Corona-Studio in Schwaig: Weil die Pandemie Geschäftsreisen komplett verändert hat, werden bei LMB die Schulungen ins Netz verlagert, so Geschäftsführer Klaus Jentsch.
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Corona-Studio in Schwaig: Weil die Pandemie Geschäftsreisen komplett verändert hat, werden bei LMB die Schulungen ins Netz verlagert, so Geschäftsführer Klaus Jentsch.

Das Schwaiger Unternehmen LMB baut so ziemlich alle notwendigen Geräte

Die Technik hinter der Blutspende

  • vonMayls Majurani
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Blut spenden funktioniert in etwa so: Der Spender sucht sich einen Termin, füllt ein paar Formulare aus, hat ein kurzes Gespräch, dann piekst es am Arm, und er darf mit einer Flasche Wein wieder nach Hause. Dahinter steckt aber ein großer Aufwand, der vielen nicht klar ist. Klaus Jentsch kennt sich mit den Abläufen hinter den Kulissen aus. Er ist Gründer und Geschäftsführer des Schwaiger Unternehmens LMB Technologie, das so ziemlich alle Geräte produziert, die ein Blutspendedienst benötigt.

VON MAYLS MAJURANI

Schwaig – Der 68-jährige gebürtige Münchner, der im Landkreis Erding aufgewachsen ist, weiß: „Um ein funktionierendes Gesundheitssystem zu haben, braucht man Blut. Und das fängt schon bei den Liegen an. Man muss angenehm liegen können, damit das Blut aus dem Arm gemütlich entnommen werden kann.“ Über einen Schlauch gelangt das Blut in einen Beutel. Hier braucht man Monitore, um das Blut auch kontrolliert entnehmen zu können. Das sind die Geräte, die LMB produziert und die der Blutspender auch zu Gesicht bekommt.

Dann geht es aber weiter: Kühlboxen für den Transport, Separatoren, die das Blut in seine Einzelteile zerlegen, und Geräte für die Lagerung – all das stellt LMB an drei Standorten her, in Schwaig, in Nis im Südosten Serbiens und in Istanbul (Türkei). „Wir bedienen die gesamte Kette“, sagt Jentsch. Insgesamt knapp 250 Mitarbeiter zählt das Unternehmen, 32 von ihnen in Schwaig. Beliefert werden 82 Länder in der ganzen Welt.

Gegründet hat Jentsch LMB im Jahr 1982. Damals wurden nur Blutentnahme-Monitore und Lagergeräte für Thrombozyten hergestellt. Diese werden bei 22 Grad aufbewahrt. Neben Thrombozyten beinhaltet das Blut rote und weiße Zellen und Plasma. Mittlerweile werden auch Kühlgeräte für diese Bestandteile hergestellt: „Die roten Blutzellen werden bei zwei bis sechs Grad gelagert, und das Plasma benötigt eine Temperatur zwischen minus 20 und minus 40 Grad.“

Und die weißen Blutkörperchen? Hier wird es interessant und brandaktuell: „Die weißen Blutkörperchen, im Fachjargon auch Leukozyten genannt, haben eine wichtige Funktion in der Abwehr von Krankheitserregern. Es gibt oftmals bei operativen Eingriffen Infektionen, die lebensbedrohliche Kettenreaktionen im Körper auslösen können. Aus Vollblut isolierte Leukozyten können durch gezielte Transfusion die sehr gefährliche Sepsis-Reaktion unterbrechen. Hierzu wurden in Europa bereits einige Studien vorgestellt“, weiß der Fachmann.

Auch in der aktuellen Corona-Pandemie gebe es die Möglichkeit, Plasma von Menschen, die Covid-19 überstanden haben, zu entnehmen, die Antikörper gegen das Sars-Cov-2-Virus zu isolieren und dem Covid-19-Patienten unterstützend zu transfundieren (intravenöse Übertragung von Blut). In verschiedenen Ländern, in China und auch Europa werde das erfolgreich angewendet, erklärt Jentsch.

Apropos Corona: Die Pandemie hat auch LMB vor Herausforderungen gestellt. „Umsatzeinbußen hatten wir keine“, sagt Jentsch. Die Arbeitsabläufe haben sich aber teilweise verkompliziert. „Wir haben eigentlich 45 ständig reisende Mitarbeiter. Während der Pandemie sind bisher nur zwei von ihnen auf Dienstreise gewesen.“

Denn mit der Lieferung der Geräte ist der Job von LMB nicht getan. Es kommen Schulungen, Wartungen und eventuell Reparaturen dazu. Aktuell passiere das per Videokonferenzen. „Wir haben dafür in Schwaig ein Studio eingerichtet und bauen gerade ein größeres. Dort sitzen nun die Außendienstler mit den Produkten und geben die Anweisungen weiter. Die Pandemie verändert das Leben nun mal, da müssen wir uns auch anpassen.“

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