Faible für Reisen: Franz Kronseder mit seiner Ehefrau „Lisa“ (Elisabeth) in Meran.
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Faible für Reisen: Franz Kronseder mit seiner Ehefrau „Lisa“ (Elisabeth) in Meran.

Franz Kronseder (†89) war Realschuldirektor und leitete die Volkshochschule

Trauer um den strengen „Sergeant“

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Erdings 3. Bürgermeister hat bei ihm einen Verweis bekommen: Franz Kronseder war bekannt als strenger Lehrer, man nannte ihn den „Sergeant“. Mit 89 ist er nun verstorben.

Aufkirchen – Sie nannten ihn den „Sergeant“, auch wenn er mit Militär, Krieg und dergleichen überhaupt nichts am Hut hatte. Gemocht hat Franz Kronseder seinen Spitznamen aber schon. Irgendwie passte er nämlich doch gut zu ihm, schließlich war der Aufkirchener ein strenger Lehrer. Kronseder hat in seinem Berufsleben, in dem er es bis zum Direktor brachte, viele Schüler gehabt, darunter einige, die heute im Landkreis bestens bekannt sind. Nun herrscht Trauer um den Sergeant, denn er ist am Tag vor Heiligabend im Alter von 89 Jahren verstorben.

Noch gut an seinen ehemaligen Lehrer erinnert sich zum Beispiel Harald Seeholzer, der den Erdingern heute als Künstler Harry S. und 3. Bürgermeister ein Begriff ist. Er war damals Schüler der Herzog-Tassilo-Realschule, als er sich vom Sergeant einen Verweis einhandelte. An der Schule gab es damals noch Mädchen-Klassen, eine davon lag über dem Klassenzimmer Seeholzers. Ein Mädel hatte an einer Schnur einen Brief durchs Fenster abgeseilt. Als Seeholzer diesen gerade las, wurde er von Kronseder erwischt. Da er ihm den Brief partout nicht aushändigen wollte, um die Verfasserin geheim zu halten, mampfte Seeholzer den Brief einfach auf. Zur Strafe gab’s den Verweis.

Geboren wurde Kronseder 1931 in Kienraching (Gemeinde Taufkirchen). Dort wuchs er mit fünf Geschwistern auf, sein Vater war Landwirt und Maschinist. Als junger Lehrer arbeitete Kronseder in Trostberg, danach wurde er nach Erding versetzt und fand seine Heimat in Aufkirchen. Als 1964 die Knabenrealschule in Erding eröffnet wurde, war Kronseder als Lehrer im Kollegium sozusagen ein Gründungsvater. Die Fächer des Sergeants: Deutsch, Geschichte und Sozialkunde. Oft unterrichtete er auch Sport. 1970 wurde er zum Konrektor ernannt, 1987 wurde er Direktor der Realschule in Unterschleißheim und Chef von über 500 Schülern und knapp 50 Lehrern. „Mit vielen ehemaligen Kollegen hatte er bis ins hohe Alter Kontakt“, erzählt Schwiegertochter Heike Kronseder aus Wartenberg.

Zusammen mit dem Direktor des Erdinger Gymnasiums, Wolfgang Hoppe, leitete Kronseder außerdem in den 80er und 90er Jahren die Erdinger Volkshochschule. Sein Fokus galt dabei nun auch der Erwachsenenbildung. „Sein Beruf war sein Hobby“, sagt Heike Kronseder. Der Sergeant habe sich stets akribisch auf den Unterricht vorbereitet.

Ein weiteres tagtägliches Ritual war das stundenlange Studieren der Tageszeitung. Und „Die Zeit“ las er komplett von vorne bis hinten. Wichtige Artikel und Kritiken zu Theateraufführungen schnitt er aus und archivierte sie. Zudem sammelte Kronseder Geschichts- und Kunstbücher. „Legendär ist seine Sammlung an Text-Interpretationen zur klassischen Literatur. Nicht selten überraschte er seine Kinder und Enkel, indem er durch einen sicheren Griff ins Bücherregal wertvolle Quellen für schulische Vorbereitungen beisteuerte“, sagt Heike Kronseder.

Ein weiterer Schüler des Sergeants war Wartenbergs Altbürgermeister Manfred Ranft. Er erinnert sich, dass die Schüler ihren Lehrer bewunderten, weil er täglich – bei Wind und Wetter – mit dem Fahrrad von Aufkirchen nach Erding radelte. Für die jungen Burschen wurde er so im Sportunterricht zu einem trainierten Vorbild.

Seinen Spitznamen hat der Sergeant aus seiner Realschulzeit. „Wer ihn um 1987 erfunden hat, ist nie aufgedeckt worden“, erzählt Heike Kronseder. „Allerdings ist der Spitzname bis heute geblieben, und er hat ihn, auch wenn er ein total unmilitärischer Mensch war, gern gemocht und immer geschmunzelt, wenn ihn in späteren Jahren ein ehemaliger Schüler beim Einkaufen traf und ihn so nannte.“ Und der Spitzname passt halt einfach auch: Kronseder war als Lehrer streng, aber auch sehr fair, ausgesprochen korrekt und immer bestens vorbereitet – was er auch von seinen Schülern erwartete.

Im Landkreis fühlte sich Kronseder wohl, er war Mitglied in vielen Vereinen: Schützen Falke Aufkirchen, Die Johanniter, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Volksspielgruppe Altenerding, Geschichtsverein Heimatbund Mühldorf, Krieger- und Soldatenverein Aufkirchen, Freunde der Stadt Erding, Vereinigung Bayerischer Realschuldirektoren – die Liste ist noch länger.

Auf seine vier Kinder Franz (Informatiker), Elisabeth (Zahnärztin), Wolfgang (Zahnarzt) und Gabriele (Lehrerin an der Berufsschule) sowie seine acht Enkel war der Sergeant mächtig stolz. Nach der Pensionierung 1995 nahm sich Kronseder viel Zeit für seine Enkel, etwa um mit ihnen auf dem Aufkirchener Spielplatz oder bevorzugt an der Esche im Garten zu schaukeln. Für die Enkel hatte er stets schöne Buch-Geschenke parat, er kaufte ihnen aber durchaus auch moderne Spielsachen.

Nach der Pensionierung entwickelte Kronseder ein Faible für das Reisen, den Besuch von kulturellen Veranstaltungen und für seinen Garten – ein regelrechtes Meer aus Blumen, Obstbäumen, Beerensträuchern und Salatbeeten. Das Hobby seiner Ehefrau Elisabeth, die Imkerei, beobachtete er mit Freude. Politische Diskussionen im Fernsehen und mehrmals am Tag Nachrichten und Kultursendungen sah er sich gerne an. Das Zeitung lesen hat er übrigens bis wenige Tage vor seinem Tod nicht aufgegeben.

Wegen Corona findet der Trauergottesdienst mit Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis statt.

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