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Der Computer als Bauer

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Von: Klaus Kuhn

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Am Joystick: Florian Maier begrüßt zu seinem „Computerspiel“. Das hat aber 220 PS und kann GPS-gesteuert auf drei Zentimeter genau fahren.
Am Joystick: Florian Maier begrüßt zu seinem „Computerspiel“. Das hat aber 220 PS und kann GPS-gesteuert auf drei Zentimeter genau fahren. © Klaus Kuhn

Die Digitalisierung hält auch in der Landwirtschaft immer mehr Einzug. Auch wenn die Technik oft teuer ist, sie bietet in Zeiten der Preisexplosion auch Einsparpotenzial. Ein Besuch bei den Maiers in Niederding.

Niederding – Druckluftzylinder öffnen das kleine Gatter. Die Kuh, die geduldig davor gewartet hat, läuft in eine kleine Box. Mit leisem Zischen schließt sich das Gatter wieder. Bald machen sich zwei rotierende Bürsten über die vier Zitzen am Euter her, reinigen diese, während aus kleinen Düsen Wasser zugegeben wird. Sofort docken nacheinander die vier Sauger an, kameragesteuert finden sie die vier Saugstellen. In den transparenten Schläuchen sieht man die Mich fließen. Der Melkroboter ist bei Familie Maier an der Herrnstraße in Niederding in Aktion. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) hat zu dem Termin auf dem Hof eingeladen. Das Thema: Digitalisierung in der Landwirtschaft.

Kommt nichts mehr, docken die vier Sauger wieder ab, das Gatter vor der Kuh öffnet sich, die Kuh kehrt zurück in den Laufstall. Sie ist eine von 50 in dem Betrieb. Die nächste Kuh wartet schon. Aber erst ist Reinigung des Melkgeschirrs angesagt. Die Einheit mit den vier Saugern fährt dazu vollautomatisch die Spülbürsten an, die an einer anderen Stelle der Maschine montiert sind. Derweil ertappt der Computer die Kuh, die jetzt in der Box ist – quasi so: „Die war schon da, das gilt nicht!“ Flugs öffnet sich das vordere Gatter wieder. Die Kuh muss abziehen, Platz machen für die nächste, und jetzt wiederholt sich die Prozedur.

Andocken bitte! Der Melkroboter im Einsatz auf dem Hof der Familie Maier in Niederding, eine weitere Kuh befindet sich schon in Warteposition.
Andocken bitte! Der Melkroboter im Einsatz auf dem Hof der Familie Maier in Niederding, eine weitere Kuh befindet sich schon in Warteposition. © Klaus Kuhn

Die Zeiten sind in der Regel vorbei, in denen sich die Bäuerin mit der schweren Melkkanne zwischen ihren Kühen erst mal durchkämpfen muss, um sich dann buchstäblich hinzubuckeln, um ans Euter zu kommen. Digitalisierung beziehungsweise Automatisierung ist angesagt. Und gerade in Zeiten explodierender Kosten für die Landwirtschaft ist das eine große Chance.

Die Kühe von Anton Maier tragen Halsbänder. Es handelt sich um Transponder, Geräte, die ständig mit dem Hauptrechner in Verbindung stehen und diesem mitteilen, wie es der Kuh geht. Anton Maiers Sohn Florian (24) ist es wichtig, dass er immer genau weiß, was los ist in der Herde. „Das Gerät misst, wie lange eine Kuh wiederkäut. Ist diese Zeit zu kurz, ist das ein mögliches Zeichen dafür, dass sie zu wenig frisst. Dann muss man nachschauen.“ Wenn eine Kuh Fieber hat, stellt das ein Temperatursensor fest, und der gibt sofort Alarm. Tierwohl, so lautet das Schlagwort.

140 000 bis 160 000 Euro muss ein Landwirt heute für so eine Anlage investieren. Auf Dauer rechnet sich das auch bei entsprechenden Beständen. „Wir haben jetzt schon den zweiten Melkroboter“, berichtet Florian Maier. Ein bisschen Bauernhofromantik bleibt: „Bei uns haben alle Kühe Namen.“

Völlig unromantisch ist die Unkrautbekämpfung: „Kameragestützte Hacktechnik“ ist der neueste Schrei: Roboter, die völlig autonom und GPS-gesteuert über das Feld fahren und das Unkraut herausnehmen, die Nutzpflanzen aber stehen lassen.

Der Landwirt kann derweil etwas anderes tun: düngen zum Beispiel. 21 Meter beträgt die Arbeitsbreite eines modernen Düngerstreuers. Es gibt auch schon welche mit 52 Metern. Was aber, wenn ein Feld spitz zuläuft? Der sogenannte Wurfteller dreht dann langsamer, bei gleichzeitig synchron sinkendem Strom von Düngemitteln, und so wird die Arbeitsbreite reduziert, der Einsatz pro Quadratmeter aber konstant gehalten. Der Rechner hat die Form des Feldes eingespeichert, GPS sagt dem Rechner, wo der Traktor mit dem Streuer gerade ist.

Es geht aber noch mehr: Florian Maier erzählt von Mähdreschern der neuesten Generation, die erfassen, wo der Ertrag beim Dreschen gerade nicht optimal ist, und diese Daten automatisch an den Rechner auf dem Hof übermitteln. Der kann dann wieder den Düngerstreuer steuern. Vollautomatisch erkennt dieser dann den Bereich des großen Ackers, wo vielleicht mehr Düngereinsatz erforderlich ist.

Der moderne Fendt 722 Vario der Maiers lässt sich mit einem Joystick steuern, Daten sind auf einem Monitor ablesbar. Die GPS-Steuerung verhindert, dass bei den – gerade jetzt durch den Krieg in der Ukraine – sündteuren Pflanzenschutzmitteln dieselbe Stelle zweimal angefahren wird. Die sogenannte Aufwandsmenge sinkt.

Betriebe nutzen die modernen Maschinen oft gemeinsam – eine Sache, die immer mehr aufkommt. Einer, der das weiß, ist Josef Schächtl, Berater beim AELF. Er findet das auch ganz gut so. „Eine zehn Jahre alte Maschine ist heute total veraltet“, sagt er. Das AELF bemühe sich, durch Pressetermine wie bei den Maiers das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen.

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