Feinste Technik auch an der Tafel: Lehrerin Petra Obermaier und Schulleiter Johann Deschu zeigen auf den LED-Screen.
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Feinste Technik auch an der Tafel: Lehrerin Petra Obermaier und Schulleiter Johann Deschu zeigen auf den LED-Screen.

Seit dieser Woche läuft der Unterricht im neuen Oberdinger Vorzeigebau – Ein Rundgang

Die modernste Schule im Landkreis

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Seit dieser Woche läuft der Unterricht in der hochmodernen neuen Oberdinger Grund- und Mittelschule. Wir begeben uns mit dem Rektor auf einen Rundgang.

Oberding – Wenn in diesem Gebäude der Unterricht keinen Spaß macht, ja wo denn dann, liebe Schüler? Am Montag, also pünktlich zum Start nach den Herbstferien, ging es los in der neuen Grund- und Mittelschule in Oberding. Zusammen mit Rektor Johann Deschu begeben wir uns auf einen Rundgang durch das hochmoderne, gut 25 Millionen Euro teure Gebäude.

Bühne mit Tribüne

Wir beginnen dort, wo der Schulleiter sein Highlight des aus vier Einzelmodulen bestehenden Hauses ausgemacht hat: an der Bühne mit Tribüne unweit von Aula und Mensa. Die Bühne verfügt über feinste Technik, ein Bose-Soundsystem zum Beispiel. Wenn die Leinwand dahinter nicht heruntergefahren ist, bietet sich für die Zuschauer von der ohne Corona-Abstandsregeln 180 Kindern Platz bietenden Tribüne ein schöner Ausblick nach draußen ins Moos. Fährt man die Wand neben der Bühne zurück, geht es direkt in den Musiksaal. Würde man dort bestuhlen, hätte man an der Bühne eine noch größere Zuschauerkapazität. Für die Zukunft nach der Pandemie kann sich Deschu vorstellen, dass dort einmal auch außerschulische Veranstaltungen stattfinden wie Lesungen oder Aufführungen. Die Bühne vor einer Fensterfront lässt sich mit Vorhang und Jalousien komplett abdunkeln.

Gruppenräume

Die Schule zählt derzeit 175 Grund- und 128 Mittelschüler. Es gibt 16 Zimmer für die Grund- und zehn für die Mittelschule. Zwischen zwei Zimmern, die jeweils 64 Quadratmeter messen, liegt immer ein Gruppenraum, zwei Klassen teilen sich also drei Zimmer. Das ermöglicht differenzierten Unterricht und im Falle von pandemiebedingten Umplanungen zusätzliche Klassenzimmer. Einige Zimmer stehen noch leer. Beispielsweise gibt es derzeit drei erste Klassen, „ausgelegt sind wir aber auf eine vierzügige Grundschule“, erklärt Deschu. Die Schülerzahl, auf die das Haus ausgerichtet ist, wird ihm zufolge erst in acht bis zwölf Jahren erreicht.

Viel Holz

Das Gebäude in Holzständerbauweise bietet nicht nur an der Außenfassade viel Holz, sondern auch im Innenleben. Auf dem Weg zu den Klassenzimmern fällt das genauso auf wie die grau-gelbe Farbgestaltung, die wie berichtet im Gemeinderat umstritten war. Die Kinder sollen die Farbe ins Haus bringen, so das Credo von Architekt Arthur Schankula.

Und damit haben sie auch schon angefangen. Auf dem Flur deutet Deschu auf bunte Bilder, die die Grundschüler gemalt und aufgehängt haben. Zur Farbgebung sagt Deschu: „Bis jetzt war es noch gar kein Thema. Denen, die da waren, gefällt’s. Ich finde, es ist eine gute Kombination.“

Belüftungssystem

Doch nun hinein ins Klassenzimmer. Sofort kommt das hochmoderne Belüftungssystem zur Sprache. Jede Viertelstunde wird die Luft komplett ausgetauscht – ein Segen, wie sich nun in der Pandemie herausstellt. Die Gruppenräume werden wegen ihrer Lage zwischen den Klassenzimmern sogar doppelt so schnell entlüftet. Fenster aufmachen ist nicht nötig. „Das kriegt man mit normalem Lüften auch niemals so hin“, sagt Deschu. Ein weiterer Vorteil: Die Raumtemperatur bleibt erhalten.

