Stammkundin: Die 20-jährige Philomena, ihre Geschwister und ihre Mutter lassen sich schon seit 14 Jahren die Haare von Manuela Hufschmid frisieren – ganz gemütlich in den eigenen vier Wänden. Hier bekommt sie Locken.
+
Stammkundin: Die 20-jährige Philomena, ihre Geschwister und ihre Mutter lassen sich schon seit 14 Jahren die Haare von Manuela Hufschmid frisieren – ganz gemütlich in den eigenen vier Wänden. Hier bekommt sie Locken.

Manuela Hufschmid aus Niederding schneidet die Haare bei den Kunden daheim

Die mobile Friseurin

  • vonGerda Gebel
    schließen

Die Niederdingerin Manuela Hufschmid erkannte eine Marktlücke und fing an, bei ihren Kunden zuhause Haare zu schneiden. Heute boomt das Geschäft.

Niederding – Ein Friseur, der zu den Kunden nach Hause kommt und ihnen dort einen neuen Haarschnitt verpasst, ist gerade in Corona-Zeiten heiß begehrt. Manuela Hufschmid aus Niederding, die diesen Service bereits seit Jahren im Landkreis anbietet, kann sich inzwischen vor Anfragen nicht mehr retten.

Dass sie einmal Friseurin werden möchte, wusste die 49-Jährige schon als Kind. Die gebürtige Schweizerin, aufgewachsen in der Nähe von Zürich, hat schon damals gerne ihre Puppen frisiert und ihnen die Haare mit Wasserfarben gefärbt. Nach einer Friseurlehre übernahm sie bereits im Alter von 20 Jahren einen eigenen Salon.

Marktlücke erkannt

„Ich habe praktisch Tag und Nacht gearbeitet, der Laden ist wirklich gut gelaufen“, erzählt sie. Im Urlaub auf Gran Canaria lernte die quirlige Friseurin einen Bayern kennen und entschied sich nach einer Zeit der Fernbeziehung zu einem Umzug nach Erding. Eine Festanstellung in einem Friseursalon zu finden, war kein Problem, doch nach zwei Jahren im Angestelltenverhältnis sehnte sich Hufschmid danach, wieder eigenverantwortlich zu arbeiten. „Es kamen Anfragen, ob nicht auch ein Friseurbesuch zu Hause möglich wäre, da zum Beispiel Mütter keine Betreuung für ihre Kinder hatten oder Kunden nicht mobil waren, um einen Salon aufzusuchen“, erinnert sich Hufschmid. Eine Marktlücke, die sie damals erkannte und für sich nutzen wollte.

Sie informierte sich über die Voraussetzungen für ein mobiles Friseurgewerbe und machte sich schließlich 2005 offiziell als mobile Friseurin selbstständig. Für die damals frisch gebackene Mama nicht ganz einfach ohne Kinderbetreuung, deshalb war ihr Sohn schon im Maxi-Cosi mit dabei. „Es lief von Anfang an ohne Werbung, nur mit Mundpropaganda“, berichtet die Friseurin. Kunden wurden gewonnen im privaten Umfeld, in der Krabbelgruppe, beim Fußball, im Freundeskreis. Der Service sprach sich schnell herum. Inzwischen kann sich Hufschmid über zahlreiche Stammkunden freuen, dazu erweitert sich ihr Kundenstamm laufend.

Neben einem „mobilen Gewerbe“ hat sie zusätzlich auch ein „stehendes Gewerbe“ angemeldet, bei dem sie auch bei sich zuhause Kunden bedienen darf. Durch diese Ausnahmegenehmigung ist ihr als mobile Friseurin auch Werbung gestattet, die sonst nur einem Friseurmeister mit einem eigenen Salon vorbehalten ist.

Ein „stehendes Gewerbe“ hat die Stylisten zusätzlich neben ihrem „mobilen Gewerbe“. So kann sie auch bei sich zuhause in Niederding Kunden empfangen.

Den ersten Lockdown im Frühjahr 2020 nutzte Manuela Hufschmid, um an ihrem Marketing zu arbeiten. Vom Aufbau einer professionellen Website über Suchmaschinen-Optimierung bis hin zu Werbeflyern. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass die Maßnahmen sich über so viele Kundenanfragen bemerkbar machen“, sagt sie begeistert. Anfragen kämen mittlerweile auch aus Nachbar-Landkreisen, was sie wegen der Fahrzeiten alleine gar nicht mehr bewältigen könne. Ob Familien mit Kindern, Einzelkunden oder auch Geschäftsleute, die außerhalb der normalen Öffnungszeiten einen Haarschnitt brauchen, sie alle freuen sich auf ihren Besuch. „Es haben sich mit meinen Kunden schon Freundschaften gebildet, denn man lernt die Leute viel persönlicher kennen bei sich zuhause“, sagt Hufschmid.

Das kann ihre langjährige Kundin Philomena nur bestätigen: „Manuela Hufschmid schneidet schon seit 14 Jahren bei meiner Mama und meinen Geschwistern die Haare und ist eine Freundin der Familie geworden.“ Schön sei das Vertrauensverhältnis mit der Stylistin, die ihre Haarstruktur bestens kenne und ihre Vorstellungen genau umsetze, erklärt die 20-jährige Erdingerin mit den langen Haaren, die nach dem Lockdown wieder eine Behandlung im Wohnzimmer genießt. Auch Stammkunde Giovanni lässt sich seit acht Jahren zuhause stylen und schätzt die flexible Terminvereinbarung.

Auf der Suche nach Unterstützung

Selbstverständlich arbeitet auch die mobile Friseurin mit Mund-Nasen-Schutz wie in einem Salon und hält sich an alle Hygienevorgaben. Hufschmid, die sich selbst als Einzelkämpferin beschreibt, liebt ihre Unabhängigkeit. „Es ist wirklich schön, man wird beim Kunden schon freudig erwartet und lernt so viele nette Menschen kennen“, erzählt sie. Die Kunden brauchen bei ihrem Besuch nur einen Stuhl, Handtücher, Staubsauger oder Besen und dazu ihren Kopf, das restliche Equipment bringt Hufschmid selbst mit.

Während des Winter-Lockdowns, der auch die mobile Friseurin wieder in den Zwangsurlaub geschickt hat, bastelte sie an einem neuen Konzept, um den Kundenansturm zu bewältigen. „Mein Terminkalender ist bereits auf Wochen hinaus ausgebucht“, sagt sie. Für Ihre Expansionsidee sucht Hufschmid noch Friseure, die sich landkreisübergreifend unter einer eigenen Marke und auf eigene Rechnung mobil selbstständig machen möchten. Sie könnten über eine Art Franchise-Konzept bereits zu Beginn von Coachings und Werbemaßnahmen profitieren.

In jeden Fall freut sich die 49-Jährige, ihre Kunden wieder besuchen zu können. Hatte sie anfangs noch Heimweh nach der Schweiz, so sagt sie heute: „Daheim ist für mich jetzt Bayern – der Landkreis Erding und Niederding.“

Gerda Gebel

Internet

Infos gibt es auf www.mobiler-friseur-erding.de.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare