mal abgespielt. Unsere Zeitung hat es am Freitag auf ihrer Facebookseite geteilt, dort hat es weit über 100 „Gefällt mir“-Markierungen erhalten und wurde knapp 40 Mal geteilt. Und auch einige Kommentare gab es. Sie reichten von „Toll gemacht und sehr liebe Worte an die Schüler“, über „Wir fanden es total emotional“ bis hin zu „Weiterempfehlen können wir diese Schule auf jeden Fall“.

Emotionales Video in Corona-Zeiten: Lehrer schicken Botschaft an Schüler

Doch was ist in dem Videoclip eigentlich zu sehen? Los geht’s mit einem klassischen Countdown von Zehn runter. „Realschule Oberding. Wir warten auf Euch“, heißt es dann, bevor Heilmaiers Stellvertreter Dirk Gärtner mit der Kamera in der Hand erst mal ins Sekretariat und zum Hausmeister geht, fragt, ob alles okay sei, und sich natürlich auch scherzhaft erkundigt, ob brav Abstand gehalten werde. Beim Gang durch den Flur zu den Klassenzimmern bleibt Gärtner nur die Feststellung: „Alles leer.“

Nun folgen die individuellen, recht einfallsreichen und vor allem auch unterhaltsamen Grüße der Lehrer. „Peter, hast du mich verstanden?“, fragt beispielsweise Kilian Handlos eine der Playmobilfiguren vor ihm auf dem Tisch. Die reagiert freilich nicht darauf. „Wie ihr seht, vermisse ich die Schule und vor allem euch schon sehr“, sagt der Lehrer an seine echten Schüler daheim gerichtet.

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Wichtige Corona-Botschaft: „Make Oberding great again!“

Klar spielt auch Klopapier – Achtung, Wortwitz! – eine Rolle. So jongliert damit ein Lehrer auf dem Laufband stehend, während ein weiterer beim Musizieren vom Sohnemann mitsamt seinem Kontrabass eingewickelt wird. Musik und Sport kommen öfter vor, auch Grüße aus der freien Natur sind dabei. Sebastian Huber gibt derweil den Donald Trump, freut sich schon auf die Zeit nach Corona und fordert: „Make Oberding great again!“

Im Stile des YouTube-Schlagers „Annoying Orange“ verwandelt sich Biolehrerin Sonja Bratky in eine grüne, sprechende Libelle, und Mathelehrer Dominik Wittmann berechnet eine ganz komplizierte Formel, die letztlich ergibt: „da-hoam = bleim“. Abschließend richtet Direktor Heilmaier noch aufmunternde Worte an die Schüler – und zwar von seinem Wohnzimmer und Homeoffice aus, mit Monopoly-Spielbrett vor sich. Es folgt wieder ein Countdown und als Überraschung ganz zum Schluss ein mit dem Kopf unter dem Physikbuch schnarchender Lehrer, dessen Namen wir an dieser Stelle lieber nicht verraten wollen.

Die Idee zu dem Video hatte Personalratsvorsitzender Thomas Kirchmeier. „Es waren sofort alle begeistert und machten sich an die Arbeit“, berichtet Heilmaier. So konnte Kirchmeier das Video schnell schneiden.

Lernen trotz Corona-Krise: Schul-Direktor zieht positives Fazit

Das Lernen dahoam läuft derweil dem Direktor zufolge ganz gut. In Bezug auf seine Oberdinger Schule hat er den Eindruck, dass die Schüler zuhause auf jeden Fall mehr als 40 Prozent von dem lernen, was sie aus dem regulären Unterricht mitnehmen würden. Diese Zahl hatte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, geschätzt.

„Wir sind fast zu 100 Prozent digital“, sagt Heilmaier zum Thema Homeschooling. Zwar habe man nach Ministerpräsident Markus Söders Bekanntgabe der Schulschließungen den Schülern – „was noch ging“ – an Büchern und Papier mitgegeben, ansonsten laufe das meiste aber über Portale und Plattformen wie Mebis. Damit die Schüler nicht wegen Stapeln mit zig Seiten Arbeitspapier daheim die Übersicht verlieren, wurden auf der Homepage der Schule Listen bereitgestellt.

Schulen wegen Corona geschlossen: „Jeder Schüler weiß, was zu tun ist“

„Von der 5a bis zur 10b steht darin, was jede Klasse zu tun hat“, erklärt Heilmaier. Auch für die aktuellen Osterferien gebe es digitales Material für freiwilliges Lernen. „Irgendwann wird die Prüfung kommen, man weiß halt noch nicht, wann“, sagt der Realschuldirektor.

„Dank unseres jungen Kollegiums sind wir auf der digitalen Schiene schon immer gut unterwegs“, erklärt Heilmaier. Deswegen wüssten die Lehrer gut über Lern-Apps und Ähnliches Bescheid. In der derzeitigen Situation würden dahingehend auch die älteren Kollegen mitgezogen. Und den Schülern mache es „vielleicht sogar auch Spaß, mal was digital zu machen“. Dennoch sagt Heilmaier: „Wenn das bis Pfingsten so weitergeht, läuft sich das irgendwann tot. Der direkte Kontakt ist immer wichtig.

Noch hält das Kultusministerium offiziell an der Linie fest, dass am 20. April alle Schulen wieder öffnen. Dass es wirklich so kommt – daran glaubt allerdings niemand mehr.

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