Die Lüftungsanlage, meint der Rektor, könnte durchaus ein Vorbild für künftige Neubauten im Landkreis sein. „Ich hoffe, dass das Schule macht, und ich bin froh, dass die Gemeinde bereit war, das zu machen, ohne dass man damals von einer Pandemie gewusst hat.“

Holzfassade: Der Haupteingang zur neuen Grund- und Mittelschule in Oberding.

Der richtige Zeitpunkt

Das Ganze sei freilich immer auch eine Frage des Geldes, weiß Deschu. Und des Zeitpunkts: Denn die Planungen für das – kostspielige –Haus gingen ja vor Corona schon über die Bühne. „Das waren noch Zeiten, in denen man nicht sparen musste“, so der Rektor, der sonst möglicherweise ein anderes Schulhaus bekommen hätte.

LED-Tafeln

Hochmodern sind auch die LED-Boards in der Mitte der Tafeln – die Kreide hat fast ausgedient. Auf den Boards können Lehrer und Schüler mit speziellen Stiften oder einfach mit dem Finger schreiben. Das Ganze wirkt wie ein überdimensionaler PC-Touchbildschirm. „Wie gefällt euch die Tafel?“, fragt Deschu in die Runde. „Guuuuut!“, antworten ihm die Grundschüler.

Wieder draußen, fällt der Blick durch eine Fensterfront hinaus auf den Pausenhof. Dort wird in den nächsten Tagen noch ein Klettergerüst aufgebaut. Das meiste ist aber schon fertig, etwa Ruhebereiche mit Bäumen und Sitzgelegenheiten.

Sportanlagen

Die Sportanlagen für weitere rund zwei Millionen Euro sollen derweil erst im Frühjahr fertig werden. Das Areal bietet zwei Allwetterplätze, ein Rasenspielfeld, eine 100-Meter-Laufbahn und einen Boulderwürfel.

Tunnel zur Halle

Doch nun hinunter in den Keller. Ein kurzer, nur sechs bis sieben Meter langer Tunnel ermöglicht es den Kindern, in Hausschuhen hinüber zur Dreifachturnhalle zu gehen. Das habe nachträglich noch kostengünstig eingeplant werden können, erklärt Deschu. „Vor allem die Kleinsten hätten sonst 100 Meter gehen müssen“, sagt der Schulleiter, der angesprochen auf den umstrittenen Erdinger Rathaustunnel sagt: „Das hier ist schon was anders. Wir haben ihn wirklich nicht für die Lehrer gebaut, sondern nur für die Kinder.“ Das Schulhaus ist zudem auch mit der Tiefgarage unterirdisch verbunden.

Sein Highlight: der Rektor auf der Tribüne. Links neben der Bühne lässt sich die Wand zum Musiksaal öffnen. 

Wegen der Hanglage erscheint das Gebäude von außen betrachtet von der einen Seite zwei- und von der anderen dreigeschossig. „Der Schulkindergarten hat ebenerding einen Spielplatz“, erklärt Deschu.

Kühlen über Heizung

Klimatechnisch interessant ist die Fußbodenheizung. Während im Winter über sie geheizt wird, wird damit im Sommer gekühlt – und zwar mit Grundwasser über zwei Tiefbrunnen. „Das ist total umweltfreundlich, ein geschlossenes System“, sagt Deschu, der auch auf Photovoltaik auf dem Turnhallendach hinweist. In den Klassenzimmern gebe es zudem Mülltrennung: „Wir wollen den Schülern das Bestmögliche vermitteln.“

Etwas verspätet

Ursprünglich hätte der Umzug schon zu Schuljahresbeginn erfolgen sollen, auch pandemiebedingt hing man dem Zeitplan etwas hinterher. Deschu zufolge sorgten zuletzt Probleme mit ein paar Firmen für Verzögerungen, Schränke seien nicht fertig geworden. Alles halb so wild, findet er: „Die zwei Monate Verzug waren gar nicht schlecht, so hatten wir noch Zeit für andere Arbeiten.“

Möbelspende

Die Möbel aus der alten Schule wurden übrigens an den Flughafenverein gespendet, der sie nach Griechenland transportieren wird.

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