Test unter genauer Beobachtung: Auf dem Bild macht Zehnklässlerin Maya Kroc einen Nasenabstrich. Das erfolgt unter Anleitung von Feuerwehrkommandant Lorenz Huber (r.), hier mit seinem Mitstreiter Lukas Völlmert (l.). Draußen vor der Tür steht Hygienebeauftragter Dominik Wittmann.
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Test unter genauer Beobachtung: Auf dem Bild macht Zehnklässlerin Maya Kroc einen Nasenabstrich. Das erfolgt unter Anleitung von Feuerwehrkommandant Lorenz Huber (r.), hier mit seinem Mitstreiter Lukas Völlmert (l.). Draußen vor der Tür steht Hygienebeauftragter Dominik Wittmann.

Abstriche an der Realschule unter Aufsicht der Feuerwehr – Gemeinde hilft finanziell

Die Oberdinger Corona-Teststraße

  • Markus Schwarzkugler
    vonMarkus Schwarzkugler
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Auf besondere Weise regelt die Oberdinger Realschule die Corona-Testpflicht: Dort wurde eine Teststraße eingerichtet, bei der die Schüler unter Aufsicht der örtlichen Feuerwehr ihren Abstrich machen.

Oberding – „Die Testerei ist deutlich entspannter“, findet Martin Heilmaier. Der Leiter der Realschule Oberding ist zufrieden damit, wie die Corona-Tests in seinem Haus ablaufen. Der Unterschied zu vielen anderen Schulen: Die Abstriche werden nicht in den Klassenzimmern unter Aufsicht einer Lehrkraft durchgeführt, sondern in der Oberdinger Schule gibt es eine „Teststraße“ – sie läuft unter der Obhut der Freiwilligen Feuerwehr Oberding. Und die Gemeinde leistet finanzielle Unterstützung.

Wegen der aktuellen Inzidenzwerte ist die Lage dafür recht übersichtlich: Nur die beiden zehnten Klassen, die auf ihren Abschluss hinarbeiten, haben derzeit – jeweils in der Turnhalle mit reichlich Abstand – Präsenzunterricht. Unsere Zeitung war am Montag bei der Testung dabei.

Zum Unterrichtsbeginn gegen 8 Uhr bilden die Schüler der Klasse 10a eine Schlange am Eingang zum umfunktionierten Elternsprechzimmer. Einer nach dem nächsten wird vom Hygienebeauftragten – Lehrer Dominik Wittmann – nach drinnen zu den drei Männern der Oberdinger Feuerwehr gebeten. Das sind an diesem Morgen Markus Gernandt, Lukas Völlmert und Kommandant Lorenz Huber, der in der Anfangszeit jedes Mal dabei ist. Aktuell wird immer montags und mittwochs getestet.

Bereits testerprobt sind die Schüler Markus Neumann und Korbinian Neumüller (v. l.)

Und das geht zügig vonstatten: Das Stäbchen für den Abstrich führen sich die Schüler unter Anleitung der Feuerwehrler selbst in die Nase ein, das Ergebnis des Antigen-Schnelltests liegt nach einer Viertelstunde vor. Wer seinen Abstrich gemacht hat, geht in die Halle zum Unterricht, hat derweil Zeit, beispielsweise dem Lehrer Fragen zu stellen. Wenn alle Schüler durch sind, kann der reguläre Unterricht starten.

Für die Schüler ist es am Montag die dritte Testung nach den Osterferien. „Ich find’s gut, weil man eine gscheite Anleitung durch die Feuerwehr hat. Ich habe auch schon mal einen Selbsttest beim Arzt gemacht, aber so wie bei uns in der Schule ist es mir lieber“, findet Markus Neumann (17), ein Schüler der Klasse 10a aus Oberneuching. Sein Klassenkamerad Korbinian Neumüller (15) aus Hallbergmoos meint auf die Frage, ob er sich mit den Tests an der Schule nun sicherer fühle, dass ihm das gar nicht so wichtig sei. „Die Hauptsache ist, dass wir in der Schule sein können – daheim lernt man nicht so viel.“ Die beiden finden die Tests „ein bisserl unangenehm, aber nicht schlimm“.

Feuerwehrkommandant Huber hat selbst zwei Söhne an der Realschule und findet: „Die Disziplin der Schüler beim Testen ist eventuell höher, wenn Externe die Anleitung machen.“ Ein Lehrer könne den ordnungsgemäßen Ablauf durch die Schüler im Klassenzimmer nicht so gut überblicken wie das bei der klar geregelten Teststraße in Oberding der Fall sei, meint Hygienebeauftragter Wittmann. Doch dafür braucht es zusätzliches Geld, das von der – bekanntlich nicht so schlecht betuchten – Gemeinde kommt. Die Schülertests zahlt zwar der Freistaat, doch beispielsweise für die Schutzkleidung der freiwilligen Helfer von der Feuerwehr springt die Gemeinde ein. Sie kommt auch für deren Ausfallzeiten beim Arbeitgeber auf. Zudem stellt sie wie ihren Rathausmitarbeitern auch auf Wunsch Spuck-Schnelltests für Helfer und Schulpersonal zur Verfügung. Jederzeit, nicht nur montags oder mittwochs.

Wenn künftig wieder Wechselunterricht möglich sein sollte und deutlich mehr Schüler im Haus sind, steht noch ein zweites Zimmer für eine weitere Teststraße bereit – und es müsste dann von Montag bis Donnerstag, also viermal die Woche getestet werden. Heilmaier ist zuversichtlich, dass auch das funktionieren würde. Das sei auch wieder eine finanzielle Frage.

Tritt ein positiver Fall auf, sagt der Schulleiter, läuft alles möglichst diskret ab – um den Schüler kümmern sich dann Sekretariat, Schulsozialarbeiterin und Hygienebeauftragter. Die Eltern werden informiert und holen ihr Kind ab. Alles so ruhig wie möglich also. „An der Grundschule wäre ich durchaus skeptisch, wie da eine Klasse in einem solchen Fall reagiert“, sagt Heilmaier, der selber einen Sohn in der dritten Klasse hat. An der Realschule gab es bei der Testung vor Ort bislang einen positiven Fall – eine Achtklässlerin in der Woche vor den Ferien, als die Teststraße gestartet war.

Gibt es eine solche auch an der Grund- und Mittelschule nebenan? Derzeit nicht. Das Ministerium habe ein Veto eingelegt, weiß Bürgermeister Mücke aus einem Gespräch mit Rektor Johann Deschu. Insgesamt findet Mücke: „Der Idealfall wäre das Testen zuhause. Den Eltern sollte man so viel Vertrauen schenken.“

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